Vor ihrer Zeit: Die A‑Klasse HyPer & das Hybrid-Experiment von 1999

Ende der 1990er-Jahre roch es in den Auto‑Laboren noch nach Motoröl und Benzin. Die Straßen waren voll von klassischen Verbrennern, und jeder, der an Elektro- oder Hybridfahrzeuge dachte, wurde oft nur belächelt. Doch irgendwo in einem der Mercedes‑Benz Entwicklungszentren in Stuttgart brummte hinter verschlossenen Türen eine kleine Sensation: die A‑Klasse HyPer, ein Hybridexperiment, das seiner Zeit damals meilenweit voraus war.

Vor ihrer Zeit: Die A‑Klasse HyPer & das Hybrid-Experiment von 1999

Die Basis der A-Klasse HyPer (kurz für HYbrid und PERformance) war die kompakte A‑Klasse der Baureihe W168 – ein kleiner, wendiger Wagen, der sich 1997 noch den Ruf eines praktischen Stadtautos erarbeitete. Doch unter der schlichten Karosserie versteckte sich bereits ein visionäres Antriebskonzept. Vorn arbeitete ein 1,7-Liter-CDI-Diesel mit 66 kW (90 PS), hinten ein zusätzlicher Elektromotor mit 26 kW (35 PS). Die beiden trieben unabhängig voneinander Vorder- und Hinterachse an – ein cleverer Trick, der schon damals ein fast allradähnliches Fahrgefühl ermöglichte. Es war, als hätten die Ingenieure heimlich den Gedanken „Allrad für alle“ in den Kompaktwagen gepackt, bevor jemand daran gedacht hatte, dass Hybridautos überhaupt praktisch sein könnten.

Und die Fahrwerte der A-Klasse HyPer konnten sich damals sehen lassen: Null auf 100 km/h in rund acht Sekunden, bei einem Dieselverbrauch von knapp 4,9 Litern auf 100 Kilometer. Im Vergleich: der serienmäßige A 170 CDI benötigte hier noch gut 6,8 Liter und ganze 13 Sekunden auf die 100 km/h Marke. Wer den HyPer damals auf der Straße testete, spürte sofort die Kombinationskraft von Diesel und Elektromotor. Anders als viele spätere Hybride, bei denen der Elektromotor nur den Start-Stopp unterstützte, zog der Hinterradantrieb aktiv mit – echtes Hybrid-Feeling, das wohl heute noch beeindruckt.

Doch die Technik war nicht der einzige Grund, warum der HyPer in der Versenkung verschwand. Ende der 1990er galt Hybridtechnik noch als exotisch. Ein möglicher Markt war viel klein, die Käufer stark skeptisch, und der notwendige Preisaufschlag viel zu hoch. Gleichzeitig verschlangen andere Forschungsprojekte, etwa Brennstoffzellenfahrzeuge, das Budget und die Aufmerksamkeit bei Mercedes. Die Ingenieure mussten ihre kleine elektrische Revolution gegen Zeit, Geld und Marktrealität verteidigen – und verloren am Ende – auch wenn die Pressemappe von damals noch vom „Antrieb der Zukunft“ sprach.

Dennoch hinterließ der A‑Klasse HyPer Spuren. Er zeigte, wie leistungsstark, effizient und zugleich elegant Hybridtechnik bereits im Jahr 1999 sein konnte, lange bevor die breite Öffentlichkeit sie verstand. Ideen und Konzepte aus dieser Studie flossen jedoch in die Hybrid- und Plug‑In-Modelle ein, die heute auf unseren Straßen stehen.

Vor ihrer Zeit: Die A‑Klasse HyPer & das Hybrid-Experiment von 1999

Heute steht der HyPer in den historischen Sammlungen von Mercedes‑Benz, poliert und bewundert, als Zeugnis jener Pionierzeit, als Visionäre in Stuttgart die elektrische Zukunft schon vorausdachten. Wer genau hinsieht, erkennt in ihm den Funken von Innovation – und die leise Erinnerung daran, dass manche Ideen ihrer Zeit einfach voraus sind.  Das Fahrzeug steht aktuell im Mercedes-Benz Museum in Stuttgart im Untergeschoss, im Rahmen der noch laufenden Sonderausstellung „Youngtimer“ – noch bis 12.04.2026.

Bilder: MBpassion.de