Mercedes-Benz Arocs 2653 mit Turbo-Retarder Kupplung punktet im Gelände

Der Mercedes-Benz Arocs 2653 tritt genau dort an, wo herkömmliche Fahrzeuge an ihre Grenzen stoßen: bei tonnenschweren Schwertransporten, auf losem Untergrund und in Situationen, in denen es auf jeden Zentimeter ankommt. Aber erst mit der optionalen Turbo-Tetarder Kupplung wird das Modell komplett. Unser Fahrtest im Gelände.

Unser Testfahrzeug – ein Mercedes-Benz Arocs 2653 als Grounder bringt dafür alles mit, was ein Schwerlast-Spezialist braucht. Im Zentrum steht dabei für uns eine Technik, die im harten Alltag den entscheidenden Unterschied macht und noch viel zu unterschätzt wird: die Turbo-Retarder-Kupplung. Eine Option, die mit dessen Vorteile nicht jeder kennt und deshalb wohl viel zu oft nicht mitgeordert wird. Ein Grund könnte aber auch der höhere Aufpreis sein.

Der Antrieb: Kraft mit Nachdruck

Angetrieben wird der 26-Tonner mittels OM 471 Dieselmotor in der dritten Generation mit 12,8 Liter Hubraum. Mit 390  kW / 530 PS und einem Drehmoment von 2.600 Nm liefert das Sechszylinder-Aggregat genau jene Durchzugskraft, die für den Betrieb mit hohen Zuggewichten notwendig ist. er Motor ist nach Euro-VI-E eingestuft.

Turbo-Retarder-Kupplung: Das Herzstück für harte Einsätze

Die eigentliche Besonderheit des Arocs 2653 Dreiseitenkippers (Achsformel 7,5/9,5/9,5 t) liegt jedoch nicht allein in der Motorleistung, sondern in einer Komponente, die man auf den ersten Blick kaum bemerkt und nur optional erhältlich ist: die Turbo-Retarder-Kupplung – kurz TRK – („High Performancce Engine Brake“, Code M5V). Diese vereint zwei Funktionen, die sonst getrennt verbaut werden, in einem einzigen Bauteil – eine hydraulische Anfahrkupplung und einen Retarder.

Diese Kombination macht sich vor allem dort bemerkbar, wo es auf Feingefühl ankommt: beim Anfahren unter hoher Last und beim Rangieren mit niedrigsten Geschwindigkeiten. Und das Beste daran – die Funktion arbeitet vollständig verschleißfrei. Wo eine klassische Kupplung bei ständigem Anfahren und Schleifenlassen im Schwerlastbetrieb schnell an ihre Grenzen stößt, zeigt sich die Turbo-Retarder-Kupplung unbeeindruckt von Dauerbelastung.

Gemeinsam mit der High Performance Engine Brake entfaltet die Turbo-Retarder-Kupplung eine beeindruckende Bremsleistung von bis zu 750 kW und ein Bremsmoment von bis zu 3.000 Nm – ebenfalls ganz ohne Verschleiß. Das ist keine Randnotiz, sondern für den Betrieb mit schweren Aufliegern und Anhängern ein echtes Sicherheits- und Wirtschaftlichkeitsmerkmal.

Bild: Daimler Truck AG

Funktion und Technik im Überblick

  • Verschleißfreie Dauerbremse: Die Turbo-Retarder-Kupplung fungiert als leistungsstarke Zusatzbremse und entlastet dadurch spürbar die konventionelle Betriebsbremse.
  • Aktivierung: Der Fahrer steuert sie wahlweise über das Bremspedal oder über einen mehrstufigen Hebel am Lenkrad – so bleibt die Kontrolle jederzeit intuitiv und griffbereit.
  • Einsatzbereich: Besonders geeignet für schwere Kipper und Schwertransporte, die mitunter mit Gesamtzuggewichten von bis zu 250 Tonnen unterwegs sind.
  • Vorteil bei Schrittgeschwindigkeit: Gerade im Gelände oder beim Rangieren liefert die Turbo-Retarder-Kupplung hohe Bremsmomente bei gleichzeitig feinfühligem Handling.

Vorteile im Baustellen- und Schwerlastalltag

In der Praxis zahlen sich diese technischen Eigenschaften direkt aus:

Hohe thermische Belastbarkeit. Auf langen Talfahrten mit voller Beladung überhitzen klassische Bremsen schnell – nicht so beim Arocs 2653. Die Turbo-Retarder-Kupplung übernimmt einen Großteil der Bremsarbeit und hält die Betriebsbremse dauerhaft leistungsfähig.

Exaktes Rangieren. Wer schon einmal versucht hat, einen beladenen Schwerlaster millimetergenau zu positionieren, weiß, wie wichtig feinfühlige Dosierbarkeit ist. Genau hier spielt die Turbo-Retarder-Kupplung ihre Stärken aus und ermöglicht ein Manövrieren, das auch unter Last präzise bleibt.

