Gerade wenn ein Fahrzeug den Fahrer frühzeitig vor einer möglichen Gefahr warnt, fährt es sich entspannter und sicherer. Hier hilft die Car-to-X Communcation, die Mercedes-Benz in Fahrzeugen seit dem Jahr 2013 anbietet und seit 2016 mit Fahrzeugen mit Navigationssystemen serienmäßig ist. Der Dienst tauscht Informationen zwischen Fahrzeugen aus, aber auch zwischen der Verkehrsinformation.

Car-to-X Communication informiert frühzeitig vor Gefahren

Car-to-X Kommunikation bei Mercedes-Benz

Für die Car-to-X Kommunikation nutzt Mercedes-Benz das Fahrzeug zugleich als Sender, als auch Empfänger von Warnmeldungen. Sobald die Sensorik des Fahrzeuges dazu eine Gefahrensituation erfasst hat, wird dazu eine Warnung in die Mercedes-Benz Cloud als Backend weitergegeben. Ausgelöst werden kann die Meldung dazu z.B. durch Aktivierung des Warnblinkers bei Stauende, durch Unfall- und Pannenerkennung, aber auch bei starkem Regen oder wenn – bei Rutschgefahr – das ABS und ESP aktiviert wird. Parallel kann aber auch der Fahrer manuell eine Warnung absetzen, wenn ein Hindernis auf der Fahrstrecke bemerkt wird.

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Weitergabe an Mercedes-Benz Fahrzeuge in bis zu fünf Kilometern Entfernung

Automatische und manuelle Warnhinweise werden zusammen mit Positionsinformationen in der Mercedes-Benz Cloud erfasst und an alle an Car-to-X teilnehmenden Mercedes-Benz Fahrzeuge im Umkreis von bis zu fünf Kilometern weitergegeben. Sobald ein anderes Fahrzeug den Hinweis empfängt, wird ein entsprechendes Icon auf der Navigationskarte angezeigt. Wenn sich das Fahrzeug einer Gefahrenstelle nähert, wird das Icon optisch hervorgehoben und per Sprachausgabe vor der Gefahr gewarnt. Vor allem bei einem unübersichtlichen Straßenverlauf kann das sehr nützlich sein. Die übermittelten Daten werden in der Mercedes-Benz Cloud übrigens anonymisiert, um keinen Rückschluss auf das einzelne Fahrzeug zu erlangen.

Die neue S-Klasse der Baureihe 223 mit MBUX NTG 7 beherrscht übrigens auch schon gefahrenspezifische Warnungen. Erfolgte bislang immer vor einer Gefahrenstelle eine Sprachausgabe „Achtung, Verkehrsereignis voraus“ wird man hier genauer und bezeichnet das Ereignis mit z.B. „Seitenwindgefahr“ oder „Unfall voraus“.

Die Car-to-X Technik speichert Meldungen übrigens mit Informationen und GPS-Position kurzzeitig zwischen, sollte ein Car-to-X Verkehrsereignis erkannt und kein Mobilfunknetz vorhanden sein. Anschließend wird das Ereignis an die Cloud geschickt. So kann auch vor Verkehrsereignissen gewarnt werden, die im Funkloch liegen.

Car-to-X Communication informiert frühzeitig vor Gefahren

Um den Dienst nutzen zu können, muss der Fahrer den Dienst zuerst selbst freischalten, um ihn nutzen zu können. Dazu bedarf es eine Registrierung im Mercedes me Portal sowie der Zustimmung der Nutzungsbedingungen für die Mercedes me connect Dienste. Parallel muss das jeweilige Fahrzeug mit dem Konto von Mercedes me verknüpft sein. Danach kann der Dienst aktiviert werden, was innerhalb von einem Jahr ab Erstzulassung oder Inbetriebnahme möglich, je nachdem was zuerst erfolgt. Anschließend kann der Dienst drei Jahre lang kostenfrei genutzt werden. Ab Ablauf kann der Dienst im Paket mit Live Traffic Information kostenpflichtig über den Store verlängert werden. Eine De-Aktivierung des Dienstes kann jederzeit vom Kunden selbst vorgenommen werden.

