Aktuell gibt es wohl nichts von Mercedes-Benz, was schneller Eindruck schafft, sei es im Preis oder in der Größe – ganz klar am Ende der Preisliste steht aktuell bei Mercedes-Benz nur ein Fahrzeug: der G 63 AMG 6×6, welches aktuell bestellbar ist und in Graz bereits über 30 mal produziert wurde. Wir fuhren das Top-Modell der G-Klasse erstmals Probe – in Graz.
„Wir machen möglich, was wir irgendwie machen können!“ – so hieß es bereits bei unserer Ankunft im Werk Graz von Magna Steyr in Österreich – und genau das zeigt man mittels G 63 AMG 6×6 auch mehr als eindrucksvoll: 8 Zylinder, 544 PS, eine 5.9 Meter lange Karosserie – und eine Beschleunigung von 7,9 Sekunden auf 100 km/h. Dabei kann man von einer Höhe von groben 2,40 m und 2,10 Meter Breite irgendwie überrascht sein, wie schnell das Fahrzeug – welches bei 160 km/h abgeriegelt wird -, überhaupt sprintet.
Im Gegensatz zum normalen G63 AMG mit 4 Rädern hat der G 63 AMG 6×6 eine Achse mehr, – und liegt auch erheblich höher. Das Fahrzeug wirkt jedoch von der Optik anders: Sichtkarbon bei den Kotflügelverbreiterungen, Seitentrittbretter in Edelstahl, LED-Lichtleiste oberhalb der Windschutzscheibe, drittes Seitenfenster und der Pickup-Aufbau mit dem großen Edelstahl-Überrollbügel sorgen für Eindruck. Die Ladefläche aus Bambusholz ist besonders strapazierfähig – und per Ladeklappe zugänglich. Über die eigentliche Ausstattung des Fahrzeuges, welches nur als Vollausstattungs-Variante und Linkslenker-Variante erhältlich ist, hatten wir bereits detailliert berichtet, ob hier nun ein AMG Kombiinstrument mit farbigem TFT-Display verbaut ist, inkl. AMG Menü mit separater Ganganzeige, interessiert wohl irgendwie keinen.
Bereits der Einstieg in das Fahrzeug war für uns ungewohnt: wo man in eine „normale“ G-Klasse, egal ob AMG-Variante oder nicht, einsteigt, benötigt man beim 6×6 schon ein wenig Einfallsreichtum, überhaupt in die 70cm höhere Fahrerkabine hineinzugelangen. Ein beherzter Zug an der Kopfstütze hilft hier ungemein, – so das man so am Fahrersitz Platz nehmen konnte – das gilt auch für die Einzelsitzanlage im Innenraumfond mit individueller Mittelkonsole (designo Leder mit Kontrastnähte, Rear Seat Entertainment…). Lautsprecher, Soundanlage, Navigation fällt beim G 63 AMG 6×6 erstmal in Vergessenheit – zumal man hier wohl eher den Motor hören möchte, um sich dann auf das eigentliche Fahren zu konzentrieren.
Das Fahrzeug, welches auf einen Leiterrahmen mit aufgeschraubter Karosserie (Fahrgastzelle und Ladefläche sind dabei getrennt mit dem Rahmen verschraubt) basiert, fährt sich jedoch fast wie eine normale G-Klasse in der AMG-Variante, – sieht man von Maßen und der veränderten Beschleunigung ab. Bei Lenkbewegungen muss man jedoch aufpassen, ein wenig eher einzulenken ist ratsam – ist man daran erstmal gewöhnt, läuft der Rest aber von alleine. Ganz klar: Einparken möchte wohl keiner damit, wenn auch der Überblick für den Fahrer mehr als bequem ist. Eine Rückfahrkamera gibt es ab Werk jedoch nicht.
4.1 Tonnen fahrfertiges Gewicht
Das Fahrzeug selbst, mit einen fahrfertigen Gewicht von 4.1 Tonnen – mit Fahrer von 68 kg, 7 kg Gepäck und 90 % Tankfüllung – (zulässiges Gesamtgewicht 4.6 to) verfügt über einen Tankinhalt per Zusatztank von 146 Liter, – auch wenn man eigentlich über den Spritverbrauch hier weniger redet: auf 100 km/h kann man sich wohl unter 20 Liter bewegen, – aber selbst bei den Fahraufnahmen für den Spot in der Wüste von Namibia gingen nie mehr als 35 Liter durch die Leitungen, so munkelte man vor Ort. Wer ein solches Fahrzeug kauft, fragt wohl nach Reichweite, aber niemals nach den Verbrauch.
Bei unserer Testfahrt hatten wir das Gefühl, die Feldwege nicht zu benötigen – man macht diese lieber selbst. Steigungen, Wasserdurchfahrten… – egal: – und vor allen: welche Bodenwellen? Schaut man auf die Offroad-spezifischen Daten, fällt einen die Überlegenheit im Gelände schnell auf: Bodenfreiheit von 460 mm, eine Steigleistung von 100 Prozent und eine Wattiefe von 1 Meter sind durchaus eine Ansage.
Mittels Portalachsen, dessen Portalgetriebe an den Achsköpfen wesentlich weit unten liegen, steigt die Bodenfreiheit erheblich. Zusätzlich hilfreich: vom Innenraum kann der Fahrer den Reifendruck der Achsen – getrennt über Schalter in der speziellen Dachkonsole – varieren, so z.B. innerhalb von 20 Sekunden von 0.5 auf 1,8 Bar in allen 6 Reifen mit einem Durchmesser von 1 Meter. Einer Fahrt in die nächste Sanddüne steht wohl nichts im Wege.
Momentenverteilung von 31/42/27 zwischen Vorder- und beiden Hinterachsen
5 mechanische 100%-Differentialsperren helfen dem Fahrer, und sorgen für bestmögliches Durchsetzungsvermögen, wobei die Bedienung durch die 3 Schalter in der Mittelkonsole- wie in allen anderen Modellen – erfolgt. Was der 6×6 wohl nicht ist: ein Kurvenkünstler, was aber dem knapp 4,20 Meter langen Radstand geschuldet ist – um eine überzeugenede Agilität mit Dynamik zu erzielen, sorgt die Momentenverteilung mit 31/42/27 zwischen Vorder- und den beiden Hinterachsen.
Der 6×6 fasziniert, – und ist wohl mehr als exklusiv: Auf der Straße wird man das Fahrzeug wohl eher seltener sehen, als einen SLS AMG – und das man über 4 Tonnen zum Springen bringen kann, haben wir auch erst in Graz gelernt. Der G63 AMG 6×6 ist die Krönung der Baureihe der G-Klasse, die seit 1979 produziert wird – und hat auch seine Berechtigung: – spätestens für die Falkenjagd im Nahen Osten oder dortige die Dünenfahrten. Erste Auslieferungen an Kunden sind übrigens schon absolviert.
Ach, – neben den Spritverbrauch interessiert es die Zielgruppe wohl auch nicht, das Mercedes-Benz für das Fahrzeug kürzlich den Preis noch leicht angehoben hat: von 451.010 Euro auf 455.770 Euro… – unwesentlich, oder?
Bilder:MBpassion.de sowie Daimler AG