Der letzte seiner Art: Mercedes-Benz E 500 Limited „Bandabläufer“

Im Mercedes-Benz Museum steht aktuell ein Automobil, das mehr ist als nur ein Klassiker: der letzte produzierte Mercedes-Benz E 500 der Baureihe 124. Als sogenannter „Bandabläufer“ markiert dieses Fahrzeug das Ende einer Ära – und zugleich den Höhepunkt einer der faszinierendsten Sportlimousinen der 1990er-Jahre.

Der letzte seiner Art: Mercedes-Benz E 500 Limited „Bandabläufer“

Noch bis zum 31. Mai 2026 ist das besondere Exponat – im Bestzusustand – in der Sonderausstellung „Youngtimer“ im Mercedes-Benz Museum in Stuttgart zu sehen, wo es gemeinsam mit weiteren Ikonen dieser Zeit den Geist eines Jahrzehnts einfängt, das von technischer Reife, mutigem Design und automobiler Leidenschaft geprägt war.

„Feuer und Seide“ – ein Charakter in Gegensätzen

Als der E 500 (zunächst als 500 E) 1990 vorgestellt wurde, bewarb Mercedes-Benz ihn mit dem treffenden Slogan „Feuer und Seide“. Kaum ein anderes Fahrzeug verkörpert diesen Gegensatz so überzeugend:

  • Feuer: ein kraftvoller V8-Motor (M 119), der die Limousine in die Sphäre echter Hochleistungsfahrzeuge hebt
  • Seide: die zurückhaltende Eleganz der oberen Mittelklasse, typisch für die Baureihe 124

Gebaut wurde das Modell in Kooperation mit Porsche – ein Detail, das bis heute zur Legendenbildung beiträgt. Die Fertigung war aufwendig und teilweise handwerklich geprägt, was den E 500 zusätzlich vom klassischen Serienfahrzeug abhebt.

Der letzte seiner Art: Mercedes-Benz E 500 Limited „Bandabläufer“

Der „Limited“ – Krönung und Abschied zugleich

Der im Museum ausgestellte Wagen gehört zur exklusiven „Limited“-Sonderserie – der finalen Ausbaustufe des E 500. Diese wurde 1994 aufgelegt und war streng limitiert: Nur 500 Exemplare sollten entstehen.

Der „Bandabläufer“ ist dabei das letzte gebaute Fahrzeug dieser Reihe – und damit buchstäblich der Schlusspunkt der Produktion. Und der Blick auf den Tacho überrascht.

Besondere Merkmale machen ihn unverwechselbar:

  • Lackierung: Saphirschwarz (DB 009), tief und edel wie ein polierter Edelstein
  • Räder: markante Sechsspeichenfelgen im Stil des legendären Mercedes-Benz 190 E 2.5-16 Evolution II
  • Interieur: koloriertes Weichleder (hier Schwarz/Grau), ergänzt durch schwarz gebeiztes Vogelaugenahorn
  • Detailharmonie: selbst Wählhebel, Teppiche und Dokumententasche sind farblich abgestimmt

Das Ergebnis ist ein Innenraum, der Luxus nicht laut inszeniert, sondern subtil vermittelt – typisch Mercedes-Benz jener Zeit.

Ein fast unberührtes Zeitdokument

Was diesen „Bandabläufer“ besonders macht, ist nicht nur seine historische Bedeutung, sondern auch sein Zustand: Nur 422 Kilometer Laufleistung stehen auf dem Tacho. Damit ist das Fahrzeug der Baureihe 124 weniger ein Gebrauchsgegenstand als vielmehr ein konserviertes Stück Automobilgeschichte – ein Zeitzeuge, der die 1990er-Jahre nahezu unverfälscht widerspiegelt.

Rarität mit Kultstatus

Schon zur Markteinführung war klar, dass der E 500 Limited kein gewöhnliches Auto sein würde. Der damalige Prospekt formulierte es selbstbewusst: Es werde nur eine sehr kleine Zahl von Besitzern geben.