Andere Hersteller nutzen aktuell noch unterschiedliche Standards

Mittlerweile bieten fast alle namhaften Hersteller Lösungen für Car-to-X Communication an – allerdings mit unterschiedlichen technischen Standards. So hat z.B. Volkswagen damit begonnen, den neuen Golf serienmäßig mit WLANp-Technologie auszustatten. Dabei handelt es sich um eine Dedicated Short Range Communication (DSRC), d. h. um einen speziell für Fahrzeuge entwickelten WLAN-Standard, der nur eine lokal begrenzte Direktkommunikation im Umkreis von maximal 800 Metern unterstützt. Der wesentliche Vorteil der Technologie: die sehr schnelle Übertragungsgeschwindigkeit.

Car-to-X Communication informiert frühzeitig vor Gefahren

Auch Mercedes-Benz hatte vor rund zwei Jahrzehnten zunächst damit begonnen, auf Basis von DSRC eine tragfähige Lösung zu erarbeiten. Mit der zunehmenden Ausbreitung des Mobilfunks überwogen jedoch die Vorteile der mobilfunkbasierten Technologie gegenüber DSRC. Dazu gehören:

Nutzung vorhandener Komponenten: Die Datenkommunikation über Mobilfunk wird im Fahrzeug bereits für eine Vielzahl von Diensten verwendet. Durch forcierten Netzausbau und Upgrade auf LTE werden in der Regel auch mit Mobilfunk Gefahrenmeldungen in ein bis zwei Sekunden von einem Fahrzeug zum anderen übermittelt.

Technologieoffener Ansatz: In einem technologieoffenen Ansatz können die Daten unter Anwendung verschiedener Kommunikationsstandards gesammelt und verbreitet werden. Auch bei Anwendung neuer Mobilfunkstandards, wie z. B. 5G, bleibt der Informationsaustausch erhalten.

Server-basierter Ansatz: Durch den Server-basierten Ansatz werden Informationen auch gehalten, wenn das meldende Fahrzeug die Gefahrenstelle wieder verlassen hat. Damit werden auch die Fahrzeuge erreicht, die sich erst danach der Gefahrenstelle nähern.

Mercedes-Benz Car-to-X-communicatie | De mistige weg

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Markenübergreifende Lösung notwendig

Bei aller Vorliebe für eine bestimmte Technologie ist aber auch allen Beteiligten klar, dass man nur mit markenübergreifenden Lösungen die Sicherheit im Straßenverkehr nachhaltig verbessern kann. Bei der mobilfunkbasierten Technologie gibt es verschiedene Ansätze die Daten zu teilen. Eine Lösung könnte sein, dass die Automobilhersteller ihre Daten anonymisiert an einen Serviceprovider weiterleiten. Dieser sammelt die Informationen und erstellt selbst Warnmeldungen, wenn sich Hinweise auf mögliche Gefahrensituationen häufen. Dieser Ansatz wurde über ein Jahr in einem umfangreichen Forschungsprojekt mit zahlreichen Projektpartnern getestet. Zusammen mit anderen Automobilherstellern, Datendienstleistern und europäische Verkehrsbehörden lieferte Daimler dabei den Beweis, dass ein gemeinsamer Informationsaustausch technisch möglich ist – und die Verkehrssicherheit für alle Beteiligten damit deutlich erhöht werden kann.

Die Suche nach zukünftigen Lösungen läuft bereits. Im Vordergrund steht dabei immer die Frage, wie Daten zwischen den verschiedenen Automarken so ausgetauscht werden können, dass alle Sicherheits- und Datenschutzbestimmungen eingehalten werden. Ist das Problem erst einmal gelöst, dürfte einer flächendeckenden Einführung kaum mehr etwas im Wege stehen.

Quelle: Daimler AG