Mercedes-Benz S-Klasse Modellpflege: Warum der Superscreen statt Hyperscreen Fragen aufwirft

Mit der aktuellen Modellpflege der Mercedes-Benz S-Klasse setzt Mercedes nun nicht auf die neueste Generation des Hyperscreen, der im elektrischen GLC EQ Premiere feierte. Stattdessen bleibt das Luxus-Flaggschiff beim bekannten MBUX Superscreen, wie man ihn bereits aus EQS oder EQE kennt. Eine Entscheidung, die weniger technologisches Selbstbewusstsein ist, sondern eher strategischer Vorsicht – und die den Anspruch der S-Klasse als Innovationsführer infrage stellt.

Mercedes-Benz S-Klasse Modellpflege: Warum der Hyperscreen statt Superscreen Fragen aufwirft
S-Klasse Modellpflege

Superscreen in der S-Klasse: Eindrucksvoll, aber nicht mehr neu

Der nun sogenannte Mercedes MBUX Superscreen erstreckt sich über nahezu die gesamte Cockpitbreite zwischen beide A-Säulen und kombiniert Fahrerdisplay, Zentralbildschirm und Beifahrerdisplay unter einer Glasfläche – aber jeweils klar getrennt. Optisch bleibt das System auch 2026 weiterhin imposant, hochwertig und markentypisch. Doch genau hier liegt das Problem: Der Superscreen ist kein neues Feature mehr.

In einem Segment, in dem Käufer sechsstellige Beträge zahlen und technologische Führungsrolle erwarten, wirkt bekannte Technik plötzlich wie Stillstand. Während andere Hersteller ihre Topmodelle gezielt als digitale Vorreiter positionieren, begnügt sich Mercedes-Benz bei der S-Klasse Modellpflege mit einem System, das bereits in mehreren Baureihen etabliert ist.

GLC EQ

Hyperscreen im GLC EQ: Fortschritt an falscher Stelle?

Der neuere Hyperscreen im neuen GLC EQ steht für einen anderen Ansatz: klarer aufgebaut, stärker softwaregetrieben, weniger visuell überladen. Dass ausgerechnet ein elektrisches Mittelklasse-SUV diese neue Display-Generation erhält, nicht aber die S-Klasse, wirft Fragen zur internen Priorisierung bei Mercedes-Benz auf. Hier hätte die S-Klasse zumindest nachziehen müssen. Im GLC und in der S-Klasse ist bereits der Superscreen Teil der Serienausstattung, der Hyperscreen im GLC EQ kostet 1.487,50 Euro Aufpreis.

Offiziell begründet der Hersteller dies mit dem besonderen Luxusanspruch der S-Klasse. Kritisch betrachtet entsteht jedoch der Eindruck, dass Mercedes-Benz sein Topmodell vor mutigen Veränderungen schützt – möglicherweise aus Angst, die konservative Kernkundschaft zu verschrecken.

Mercedes-Benz S-Klasse Modellpflege: Warum der Hyperscreen statt Superscreen Fragen aufwirft
EQS

Kritik am Superscreen: Viel Show, wenig Ergonomie?

Seit seiner Einführung steht der MBUX Superscreen nicht nur für Hightech, sondern auch für Kritik. Zu große Displayflächen, starke Touch-Abhängigkeit und eine teils überladene Darstellung gelten als ergonomische Schwächen. Gerade eine Modellpflege hätte die Chance geboten, diese Punkte konsequent zu überarbeiten oder ein neues Bedienkonzept einzuführen. Stattdessen bleibt die S-Klasse Innenraum-Technologie weitgehend unverändert. Das wirkt weniger wie eine bewusste Luxusentscheidung, sondern eher wie ein verpasster Entwicklungsschritt – insbesondere in Zeiten rasanter Fortschritte bei Software, UI/UX und KI-gestützten Bedienkonzepten.

S-Klasse

Mercedes-Benz Strategie: Verliert die S-Klasse ihre Vorreiterrolle?

Traditionell war immer die S-Klasse das Modell, in dem Mercedes-Benz Innovationen erstmals präsentierte – später folgten E-Klasse, C-Klasse und die SUV-Baureihen. Mit der aktuellen Modellpflege scheint sich dieses Prinzip umzukehren. Neue Display-Technologien debütieren in anderen Baureihen, während die S-Klasse verwaltet wird. Damit droht ein klarer Bedeutungsverlust: Wenn sich die S-Klasse technisch kaum noch von EQS und EQE abhebt, bleibt als Differenzierungsmerkmal vor allem der Preis. Luxus ohne technologischen Vorsprung ist jedoch ein riskantes Versprechen.

S-Klasse

Eine vertane Chance

Der Verzicht auf den Hyperscreen in der Mercedes-Benz S-Klasse ist mehr als eine Designentscheidung. Er steht sinnbildlich für eine Marke im Spannungsfeld zwischen Tradition und Zukunft. Der Superscreen bleibt eindrucksvoll, aber er erzählt keine neue Geschichte mehr – und genau das hätte die Oberklasse doch gebraucht. Für ein Fahrzeug, das jahrzehntelang als Maßstab der Oberklasse galt, ist das deutlich zu wenig. Die Modellpflege zeigt dabei: Mercedes-Benz setzt auf Kontinuität – riskiert dabei jedoch, dass die S-Klasse ihren Anspruch als technologisches Leitmodell zunehmend verliert.

Bilder: Mercedes-Benz Group AG