Schonung des Materials. Weniger Verschleiß an Kupplung und Bremskomponenten bedeutet in der Praxis weniger Werkstattaufenthalte, geringere Wartungskosten und eine höhere Verfügbarkeit des Fahrzeugs – ein Argument, das im Baustellenbetrieb schwer wiegt, wo Stillstandzeiten vor allen bares Geld kosten.

Fahreindruck: Souverän auch unter Volllast

Auf der Teststrecke bestätigt sich, was die technischen Daten versprechen. Das Anfahren erfolgt grundsätzlich hydraulisch. Bereits dabei wird das System mit Öl vorbefüllt und dem Fahrer über ein Symbol im Display angezeigt. Schon bei niedriger Motordrehzahl steht ein hohes Drehmoment zur Verfügung.

Bild: Daimler Truck AG

Bergauf verhindert die sogenannte „Hold“-Sperre ein ungewolltes Zurückrollen. Das System löst die Bremse erst, wenn Vortrieb und Hangabtrieb im Gleichgewicht sind. Mit etwas mehr Druck auf das Fahrpedal setzt sich der Arocs kontrolliert bergauf in Bewegung. Die Turbo-Retarder-Kupplung ermöglicht dabei auch unter hoher Last eine feinfühlige Dosierung des Vortriebs. Wird der Druck auf das Fahrpedal reduziert, rollt das Nutzfahrzeug kontrolliert zurück.

Auch beim Bremsen aus höherem Tempo greift die Turbo-Retarder-Kupplung spürbar früh ein und nimmt der Betriebsbremse einen Großteil der Arbeit ab. Gleichzeitig lässt sich ein ruckartiges Anfahren vermeiden. Bergauf kann das beladene Fahrzeug im Vorwärtsgang kontrolliert und verschleißfrei – bis hin zu millimeterweisen Bewegungen – rückwärts rollen oder ohne Betätigung der Bremse bequem auf der Stelle gehalten werden.

Bild: Daimler Truck AG

Im Fahrtest gelang es uns zunächst noch nicht, das Fahrzeug auf Anhieb exakt an der gewünschten Position zu halten. Nach drei Versuchen funktionierte die Positionshaltung bergauf jedoch bereits sehr gut. Eine derart präzise Feinsteuerung wäre allein mit einer konventionellen Reibkupplung kaum möglich.

Im speziellen Rangiermodus steht bereits ohne Betätigung des Fahrpedals ein definierter Vortrieb zur Verfügung. Der Arocs lässt sich dadurch ausschließlich über das Bremspedal präzise positionieren.

Bild: Daimler Truck AG

Nach dem Anfahrvorgang wird die Turbo-Retarder-Kupplung automatisch entleert. Gleichzeitig erlischt das entsprechende Symbol im Kombiinstrument und die normale Reibkupplung übernimmt wieder die Drehmomentübertragung.

Der Retarder selbst arbeitet als Primär-Retarder und nutzt die Übersetzungen des Getriebes. Dadurch stehen bereits bei niedrigen Fahrgeschwindigkeiten hohe Bremsmomente zur Verfügung. Aktiviert wird der Retarder entweder über das Bremspedal oder über den fünfstufigen Multifunktionshebel rechts am Lenkrad.

Bild: Daimler Truck AG

Fazit

Der Mercedes-Benz Arocs 2653 zeigt eindrucksvoll, wie durchdachte Technik den harten Berufsalltag erleichtern kann. Die Turbo-Retarder-Kupplung ist dabei weit mehr als ein technisches Detail – sie ist der Schlüssel zu präzisem Handling, hoher Bremsleistung und geringem Verschleiß im Schwerlastbetrieb.

In Kombination mit dem OM 471 Motor entsteht ein Fahrzeug, das für die Anforderungen von Baustelle und Schwertransport wie gemacht ist. Und ja: die Kupplung bleibt optional und hat mit knapp über 20.000 Euro durchaus seinen Aufpreis vor Rabattierung, hat aber Vorteile mit wenig bzw. gar keinen Verschleiß und somit auch weniger Ersatzteile und Ausfallzeiten in der Werkstatt und sollte beim Kauf eher mitbestellt werden, um den Job nicht nur leichter zu machen, sondern in Summe auch weniger Verschleiß.

 

Bild: Daimler Truck AG

Technische Daten im Überblick

Merkmal Wert
Modell Mercedes-Benz Arocs 3348, Grounder
Motor OM 471, 3. Generation
Leistung 350 kW
Drehmoment 2.300 Nm
Abgasnorm Euro VI, E
Gewichtsvariante 33 t (Achslasten 7,5 / 13,0 / 13,0)
Radstand 3.600 mm
Lackierung Lanaritblau metallic
Bremsleistung (Turbo-Retarder-Kupplung + High Performance Engine Brake) bis zu 750 kW
Bremsmoment bis zu 3.000 Nm
Max. Gesamtzuggewicht (Schwertransport) bis zu 250 t
Disclaimer : Die Fahrveranstaltung erfolgte aufgrund einer Einladung der Daimler Truck AG, wobei auch alle Kosten inkl. Übernachtung übernommen wurden. Unsere Meinung bleibt jedoch davon unabhängig.