smart #5 BRABUS im Test: ein Langstrecken-König auf der Autobahn ?

Der neue smart #5 BRABUS ist wohl vieles – nur kein typischer smart. Mit knapp 4,70 Metern Länge, bis zu 646 PS und einem Leergewicht von deutlich über zwei Tonnen hat das Topmodell der Baureihe mit den früheren City-Flitzern kaum noch Gemeinsamkeiten. Stattdessen tritt der größte smart aller Zeiten gegen etablierte Elektro-SUVs an. Besonders interessant: Wie schlägt sich der leistungsstarke Stromer auf der Autobahn, und was bedeutet das für den Verbrauch im Alltag? Wir haben uns das Modell genauer angesehen.

smart #5 BRABUS im Test: der Langstrecken-König auf der Autobahn ?

Viel Leistung, aber auch Masse

Der smart #5 BRABUS setzt auf zwei Elektromotoren und Allradantrieb: An der Hinterachse arbeitet ein PMSM-Motor (permanenterregte Synchronmaschine), an der Vorderachse ein ASM-Motor (Asynchronmaschine). Die Systemleistung von 646 PS (475 kW) und 710 Nm Drehmoment im Peak sorgt für Fahrleistungen auf Sportwagenniveau: Der Sprint auf 100 km/h gelingt in 3,8 Sekunden, auch die Beschleunigung aus mittleren Geschwindigkeiten fällt beeindruckend aus. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei ausreichenden 210 km/h.

smart #5 BRABUS im Test: der Langstrecken-König auf der Autobahn ?

Doch Leistung hat ihren Preis. Das hohe Fahrzeuggewicht, die großen Räder und die auf Performance ausgelegte Abstimmung wirken sich zwangsläufig auf den Energiebedarf aus. Zwar nennt smart einen WLTP-Verbrauch von rund 20 kWh pro 100 Kilometer, doch dieser Wert lässt sich im Alltag nur unter günstigen Bedingungen erreichen.

Verbrauch: Die Realität beginnt auf der Autobahn

Im Stadtverkehr und auf Landstraßen bewegt sich der smart #5 BRABUS überraschend effizient. Auf der Autobahn zeigt sich dagegen ein anderes Bild: Gerade bei höheren Geschwindigkeiten fordert die Kombination aus Fahrzeuggröße, Gewicht und Leistung ihren Tribut – was uns aber auch nicht überrascht. Wer überwiegend mit Richtgeschwindigkeit unterwegs ist, sollte mit einem Verbrauch zwischen 24 und 27 kWh pro 100 Kilometer rechnen. Bei dauerhaftem Tempo 150 oder schneller sind auch Werte von über 30 kWh pro 100 Kilometer realistisch. Damit steht der smart zwar nicht an der Spitze der Effizienzwertung, bleibt für ein Fahrzeug dieser Leistungsklasse aber im erwartbaren Rahmen.

Realistische Reichweiten

Fahrprofil Verbrauch Reichweite
Stadt/Landstraße 21–23 kWh/100 km 430–470 km
Gemischt 22–25 kWh/100 km 400–450 km
Autobahn 130 km/h 24–27 kWh/100 km 350–400 km
Autobahn 150+ km/h 28–32 kWh/100 km 280–350 km

Wer regelmäßig lange Autobahnetappen fährt, sollte die WLTP-Reichweite daher eher als theoretischen Orientierungswert betrachten.