Heute ist genau das eingetreten. Der E 500 Limited zählt zu den begehrtesten Varianten der gesamten E-Klasse-Historie – auf Augenhöhe mit Legenden wie dem Mercedes-Benz E 60 AMG.

Sein Reiz liegt dabei nicht allein in der geringen Stückzahl, sondern im Gesamtpaket:

  • kraftvolle Technik
  • dezentes, zeitloses Design
  • außergewöhnliche Ausstattung
  • und die besondere Geschichte als finales Modell

Der letzte seiner Art: Mercedes-Benz E 500 Limited „Bandabläufer“

Der letzte seiner Art: Mercedes-Benz E 500 Limited „Bandabläufer“

Mehr als ein Auto: Symbol einer Epoche

In der „Youngtimer“-Ausstellung wird der E 500 Limited nicht nur als Einzelstück präsentiert, sondern als Symbol seiner Zeit. Die 1990er-Jahre waren ein Jahrzehnt des Umbruchs – mit neuen Kunden, neuen Designansätzen und wachsender Performanceorientierung. Der „Bandabläufer“ erzählt genau davon: vom Ende einer Modellreihe, von deutscher Ingenieurskunst auf ihrem Höhepunkt – und von einer Zeit, in der Automobile noch kompromisslos auf Substanz gebaut wurden.

Übrigens: Von der Mercedes-Benz Baureihe 124 (W124) wurden zwischen den Jahren 1984 bis 1997 insgesamt über 2,5 Millionen Exemplare produziert. Dies umfasst Limousinen, T-Modelle (Kombi), Coupés, Cabriolets und Langversionen

Fotos: Thomas Niedermüller

28 Kommentare
Älteste
Neueste Meist bewertet
Inline Feedbacks
Betrachte alle Kommentare:
Snoubort
5 Tage zuvor

Hach

FrohesNeues
5 Tage zuvor

Früher war alles besser.

Pano
Reply to  FrohesNeues
5 Tage zuvor

Dann gib alle mobilen Endgeräte ab und hol dir ein Wählscheibentelefon 😉

Helge
5 Tage zuvor

Ein absoluter Traum, und „Wolf im Schafspelz“, weil keine andere E-Klasse dieses Understatement so perfekt beherrschte.

Alternativ gibt es noch den 400er.

Der Nachfolger (W210) als E 420 bzw. E 55 AMG hatte nicht mehr diese Strahlkraft.

Für mich zählt der W124 neben dem W126 oder W140 zu den besten Baureihen die MB jemals gebaut hat. Kein Vergleich zu den Fahrzeugen innen, was Materialanmutung usw. anbelangt. Wenn nur nicht bei manchen Modellen so der Rost ein Thema gewesen wäre.
Fuhr lange Zeit einen W202 / C 200 (da war der C36 und C 43 legendär). Irgendwann hat ihn dann der Rost aufgefressen. Aber vom Motor und Getriebe waren da über 250000 km kein Problem.

Snoubort
Reply to  Helge
5 Tage zuvor

The Benz

Ralf
Reply to  Helge
5 Tage zuvor

Materialanmutung? Bei den Bildern oben sehe ich einiges an matter, harter Plastik.

Snoubort
Reply to  Ralf
5 Tage zuvor

eben, kein glossy 😉

Helge
Reply to  Ralf
5 Tage zuvor

Natürlich gab es bei den früheren Modellen auch Kunststoff. Aber ich kann mich noch erinnern, daß das Plastik der Türtaschen nicht dieses hohle Kunststoffgeräusch machte, wenn man dagegen kopfte. Oft war der Kunststoff eben hochwertiger, oder mit Leder(imitat) überzogen.
Man hat früher mehr Wert auf Details gelegt. So waren die Schalter in der Mittelkonsole oft geschwungen (W202) oder es gab Wurzelholz.
Jedenfalls wirkte alles etwas wertiger, und knarzte auch nach 100000 km nicht.

Viele Taxis des W124 hatten 300000 km und mehr auf der Uhr,. Da möchte ich mal heute ein Auto sehen. Mittlerweile hat sich Mercedes aus dem Taxi-Markt zurück gezogen. Die wissen warum.

