Kurz vor seiner Weltpremiere hat das neue Mercedes-AMG GT 4-Türer Coupé die finale Phase seiner Entwicklung unter Extrembedingungen abgeschlossen. Im nordschwedischen Arjeplog absolvierte der seriennahe Prototyp umfangreiche Wintertests auf Schnee, Eis und zugefrorenen Seen – ein Pflichtprogramm für jedes Hochleistungsmodell aus Affalterbach.
Im Fokus bei den Tests standen dabei vor allem Traktion, Fahrstabilität und die Feinabstimmung der komplexen Regelsysteme. Gerade auf glattem Untergrund lassen sich Grenzbereiche besonders präzise und reproduzierbar analysieren – ideale Voraussetzungen, um Fahrdynamiksysteme bis ins Detail zu optimieren.
AMG RACE ENGINEER: Fahrdynamik neu definiert
Ein zentrales Element des neuen Modells ist der sogenannte AMG RACE ENGINEER – eine umfassende Hard- und Softwarelösung zur Individualisierung des Fahrverhaltens. Über drei zentrale Drehsteller in der Mittelkonsole kann der Fahrer wesentliche Parameter gezielt beeinflussen:
- Response Control: regelt das Ansprechverhalten der Elektromotoren – von komfortabel bis extrem direkt
- Agility Control: verändert das Kurvenverhalten zwischen untersteuernd, neutral und übersteuernd
- Traction Control: erlaubt eine neunfach abgestufte Einstellung der Traktionskontrolle
Die Systeme entfalten ihr volles Potenzial insbesondere im ESP-off-Modus und richten sich damit klar an erfahrene Fahrer auf abgesperrten Strecken. Ziel ist eine bislang unerreichte Bandbreite zwischen Stabilität und fahraktiver Dynamik.
Elektrischer Allradantrieb mit Torque Vectoring
Für die Kraftübertragung setzt Mercedes-AMG auf den weiterentwickelten Allradantrieb AMG Performance 4MATIC+. Erstmals kommt in einem vollelektrischen AMG-Modell eine Konfiguration mit drei Axial-Fluss-Motoren zum Einsatz.
Das System ermöglicht:
- vollvariable Momentenverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse
- gezieltes Torque Vectoring an der Hinterachse
- nahezu verzögerungsfreie Anpassung an jede Fahrsituation
Gerade auf Schnee und Eis zeigt sich der Vorteil dieser Architektur: Sensoren erkennen durchdrehende Räder in Millisekunden und verteilen das Drehmoment präzise dorthin, wo es benötigt wird.
Hightech-Fahrwerk und Bremsanlage
Ein weiterer Schwerpunkt der Erprobung lag auf dem AMG ACTIVE RIDE CONTROL Fahrwerk. Die Kombination aus Luftfederung, semi-aktiver Wankstabilisierung und hydraulischer Vernetzung der Dämpfer soll sowohl hohen Komfort als auch maximale Präzision ermöglichen.
Besonderheiten:
- dreifach schaltbare Luftfedern
- hydraulisch gekoppelte Dämpfer statt klassischer Stabilisatoren
- variable Wanksteifigkeit je nach Fahrsituation
Ergänzt wird das Setup durch ein hybrides Bremssystem mit Carbon-Keramik-Scheiben an der Vorderachse und Stahlbremsen hinten. Dieses sorgt für ein konstantes Pedalgefühl – unabhängig davon, ob mechanisch oder über Rekuperation verzögert wird.
Batterie und Antrieb: Leistung auch bei Kälte
Auch unter extremen Temperaturen musste sich die elektrische Antriebseinheit beweisen. Die direktgekühlten Batteriezellen werden von einem nicht leitenden Kühlmittel umströmt, das sowohl effiziente Kühlung als auch schnelles Aufheizen ermöglicht.
Das Ergebnis:
- stabile Leistungsabgabe auch bei Minusgraden
- hohe Wiederholbarkeit von Beschleunigungsvorgängen
- effiziente Ladefähigkeit selbst im Winterbetrieb
Bilder: Mercedes-Benz Group AG




