Mercedes & NVIDIA: Diese Allianz soll das Auto der Zukunft steuern

Mercedes-Benz und der KI-Chipriese machen ernst: Gemeinsam wollen sie die nächste Generation des automatisierten Fahrens entwickeln, bis hin zu Level 4 und Robolimousinen.

Wenn das Auto bald selbst denkt, soll es dabei auch ein Mercedes-Stern sein, der den Weg weist. Mercedes-Benz und NVIDIA haben gestern eine deutliche Ausweitung ihrer strategischen Partnerschaft verkündet. Das Ziel: sicheres, hochautomatisiertes Fahren für das kommende Jahrzehnt.

„Wichtigster strategischer Partner“

Die Worte von Mercedes-Technikvorstand Jörg Burzer lassen keinen Zweifel daran, welchen Stellenwert der US-Konzern in Stuttgart genießt. NVIDIA sei „unser wichtigster strategischer Partner beim automatisierten Fahren“. Gemeinsam habe man bereits das erste Mercedes-Assistenzsystem für urbanes Point-to-Point-Fahren in der westlichen Welt auf die Straße gebracht. Die Erweiterung sei „Ausdruck des gegenseitigen Vertrauens“ der vergangenen Jahre. Heißt konkret: Das Auto soll auch durch die Stadt von A nach B navigieren können, nicht nur auf der Autobahn.

Das Dreamteam aus Hardware, KI und Sicherheit

Hinter der Allianz steckt ein Technologie-Baukasten, der mehrere Ebenen verzahnt:

  • MB.OS: Das hauseigene Betriebssystem von Mercedes ermöglicht neue Fahrfunktionen und Over-the-Air-Updates.
  • NVIDIA Hyperion: Die Rechen- und Sensorarchitektur liefert die Hardware-Basis im Fahrzeug.
  • NVIDIA Alpamayo Stack: Die Fahrsoftware mit KI-basierten Reasoning-Fähigkeiten soll urbane Point-to-Point-Assistenz, aktive Sicherheit und automatisiertes Parken tragen.
  • NVIDIA Halos: Das Sicherheitssystem ergänzt Mercedes um einen zweiten Safety Stack mit Redundanz und zusätzlichen Schutzmechanismen.

Der Anspruch geht über reine Assistenz hinaus. Die Technologien sollen auch die Entwicklung künftiger SAE-Level-4-Systeme ermöglichen, ausdrücklich eingeschlossen Robolimousinen. Level 4 bedeutet: Das Fahrzeug fährt in definierten Bereichen komplett selbstständig.

Sicherheit als Markenkern

Bei aller Technikbegeisterung betonen beide Seiten den Sicherheitsaspekt. Burzer verspricht Kunden das „bestmögliche automatisierte Fahrerlebnis“, und zwar „bei gleichzeitig hohen Sicherheitsstandards, die sie von einem Mercedes-Benz erwarten“.

NVIDIA-Automotive-Chef Ali Kani rückt die Rechenleistung in den Mittelpunkt: Sie verleihe Fahrzeugen die Intelligenz, ihre Umgebung zu verstehen und komplexe Fahrsituationen zu meistern. Mercedes bringe die Ingenieurskunst und den Sicherheitsanspruch mit, die dafür nötig seien. Ziel sei es, autonomes Fahren „im Alltag Wirklichkeit werden zu lassen“.

Nicht nur auf der Straße: KI auch in der Fabrik

Die Partnerschaft endet nicht an der Fahrzeugtür. Mercedes nutzt NVIDIA-Technologie auch für Simulationen in der Entwicklung und in MO360, dem digitalen Produktionsökosystem des Konzerns. Von der virtuellen Planung bis zu KI-Anwendungen reicht das Spektrum. Das Ziel: mehr Effizienz, Flexibilität und Qualität im weltweiten Produktionsnetzwerk.

Konkrete Modelle, Zeitpläne oder Starttermine für Robotaxis und neue Assistenzfunktionen nannten beide Unternehmen nicht. Klar ist aber die Richtung: Im Wettlauf um das autonome Fahren setzt Mercedes auf eine enge Verzahnung von eigener Fahrzeugkompetenz und NVIDIAs KI-Plattform, und macht dabei deutlich, dass Sicherheit der Maßstab bleiben soll.

Bild: Mercedes-Benz Group AG