HVO100 weiterhin nicht für Mercedes OM651 Diesel freigegeben

Mit HVO100 (Hydrotreated Vegetable Oil, 100 % paraffinischer Diesel) steht eine umweltfreundliche Alternative zum fossilen Diesel bereit. Der Kraftstoff kann den CO₂-Fußabdruck deutlich reduzieren und gilt technisch in vielen Fahrzeugen als „Drop‑in“-Kraftstoff. Dennoch bleibt der weit verbreitete Mercedes‑Dieselmotor OM651 von einer offiziellen Freigabe ausgenommen.

Im April 2024 veröffentlichte Mercedes‑Benz eine erste Liste mit Fahrzeugen, die offiziell XTL-Kraftstoffe und B10 (Diesel mit bis zu 10 % Biodiesel) tanken dürfen. Moderne Motoren wie der OM654 und OM656 in Kompakt‑, Mittel- und Oberklassemodellen sind dabei klar freigegeben. Der OM651 – ein weit verbreiteter 4-Zylinder-Diesel, der vor allem in älteren C-Klassen und Kompaktmodellen eingesetzt wurde – fehlt jedoch weiterhin bis heute auf der Liste.

Mercedes weist darauf hin, dass die Freigabelisten fortlaufend aktualisiert werden. Eine konkrete Freigabe für den OM651 liegt bisher nicht vor, was viele Halter in eine Unsicherheit zwingt: Ohne offizielle Freigabe könnten Garantie- oder Versicherungsansprüche im Schadensfall gefährdet sein. Probleme sollten vor allen bei Dichtungen auftreten, aber auch Dieselfilter und Katalysatoren könnten Probleme machen. Eine Freigabe ist auch nicht mehr zu erwarten.

Die Vorteile von HVO100 sind unbestritten: Der Kraftstoff kann signifikant Treibhausgas-Emissionen reduzieren und zeigt in Tests oft geringere Schadstoffwerte als herkömmlicher Diesel. Für moderne Mercedes-Diesel bedeutet das: XTL-Kraftstoffe, inklusive HVO100, sind bereits offiziell nutzbar. Für ältere OM651-Motoren bleibt die Nutzung jedoch eine Grauzone. Für Besitzer älterer Diesel stellt sich die Frage: Abwarten oder auf eigenes Risiko tanken? Ohne Freigabe bleibt das Tanken von HVO100 eine potenzielle Risikoentscheidung. Der Druck auf Hersteller wie Mercedes wächst jedoch, auch etablierte Motoren für alternative Kraftstoffe zu öffnen und so ökologische Ziele und Bestandsfahrzeuge zukunftssicher zu machen. Eine Übersicht über mögliche Tankstellen von HVO100 ist hier zu finden.

Die entsprechenden Freigaben sind im Detail hier zu finden (Link zu Mercedes):

138.5 Verträglichkeit mit neuartigen Kraftstoffen

138.52 Neuartige Diesel-Kraftstoffe in C-Klasse, E-Klasse mit CLE, S-Klasse mit CLS

138.53 Neuartige Diesel-Kraftstoffe in GLC, GLE und GLS

138.54 Neuartige Diesel-Kraftstoffe in der G-Klasse

138.55 Neuartige Diesel-Kraftstoffe in T-Klasse und Citan

138.56 Neuartige Diesel-Kraftstoffe in der V-Klasse und Vito

138.57 Neuartige Diesel-Kraftstoffe im Sprinter

Symbolbilder: Mercedes-Benz Group AG

 

18 Kommentare
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Dr Alexander
1 Monat zuvor

Für eingefleischte Vegetarier wie mich wäre HVO (Hydrotreated Vegetable Oi) eine echte Alternative zum fossilen Schweröl.

Nur leider für meinen OM651 noch nicht.

Ich nehme es mit Fassung, Ärgern bringt nichts.

Bertük
1 Monat zuvor

Der OM654 wurde 2016 eingeführt. Wer fährt denn heute noch einen zehn Jahre alten Mercedes. Aus dem Weg, Geringverdiener.

Michael Kauf
Reply to  Bertük
1 Monat zuvor

Habe heute ein E 300-24 Coupé gesehen, tadellosen Zustand! DAS war/ ist ein MERCEDES BENZ!!
Aus dem Weg, leasingnehmer!

Pano
Reply to  Michael Kauf
1 Monat zuvor

Und der Simplex erst 😉

Michael Kauf
Reply to  Pano
1 Monat zuvor

Ja, schafft sogar die classic rallye!

Markus
1 Monat zuvor

Bitte nicht so einseitig den HVO loben, sondern ein bissl Recherche betreiben und feststellen, dass HVO unter dem Strich klimaschädlicher und gesundheitsschädlicher ist als normaler Diesel!
Also bleibt festzustellen ,dass alles was verbrennt großer Mist ist!
https://www.duh.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung/hvo100-und-b10-scheinloesungen-beim-klimaschutz-beenden/

SiF
Reply to  Markus
1 Monat zuvor

ein moderner, den Abgasnormen entsprechenden Pkw+Lkw-Diesel ist weder eine „Fritteuse noch eine Salatschüssel“, sollte eigentlich für jeden und jede verständlich sein….!!

