Hamburg soll Europas Wasserstoff-Tor werden

Mit einer neuen Allianz treiben Daimler Truck, MB Energy und Kawasaki Heavy Industries den Aufbau einer internationalen Lieferkette für verflüssigten Wasserstoff voran. Die jetzt unterzeichnete Entwicklungsvereinbarung markiert einen wichtigen Schritt für den Schwerlastverkehr der Zukunft – und für den Hamburger Hafen als potenzielles Energie-Drehkreuz Europas.

Im Mittelpunkt steht der Import von flüssigem Wasserstoff (LH2) nach Deutschland. Die Partner wollen gemeinsam prüfen, wie sich eine wirtschaftlich tragfähige Infrastruktur vom Erzeugerland bis zum europäischen Endverbraucher aufbauen lässt. Der kommerzielle Betrieb könnte bereits Anfang der 2030er-Jahre starten.

Für die Nutzfahrzeugbranche ist das Projekt von besonderer Bedeutung. Daimler Truck setzt bei der Dekarbonisierung des Fernverkehrs neben batterieelektrischen Lösungen gezielt auf wasserstoffbetriebene Brennstoffzellen-Lkw. Noch vor Ende 2026 sollen erste Serienfahrzeuge bei Kunden im Alltagseinsatz laufen. Langfristig sieht der Hersteller vor allem bei schweren Langstrecken-Lkw Vorteile durch die hohe Energiedichte von Flüssigwasserstoff.

Damit diese Technologie im großen Stil funktionieren kann, braucht es allerdings mehr als Fahrzeuge: Entscheidend sind stabile Lieferketten, ausreichende Importkapazitäten und ein flächendeckendes Tankstellennetz. Genau hier kommt MB Energy ins Spiel. Das Hamburger Unternehmen bringt bestehende Infrastruktur, Erfahrung im Energiehandel sowie Tanklager- und Logistikkompetenz in das Projekt ein. Geplant ist unter anderem die Umrüstung wichtiger Fernverkehrsstandorte auf LH2-Technologie.

Die technische Basis für Transport und Speicherung liefert Kawasaki Heavy Industries. Das japanische Unternehmen zählt zu den Pionieren bei Wasserstoff-Verflüssigungsanlagen, LH2-Speichern und Spezialschiffen für den Wasserstofftransport. Ziel ist es, langfristig internationale Wasserstoffkorridore zwischen potenziellen Produktionsländern und Europa aufzubauen.

Für Hamburg könnte die Kooperation strategisch wegweisend werden. Der Hafen positioniert sich zunehmend als zentraler Importstandort für alternative Energieträger. Mit der neuen Partnerschaft gewinnt die Hansestadt zusätzlich an Bedeutung im globalen Wettbewerb um klimaneutrale Industrie- und Transportlösungen.

Die Botschaft der drei Unternehmen ist klar: Ohne internationale Zusammenarbeit wird die Wasserstoffmobilität im Schwerlastverkehr kaum skalierbar sein. Mit dem jetzt gestarteten Projekt soll genau dafür die Grundlage geschaffen werden.

Bilder: Daimler Truck AG