smart #5 BRABUS am Tropical Island Resort

Der Verbrauch allein erzählt allerdings nicht die ganze Geschichte: Während viele Elektroautos auf langen Strecken durch lange Ladepausen ausgebremst werden, spielt der smart #5 BRABUS hier einen seiner größten Vorteile aus. Die 800-Volt-Plattform ermöglicht Ladeleistungen von bis zu 400 kW im Peak – unter optimalen Bedingungen lässt sich die Batterie in weniger als 18 Minuten von 10 auf 80 Prozent laden. In unserem Test lag der Ladepeak sogar teils knapp über 410 kW. Für den Alltag reichte uns jedoch meist eine 300- oder 350-kW-Säule völlig aus, da die Ladekurve auch dort auf einem hohen Niveau bleibt und ausreichend hoch ausfällt. Damit gehört der smart aktuell zu den schnellsten Ladefahrzeugen auf dem Markt. Gerade für Vielfahrer relativiert das den höheren Verbrauch, denn auf langen Strecken entscheidet nicht nur die Reichweite, sondern vor allem, wie schnell die Energie wieder nachgeladen werden kann.

Ein Wermutstropfen bleibt allerdings die Ladesäulenplanung: Diese erfolgt noch nicht dynamisch und automatisch, sondern erfordert weiterhin manuelles Eingreifen. Hier besteht aus unserer Sicht noch Verbesserungspotenzial – gerade bei einem Fahrzeug, das auf lange Autobahnetappen und schnelles Nachladen ausgelegt ist, wäre eine vorausschauende, automatische Routenplanung mit passenden Ladestopps ein sinnvolles Komfort-Plus.

smart #5 BRABUS im Test: der Langstrecken-König auf der Autobahn ?
fastned Ladepark, Ecke Pegnitz bei Nürnberg

Komfortabler Autobahn-Cruiser statt kompromissloser Sportler

Trotz des BRABUS-Schriftzugs präsentiert sich der smart #5 nicht als harter Performance-SUV. Vielmehr überzeugt er mit einem ausgewogenen Fahrwerk, hoher Laufruhe und angenehmem Langstreckenkomfort. Die straff ausgelegte Fahrwerksabstimmung sorgt dafür, dass das Fahrzeug in schnell gefahrenen Kurven verhältnismäßig wenig wankt. Das bemerkenswert straffe, passiv abgestimmte Fahrwerk erzeugt ein direktes Kurvenverhalten – unterstützt durch die präzise Kraftverteilung des Allradantriebs. Wer im BRABUS-Fahrmodus stark beschleunigt, wird regelrecht in die Sitze gepresst.

Ganz ohne Abstriche bleibt das Fahrwerk allerdings nicht: Bei Höchstgeschwindigkeit wirkt das 2,4 Tonnen schwere SUV, das in nur 3,8 Sekunden auf 100 km/h beschleunigt, einen Hauch zu schwammig. Angesichts der Fahrzeugmasse und der enormen Kraftentfaltung ist das nachvollziehbar, schmälert den insgesamt souveränen Eindruck aber nur geringfügig.

Auch abseits des BRABUS-Modus lässt sich das Fahrpedal gut dosieren. Im Komfortmodus reagiert der smart #5 BRABUS entspannt und gutmütig, lediglich beim Kickdown wird die volle Leistung auf einen Schlag freigegeben und sorgt für kräftigen Vortrieb. Am meisten Fahrspaß bereitet dagegen der Sportmodus: Im BRABUS-Modus setzt das Fahrzeug bereits minimale Pedalbewegungen sehr direkt in Vortrieb um, was die Dosierbarkeit im Alltag erschwert.

Auf der Autobahn liegt das Fahrzeug souverän auf der Straße. Das Abrollen der Räder empfinden wir als angenehm, und auch im Innenraum bleibt es auffällig leise: Windgeräusche dringen selbst bei höheren Geschwindigkeiten kaum durch. Die kraftvollen Antriebe sorgen jederzeit für enorme Leistungsreserven: Überholmanöver funktionieren dank der 646 PS problemlos und mehr als flott, auch das Einfädeln in den Verkehr gelingt souverän. Besonders auf langen Reisen entsteht dadurch ein entspannter Fahreindruck – der smart wirkt weniger wie ein Sportwagen und mehr wie ein leistungsstarker Reisewagen mit Elektroantrieb.

