eActros 600 tritt gegen Oberleitungs-Lkw an

Seit Kurzem ist ein batterie-elektrischer Mercedes-Benz eActros 600 auf der B462 im Nordschwarzwald für die Logistikfirma Fahrner unterwegs. Im Rahmen des Projekts „eWayBW“ unter Federführung des Ministeriums für Verkehr Baden-Württemberg wird der seriennahe E-Lkw-Prototyp für einen Technologievergleich neben den Oberleitungs-Lkw eines anderen Herstellers eingesetzt. Dabei transportiert der eActros 600 Papiererzeugnisse auf der ca. 18 Kilometer langen Strecke von den Papiermühlen in Gernsbach-Obertsrot zum Logistik-Standort von Fahrner in Kuppenheim und legt täglich rund 220 km zurück. Geladen wird der eActros 600 über Nacht an einer Ladesäule, die für die Dauer des Projektes auf dem Depot von Fahrner installiert wurde.

Daimler Truck selbst plant keine Oberleitungs-Lkw. Der Hersteller setzt in seiner Fahrzeugstrategie auf die Batterie sowie auf Wasserstoff und damit auf flexibel einsetzbare lokal CO2-neutrale Antriebstechnologien.

Daimler Truck ist bereits seit 2019 auf der B462 unabhängig von „eWayBW“ mit verschiedenen Generationen des batterie-elektrischen eActros – vom ersten Prototyp bis hin zur Serienversion der Verteilerverkehr-Variante eActros 300 – erfolgreich im Praxiseinsatz bei der Firma Logistik Schmitt.

Der Mercedes-Benz eActros 600 in der Serie 

Die hohe Batteriekapazität von über 600 Kilowattstunden – daher die Typbezeichnung 600 – sowie eine neue, besonders effiziente elektrische Antriebsachse aus eigener Entwicklung, ermöglichen eine Reichweite des E-Lkw von 500 Kilometern[1] ohne Zwischenladen. So wird der eActros 600 deutlich über 1.000 Kilometer am Tag zurücklegen können. Zwischenladen während der gesetzlich vorgeschriebenen Fahrerpausen – selbst ohne Megawattladen (MCS) – macht dies möglich.

Der eActros 600 wird neben dem CCS-Laden mit bis zu 400 kW später auch das Megawattladen ermöglichen. Im April dieses Jahres haben Entwickler von Mercedes-Benz Trucks erstmals einen Prototyp des eActros 600 an einer Ladesäule mit einer Leistung von einem Megawatt im unternehmenseigenen Entwicklungs- und Versuchszentrum in Wörth am Rhein erfolgreich geladen. Kunden können für MCS eine Vorrüstung bestellen. Sobald die MCS-Technologie verfügbar und herstellerübergreifend standardisiert ist, soll sie für diese Modelle des eActros 600 nachrüstbar sein. Die Batterien können an einer entsprechenden Ladesäule mit etwa einem Megawatt Leistung in ca. 30 Minuten von 20 auf 80 Prozent aufgeladen werden[2].

Bei der Profitabilität für Flottenbetreiber soll der Elektro-Truck neue Maßstäbe setzen, womit er langfristig die Mehrheit der Diesel-Lkw im wichtigen Fernverkehrs-Segment ablösen kann. Kern des Konzepts von Mercedes-Benz Trucks für den batterieelektrischen Fernverkehr ist, Kunden eine gesamtheitliche Transportlösung aus Fahrzeugtechnologie, Beratung, Ladeinfrastruktur und Services zu bieten.

Der Start der Serienproduktion ist für Ende 2024 vorgesehen. Der eActros 600 wird von Anfang an als Sattelzugmaschine sowie als Pritschenfahrgestell-Variante produziert, was den Kunden zahlreiche weitere Einsatzmöglichkeiten im vollelektrischen Transport bietet.

Quelle: Daimler Truck AG

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Lars
1 Monat zuvor

Ich fahre die Strecke jeden Tag und habe ehrlich gesagt noch nie einen Oberleitungs-LKW fahren sehen. Den eActros hab ich jetzt aber schon öfter gesehen, sieht schon cool aus muss ich sagen. Bei der ersten Sichtung hat er bei mir durchaus einen Wow-Effekt hervorgerufen.

Urs
1 Monat zuvor

Wenn ich mir die Auslastung der LKW-Parkplätze auf den Autobahnen anschaue, frage ich mich, wie das für Fern-LKW OHNE Oberleitung, wo die LKWs während des Fahrens laden können, funktionieren soll.
Und dann frage ich mich, wie dieses Land so eine Infrastruktur erstellen und erhalten will, wenn es schon an einfachen Brücken scheitert..
Und dann einfach rumheulen und „weiter Diesel verbrennen“ auf dem Wahlzettel ankreuzen….
„Die Grenzen des Wachstums“ hatten wohl doch recht…

Sven Keller
Reply to  Urs
1 Monat zuvor

Das ist eben EU. Man hat es über Jahre verschlafen, eine funktionierende Infrastruktur für den Güterverkehr (z.B. wie in der Schweiz) aufzubauen. Lieber transportiert man die Tomaten und Co. von Spanien und Portugal via LKW nach Deutschland, anstelle mal ein modernes Eisenbahnsystem für Güter auf die Beine zu stellen. Die Lobbisten haben nicht unwesentlich dazu beigetragen. Die Oberleitungen auf den D-Autobahnen sind die Pervertierung dieser verfehlten Verkehrspolitik. Aber Hauptsache „Greendeal“ schreien. Kein Wunder ist UK aus diesem Saftladen ausgetreten.

Adrian
Reply to  Urs
1 Monat zuvor

Du willst maximale Effizienz? Dann wäre da die Bahn