Mit der Modellpflege der aktuellen S-Klasse (Baureihe 223) bringt Mercedes-Benz eine Technik in die Serie, die bislang eher als Zukunftsvision galt: optional beheizbare Sicherheitsgurte. Was zunächst wie ein Komfort-Gimmick klingt, verfolgt einen durchaus ernsthaften Ansatz – und könnte die Sicherheit erhöhen.
Die Idee ist nicht neu. Bereits 2019 zeigte Mercedes-Benz im Experimental Safety Vehicle (ESF) auf Basis des GLE ein entsprechendes Konzept. Damals stand weniger der klassische Sicherheitsaspekt im Fokus, sondern vielmehr die Frage: Wie bringt man Menschen an kalten Tagen dazu, sich konsequenter anzuschnallen – und das richtig? Ein angewärmter Sicherheitsgurt sollte die Hemmschwelle senken, sich sofort nach dem Einsteigen anzuschnallen, anstatt den kalten Gurt zu meiden oder ihn über dicke Winterjacken zu führen. Genau hier liegt der sicherheitsrelevante Mehrwert. Wer schwere Winterkleidung auszieht, damit der warme Gurt angenehm anliegt, reduziert gleichzeitig das Risiko eines zu locker sitzenden Gurts – ein oft unterschätzter Faktor bei Unfällen in der kalten Jahreszeit.
Vom Konzept zur Serie
Im damaligen ESF-Fahrzeug verfügte der Gurt über eine dreistufige Heizfunktion, die automatisch gemeinsam mit der Sitzheizung aktiviert wurde. Sensoren im Gurt überwachten die Temperatur, während die Heizelemente über die gesamte Breite des Gurts verteilt waren. Es dauerte damals aber mehrere Minuten, bis der Gurt von etwa 10 Grad auf Körpertemperatur erwärmt war – für ein Konzeptfahrzeug akzeptabel, für den Serienalltag jedoch ausbaufähig. Mit der Überarbeitung der S-Klasse hält die Technik nun Einzug in ein Serienfahrzeug – verfeinert, effizienter und besser integriert.
Entwicklung ging weiter
Einen entscheidenden Technologiesprung präsentierte Zulieferer ZF im Jahr 2025 mit einer neuen Generation seines sogenannten Heat Belt, dessen Technik Mercedes-Benz höchstwahrscheinlich nutzen wird. Zusätzlich Sinn bringt der Gurt dabei bei E-Autos: Statt hier den gesamten Innenraum zu beheizen, wird gezielt dort am Körper Wärme erzeugt.
In weniger als zwei Minuten erwärmt sich nun das ZF-Gurtsystem auf rund 40 Grad Celsius. Möglich macht das eine intelligente Regelstrategie. ZF verzichtet vollständig auf Temperatursensoren im Gurt selbst. Stattdessen berechnet das System die optimale Heizleistung anhand von Außen- und Innenraumtemperaturen, der Sonneneinstrahlung sowie Daten aus der Klimaanlage. Das reduziert Bauteile, spart Gewicht und senkt den Energiebedarf. Ein anderer Gurtaufwickler ist ebenso nicht notwendig.
Mehr als nur Luxus
Mit den beheizbaren Sicherheitsgurten zeigt Mercedes-Benz von der S-Klasse einmal mehr, wie sich Komfort, Sicherheit und Effizienz miteinander verbinden lassen. Was auf den ersten Blick wie eine luxuriöse Spielerei wirkt, könnte sich langfristig durchaus als sinnvoller Standard etablieren.
Bilder: ZF (zeigen internes Entwicklungsfahrzeug des Zuliefers)