Innenraum: Premium statt Minimalismus

Auch im Innenraum hat der smart #5 BRABUS wenig mit den früheren Modellen der Marke gemein. Hochwertige Materialien, großzügige Platzverhältnisse und moderne Displays prägen das Ambiente. Vorne genießen die Insassen reichlich Freiraum in alle Richtungen. Wirklich überraschend ist jedoch der Fond: Die Rücksitzbank ist angenehm hoch montiert, der Fahrzeugboden fällt entsprechend tief aus – und das wirkt einem typischen Elektroauto-Problem entgegen, bei dem Fondpassagiere mit angewinkelten Oberschenkeln quasi in der Luft sitzen. Im smart #5 BRABUS liegen die Oberschenkel dagegen vollständig auf, es bleibt genug Raum, um die Beine übereinanderzuschlagen, und auf der rechten Seite lässt sich sogar eine echte Liegeposition einstellen: Die Rückenlehne wird weit nach hinten gestellt, während der Beifahrersitz maximal nach vorne rückt. Vor allem auf den Rücksitzen profitieren Passagiere so vom langen Radstand – das Raumangebot bewegt sich auf dem Niveau deutlich größerer Fahrzeuge. Hinzu kommen zahlreiche Komfortfunktionen, die den smart klar in Richtung Premium-Segment positionieren.

Auch beim Stauraum zeigt sich der smart #5 BRABUS alltagstauglich: Der Kofferraum fasst 630 Liter, bei umgeklappter Rückbank wächst das Ladevolumen auf 1.530 Liter. Der Frunk unter der vorderen Haube fällt durch den zusätzlichen Frontmotor mit 47 Litern zwar kleiner aus, reicht aber immer noch komfortabel für Ladekabel und kleineres Gepäck. Wer auf den Allradantrieb verzichtet und zur heckgetriebenen Variante des #5 greift, profitiert vorn von deutlich mehr Platz – dort lässt sich sogar ein kompletter Handgepäcktrolley verstauen. Im Tests reichte uns aber der normale Kofferraum – auf Langstrecke benötigen wir grundsätzlich kein Ladekabel, zuhause ist eines fest verbaut.

Bei der Materialauswahl zeigt sich, wie viel Wert smart auf Detailarbeit legt: Alcantara an Dachhimmel und Säulen, gefräste Lautsprecherabdeckungen aus Aluminium, rote Zierstreifen, Brabus-Stickereien in den Kopfstützen sowie Karbon-Akzente sorgen für ein hochwertiges Ambiente. Abgerundet wird der Innenraum durch eine Ambientebeleuchtung mit 256 wählbaren Farben, die dem Cockpit zusätzlich eine individuelle Note verleiht.

Fazit

Der smart #5 BRABUS ist kein Sparmeister. Wer maximale Effizienz sucht, wird in anderen Fahrzeugklassen fündig. Auf der Autobahn verlangt das leistungsstarke Elektro-SUV spürbar mehr Energie als kompaktere oder schwächere Modelle. Dennoch überzeugt das Gesamtpaket: Die Kombination aus großem Akku, beeindruckender Ladegeschwindigkeit, hoher Leistung und starkem Langstreckenkomfort macht den smart #5 BRABUS zu einem der interessantesten Elektro-SUVs seiner Klasse.

Für Vielfahrer, die regelmäßig Autobahnkilometer absolvieren und dabei nicht auf Leistung verzichten wollen, ist der smart #5 BRABUS ein äußerst attraktiver Begleiter. Sein Verbrauch liegt zwar über dem Durchschnitt – doch seine Schnellladefähigkeiten gehören zur Spitze des Marktes. So entsteht ein Fahrzeug, das auf langen Strecken oft schneller ans Ziel kommt, als die reine Reichweitenstatistik vermuten lässt und der auch richtig Spaß macht. An die Optik des Modells im Exterieur wollten wir uns bereits zum Beginn gar nicht anfreunden – das Design punktete bei uns am Ende des Fahrtes doch.

Bilder: MBpassion.de