Erlkönig: elektrischer AMG GT 4-Türer erneut erwischt

Der Nachfolger des AMG GT 4-Türers dreht weiter seine Testrunden – und die Erlkönig-Fotografen sind erneut zur Stelle. Das künftige Topmodell aus Affalterbach wird 2026 als erstes Fahrzeug auf der neuen AMG.EA-Plattform an den Start gehen und leitet für AMG eine neue Ära der rein elektrischen Performance ein. Während die Tarnung noch viele Details verdeckt, zeigt sich: Technisch orientiert sich der Viertürer stark am spektakulären Concept AMG GT XX, optisch jedoch schlägt die Serienversion einen eigenständigen Weg ein.

Die Studie GT XX hatte vor einigen Wochen mit radikalem Design, geschlossenem Heck und futuristischen Proportionen für Aufsehen gesorgt. Der Serien-GT 4-Türer fällt dagegen erwartungsgemäß etwas alltagstauglicher aus. Unter der Tarnfolie erkennt man eine klassische Heckscheibe, eine große Heckklappe sowie harmonischere Linien. Die Frontpartie bleibt trotz Tarnung dynamisch geschnitten, wirkt aber weniger extrem als beim Concept. So bleibt der Serien-GT nah an der Tradition des bisherigen Modells: sportlich, elegant, aber mit praktischer Note. (Video dazu hier.)

Deutlich konsequenter übernimmt AMG dagegen die Technik des GT XX. Herzstück ist das 800-Volt-Batteriesystem mit neuartigen NCMA-Zellen und Siliziumanoden, das eine Energiedichte von 740 Wh/l bietet. Damit ist nicht nur eine hohe Reichweite möglich, sondern auch Ladeleistungen von bis zu 850 kW – ein Wert, der die Konkurrenz alt aussehen lassen könnte. In fünf Minuten sollen rund 400 Kilometer nachgeladen werden, der 10-auf-80-Prozent-Hub soll unter zehn Minuten liegen.

Beim Antrieb setzt AMG ebenfalls auf Technologie aus der Studie: Axialflussmotoren nach YASA-Prinzip, die extrem kompakt und drehmomentstark arbeiten. Zwei Motoren treiben serienmäßig die Hinterachse an, ein optionaler dritter vorne sorgt für Allrad und nochmals mehr Leistung. Während das Concept Werte von über 1.300 PS andeutete, dürfte die Serie etwas darunter bleiben – dennoch klar im Bereich Supersportwagen. Damit die Elektro-Performance nicht emotionslos wirkt, setzt AMG auch in der Serie auf eine aufwendig gestaltete Klangkulisse. Über externe Lautsprecher wird nicht nur der gesetzlich vorgeschriebene Warnton erzeugt, sondern ein emotionales Sounddesign, das je nach Fahrmodus variiert: von dezentem Surren im Comfort-Modus bis hin zu V8-artigem Donnern inklusive simulierten Gangwechseln und „Fehlzündungen“ in Sport+.

Im Innenraum bleibt AMG fahrerorientiert. Anders als beim Showcar mit großflächigen Displays setzt die Serienversion auf ein klar strukturiertes Cockpit mit 10,25-Zoll-Kombiinstrument, 14-Zoll-Hauptdisplay und dem neuen MB.OS-System. Große Glasflächen und die weit öffnende Heckklappe sorgen für Alltagstauglichkeit, auf einen Frunk wird man voraussichtlich verzichten müssen.

Mit jedem neuen Auftritt auf der Straße wirkt der elektrische AMG GT 4-Türer seriennäher. Klar ist: Technisch wird er vieles vom Concept AMG GT XX übernehmen – Batterie, Plattform und Antrieb –, optisch jedoch eine eigenständige, alltagstauglichere Form finden. Damit positioniert sich das Modell als echter Gran Turismo für jeden Tag, ohne seine Wurzeln als kompromissloses AMG-Performance-Fahrzeug zu verleugnen.

Bilder: Jens Walko / walko-art.com

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Dieter Waschn
3 Stunden zuvor

Und trotzdem wird er so das gleiche Schicksal erleiden wie der Taycan

Die Legende
Reply to  Dieter Waschn
1 Stunde zuvor

Woran machen Sie das fest ?

Snoubort
Reply to  Die Legende
1 Stunde zuvor

Daran das der Taycan ja kein schlechtes Auto ist, alle interessierten Kunden aber bereits abgefrühstückt sind.

Es gibt bisher keine nachhaltige / marktdeckende Zahlungsbereitschaft für / Nachfrage nach Elektro-Autos >120K, die Frage ist somit andersherum: warum das bei AMG plötzlich der Fall sein sollte (wenn nicht bei Porsche).

Hightechsilber
Reply to  Snoubort
6 Sekunden zuvor

Natürlich wechseln idealerweise >50% aller Taycan Fahrer zum AMG GT XX und dann ist die Produktion schon mal bis zur Mopf ausgelastet (sollten die Zyklen beibehalten werden)… 😉

Stefan
2 Stunden zuvor

Kennt ihr Fremdschämen?
Ich hoffe, dass man die „simulierten Fehlzündungen“ auch im Sportmodus generell ausschalten kann, damit das niemand hört und/oder doch versehentlich einschaltet.
Erinnert mich an die nachgerüsteten Sirenen, welche wie Polizeiautos klingen sollten, was aber gerade polizeilich verboten war und ist:-)
Also entweder richtig(er Motor-Sound) oder gar nicht.

Vielleicht kommen die AMG-Chefs aber auch mal wieder „zur Vernunft“ und bauen auch das, was die Mehrheit des Kundenstamms möchte.

Und hoffen wir das Xiaomi diesen GT nicht in ein bis zwei Jahren nachbaut und für die Hälfte des MB-Preises den Chinakäufern als SU8 anbietet, so wie sie es ja leider „erfolgreich“ beim Taycan als SU7 hinbekommen haben.

Zuletzt editiert am 2 Stunden zuvor von Stefan
Die Legende
Reply to  Stefan
1 Stunde zuvor

Das ist wie bei manchen Audis, wo aus Lautsprechern im Auspuff ein künstliches V8 Gebrubbel kommt. Nur blöd, dass man 10 Meter gegen den Wind hört, dass das Fake ist. Es fehlt einfach die Tiefe bzw. Bass.

Snoubort
Reply to  Die Legende
1 Stunde zuvor

Es der halt vor allem die „credibillity“ – die Kunden die sich das Geld leisten wollen legen Wert auf „Echtheit“, auf Anerkennung in Ihrer „Peergroup“

Dailybimmer
Reply to  Die Legende
36 Minuten zuvor

Die sitzen in der Ersatzradmulde und ballern wie Sau!

Ralf
Reply to  Stefan
1 Stunde zuvor

Wieder mal ein Diesel-Dieter der Null Ahnung hat von was er spricht.

Mercedes entwickelte in eine komplett andere Richtung was Sounddesign betrifft.

Ich fahre einen G580 und einen G500 Vormopf und ich empfinden den Sound im G580 sehr stark an den G500 erinnert.

Leute fahren oft mit und wissen nicht mal das der G580 ein Elektroauto ist und glauben einen Vebrenner zu erahnen.

Und das gute – man kann es eben ein und ausschalten.

Ich fahre zu 90% mit Sound.
Im Jagdrevier ist der Sound off.

Taja – mein Freund das nennt sich Entwicklung und da muss sich der Diesel-Dieter irgendwann wann mal die trotzigen Trennen wegwischen.