Aerodynamik entscheidet über Effizienz, Reichweite und Fahrkomfort. Was heute als Hightech-Disziplin gilt, begann bei Mercedes-Benz schon vor über hundert Jahren – lange bevor Luftwiderstandsbeiwerte zum Verkaufsargument wurden. Die Geschichte zeigt: Fortschritt entsteht dort, wo Ingenieure bereit sind, gegen den Wind zu denken.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts spielte Aerodynamik im Automobilbau kaum eine Rolle. Fahrzeuge waren hoch gebaut, kantig und offen – der Fahrtwind galt als unvermeidlicher Widerstand. Mit steigenden Geschwindigkeiten wurde jedoch deutlich, dass Form und Effizienz untrennbar miteinander verbunden sind. Erste Messungen zeigten: Der Luftwiderstand begrenzt Leistung, Tempo und Verbrauch stärker als gedacht.
Inspiration aus der Luftfahrt
Einen Wendepunkt brachte der Blick in den Flugzeugbau. Ingenieure erkannten, dass strömungsgünstige Formen enorme Vorteile bieten. Der sogenannte Tropfenkörper galt als Idealform, um Luft möglichst verlustarm zu durchschneiden. Früh entwickelte Versuchswagen belegten, dass selbst bei gleicher Motorleistung deutlich höhere Geschwindigkeiten möglich waren – allein durch bessere Aerodynamik.
Das Kamm-Heck: Kürzer, aber effizient
Eine der wichtigsten Erkenntnisse der Strömungsforschung war, dass ein Fahrzeug nicht zwingend lang auslaufen muss. Das nach seinem Entwickler benannte Kamm-Heck zeigte: Ein abrupt abgeschnittenes Heck kann nahezu die gleiche aerodynamische Qualität erreichen wie eine lange Stromlinienform. Diese Idee beeinflusst bis heute Limousinen, Coupés und sogar SUVs – unscheinbar, aber extrem wirkungsvoll.
Vom Experiment zur Serie
Nach dem Zweiten Weltkrieg rückte Aerodynamik zeitweise in den Hintergrund. Komfort, Sicherheit und Leistung dominierten die Entwicklung. Spätestens mit den Energiekrisen der 1970er-Jahre änderte sich das: Effizienz wurde zum zentralen Thema. Mercedes-Benz begann, Aerodynamik systematisch in die Serienentwicklung einzubinden – mit messbaren Erfolgen bei Verbrauch, Geräuschkomfort und Fahrstabilität. Modelle wie die S- und E-Klasse setzten neue Maßstäbe, indem sie elegante Linien mit niedrigen Luftwiderstandswerten kombinierten, ohne auf Raum oder Komfort zu verzichten.
Aerodynamik im Zeitalter der Elektromobilität
Mit dem Übergang zur Elektromobilität hat die Aerodynamik eine neue Bedeutung erhalten. Jeder eingesparte Luftwiderstand erhöht direkt die Reichweite. Fahrzeuge wie der EQS zeigen, wie konsequent Form, Unterboden und Details auf minimale Verwirbelungen optimiert werden können. Türgriffe, Spiegel, Felgen und selbst die Linienführung sind Teil eines ganzheitlichen Konzepts.
Aktive Aerodynamik und Zukunftskonzepte
Heute endet Aerodynamik nicht mehr bei der Karosserieform. Aktive Elemente passen sich während der Fahrt an: Kühlluftöffnungen schließen sich, Spoiler verändern ihre Position, und Luftströme werden gezielt gelenkt. Studienfahrzeuge demonstrieren, wie sich der Luftwiderstand dynamisch an Geschwindigkeit und Fahrsituation anpassen lässt – ein Blick in die nahe Zukunft der Serienfahrzeuge.
Warum Aerodynamik mehr ist als ein cW-Wert
Aerodynamik beeinflusst weit mehr als nur den Verbrauch:
- höhere Reichweite bei Elektrofahrzeugen
- geringere Windgeräusche
- bessere Fahrstabilität bei hohen Geschwindigkeiten
- reduzierter Energiebedarf insgesamt
Sie ist damit ein Schlüssel für nachhaltige Mobilität – und ein zentrales Entwicklungsfeld bei Mercedes-Benz.
Bilder: Mercedes-Benz Group AG