Mur
Reply to  Helge
5 Tage zuvor

Es gab den w212 amg als Business-Paket, also der 63er mit Avantgarde

S450
5 Tage zuvor

Besser als alles, was der Daimler heute so vom Band rollen lässt.

Pano
Reply to  S450
5 Tage zuvor

Einen 124 mit einem LKW oder Bus zu vergleichen ist ziemlich unfair 🙂

schwob
Reply to  Pano
5 Tage zuvor

Naja, beim 140er* kommt es von den Abmessungen her knapp hin 😉

*für mich mit großem Abstand der optisch unglücklichste Benz

S450
Reply to  schwob
5 Tage zuvor

Der 140er ist auch ne Ikone.

schwob
Reply to  S450
4 Tage zuvor

De gustibus non est disputandum

Südhesse
Reply to  S450
5 Tage zuvor

Finds schwierig, Sportlimousinen mit LKWs und Bussen zu vergleichen.

Snoubort
Reply to  S450
5 Tage zuvor

Ich würde sagen: 2…, ein Gedanke 😉

Tobson
5 Tage zuvor

Sowas von zeitlos schön und unaufgeregt mit ohne Schnörkel und ohne Bling Bling, saustark! Und potent natürlich ;-).

PupNacke
5 Tage zuvor

Sehr cooles Auto.

Aber eine Frage: Ist das „Orange“ im Kombiinstrument ausgeblichen oder war das so typisch für die 500er? Kenne das vom W124, 201, 202, … und aufwärts eigentlich in richtig „Orange“ (Zeiger & bspw. Markierung zwischen 50 & 60 km/h). Oder kommt das auf den Bildern nur anders rüber?

Helge
Reply to  PupNacke
5 Tage zuvor

Schade, daß es dieses Design des Kombi-Instrumentes nicht als Style in den heutigen Display-Varianten gibt. So würde etwas Nostalgie zurück kehren.

PupNacke
Reply to  Helge
4 Tage zuvor

Ich wäre ja schon froh, wenn man den schönen, großen, zentralen Tacho wieder reinbringt. Analog W221, der auch ein Display mittig hatte. Stattdessen kriegt man maximal einen zentralen Drehzahlmesser 🙁 Sogar der Cadillac CT5-V Blackwing kann einen zentralen Tacho.
Wäre eigentlich kein Problem das im Display entsprechend anzubieten als Style, unabhängig ob das nach Nostalgie aussieht.

Zuletzt editiert am 4 Tage zuvor von PupNacke
schwob
Reply to  PupNacke
5 Tage zuvor

IIRC war das das ganz normale Orange, dieses blasse Orange dürfte fototechnisch bedingt sein.

S450
5 Tage zuvor

Und der E500 erinnert irgendwie an das alte Enzo Ferrari Zitat:

„Aerodynamics are for people who can’t build engines.“

EQ44fahrer
Reply to  S450
5 Tage zuvor

Naja, dieses Zitat zeugt nicht gerade von intellektueller Höchstleistung. Man könnte allerdings meinen, dass der E500 auf so einer gedanklichen Basis entstanden ist.

S450
Reply to  EQ44fahrer
5 Tage zuvor

Nicht einmal besonders originell.

Snoubort
Reply to  S450
5 Tage zuvor

Ich meine der CW Wert war damals Benchmark

Snoubort
Reply to  S450
5 Tage zuvor
S450
Reply to  Snoubort
5 Tage zuvor

Easy. Mir schon klar, dass MB da auch immer viel Wert drauf gelegt hat. Trotzdem hat der natürlich das kantige Design der 80er und 90er.

Michael Frencken
5 Tage zuvor

Wenn man sich die neuen Kirmesbuden von MB anguckt, drei Touchscreens und alles nur noch über das Display gesteuert, weint man sich angesichts einer Ikone wie dem E500 leise in den Schlaf.
Handwerkskunst vs. seelenlosem Plastikbomber.