Baron zu Münchhausen
Reply to  SiF
1 Monat zuvor

Interessante Infos, Markus !

@SiF: Welcher Verbrenner entspricht denn den Abgasnormen? Meines Wissens keiner, wegen „Thermofenster“. Die Abgasreinigungen funktionieren nur zwischen 18-22° zu Prüfstandsbedingungen, so irgendwie !

Thomas
1 Monat zuvor

Der Motor wurde bis 2018 verbaut, das ist inzwischen mindestens sieben Jahre her. Da stellt sich schon die Frage nach der Sinnhaftigkeit einer solchen Freigabe. Auf der einen Seite stehen die möglichen Risiken, die anscheinend existieren. Sonst hätte man gleichzeitig zum 654 die Freigabe ausgesprochen. Auf der anderen Seite stellt sich die Frage für wie viele Fahrzeuge so eine Freigabe noch praktisch relevant ist? Die Anzahl der Fahrzeuge, die dafür in Frage kommen UND in einem Land mit entsprechender Infrastruktur gefahren werden UND Fahrer haben, die bereit sind den Kraftstoff auch zu nutzen, dürfte nicht besonders hoch sein. Gerade diejenigen, die Diesel lange und aus Überzeugung fahren, sind bezüglich Neuem wenig aufgeschlossen und sehen sofort irgendeine Bevormundung. Vom Finanziellen mal ganz abgesehen.

Dailybimmer
1 Monat zuvor

Ich nehme weiter Heizöl El. Mein Vermieter hat dafür sogar eine Wallbox.

Jörg
Reply to  Dailybimmer
1 Monat zuvor

Ich fahre meinen Pickup (Motor OM642) seit 18 Monaten ausschließlich mit HVO100. Der Motor läuft im Kaltzustand ruhiger und die Verbrennung ist um ein wesentliches sauberer als herkömmlicher Diesel. In Kombination mit einer Wohnkabine (Zusatzheizung wird ebenfalls mit HVO100 betrieben) sind wir auf Island ca. 2500 km gefahren. Ich bin begeistert davon! Von insgesamt 41 000 km Laufleistung bin ich die Hälfte mit ARAL Ultimate Diesel gefahren. Nach der 2. Inspektion, 40 000 km habe ich das AGR-Ventil aus Neugier vom Motor abgeschraubt und auf „Verrußung“ überprüft. Keine Verkrustung oder Verkokung zu erkennen gewesen. Für mich ein Beweis, dass HVO100 auf jeden Fall die bessere Wahl ist als Diesel. Ich vergleiche das ganz gerne mit dem Menschen: Das, was der Mensch an Nahrung zu sich nimmt, scheidet er auch wieder aus.
Meines Erachtens sollte der herkömliche Diesel teurer sein als HVO100 und nicht andersrum.

Dailybimmer
Reply to  Jörg
1 Monat zuvor

Cool. Welcher ist das?

Anonymous
Reply to  Dailybimmer
1 Monat zuvor

Dabei dürfte es sich um den X350d der Baureihe 470 handeln – der OM642 war dort der einzige verfügbare Mercedes-Motor, der Rest stammte aus dem Renault-Nissan-Regal.
Alternativ bliebe natürlich auch noch ein Sprinter (BR 906 oder 907) als mögliche „Pickup“-Variante…

Dailybimmer
Reply to  Anonymous
1 Monat zuvor

Ah, danke! Wusste ich gar nicht dass es den mit MB Motor gab.

Joe Mansfop
Reply to  Jörg
1 Monat zuvor

Das ist wie die die Leitungswasser trinken…

Dr. Alexander
Reply to  Joe Mansfop
1 Monat zuvor

Gesund?

R aus E
1 Monat zuvor

Hallo zusammen.
Wir fahren einen W447 aus April 2019 mit der om651 Maschine.
In unserem Tankdeckel ist die XTL Freigabe klar zu erkennen.
Im Bordbuch zu dem Fahrzeug ist die XTL Freigabe auch zu lesen.
Ich kann mir jetzt nicht erklären warum Mercedes diese Freigabe hier nicht Listet.
Für die Interessierten kann ich das auch gerne mit Fahrgestellnummer und Bildern hinterlegen.

Grobi
Reply to  R aus E
1 Monat zuvor

Hallo,
Die Krux an den aktuellen HVO-Freigaben liegt darin, dass diese jetzt in Kombination mit B10 erfolgt. Somit wird der OM651 HVO vertragen, so wie es im Manual und in dem Tankdeckel vermerkt ist. Mit B10 wird es dann Probleme geben. Also formal keine Freigabe HVO + B10.
Im Netz konnte ich die verschiedenen Variationen der Bedienungsanleitungen von 2018 bis 2019 (mit Freigabehinweis) auch finden. Inwieweit für die Länder in Nordeuropa schon früher XtL im Tankdeckel vermerkt wurde wäre noch interessant, da dort schon länger ein entsprechendes Angebot vorhanden war. Unterschiedliche Bauteile würde ich für den kleinen Fahrzeugmarkt eher ausschließen.
Erste XtL Flottenversuche wurden schon um 2005 mit dem OM646 im W211 gefahren mit der Ankündigung einer Werksbetankung der Fahrzeuge zur Auslieferung.
Stichwort Biotrol bzw. Sun-Diesel.