Mit der überarbeiteten G-Klasse präsentiert Mercedes-Benz ein Kunststück. Die „dienstälteste“ Baureihe wurde nicht nur bestens für die Zukunft ausgestattet, sondern bleibt parallel seine DNA treu, auch wenn jedes Teil – ausgenommen des Türgriffes und der Reinigungsdüsen sowie der Reserveradabdeckung – erneuert bzw. überarbeitet worden ist. Der „neue G“ bleibt dabei ein „G“ – nur besser, wobei die Baureihenbezeichung gleich bleibt. Die Markteinführung startet im Juni für 107.040,50 Euro.

Seit 1979 hat sich das Äußere der G-Klasse nahezu nicht verändert – und das bleibt auch in Zkunft so. Ikonische Elemente erfüllen heute – wie damals ganz bestimmte Funktionen und verliehen der G-Klasse ebenso ihr einzigartiges Aussehen. Der markante Türgriff blieb ebenso, wie das charakteristische Schließgeräusch, die robuste Außenschutzleiste, sowie das exponierte Ersatzrad an der Hecktür sowie die augenfälligen Blinker. In Verbindung mit der kantigen Silhouette verleihen diese Details dem Offroader erneut seinen besonderen Look. Mercedes bleibt dabei dem Charakters des Urgesteins treu. So werden auch die außen liegenden Türscharniere und die aufliegende Motorhaube in der neuen Generation fortgeführt. Die über Jahrzehnte hinweg technisch immer weiterentwickelte, aber optisch kaum veränderte Offroad-Ikone vollzieht mit dem jüngsten Update den Sprung in eine neue Ära – technisch wie formal. 53 Millimeter länger und 121 Millimeter breiter, wirkt die neue G-Klasse noch präsenter, auf der Straße ebenso wie im Gelände.

Die neue G-Klasse erscheint mehr denn je wie aus einem Guss. Sämtliche Flächen sind straffer gezeichnet und stärker gespannt, die Oberflächenqualität wurde noch einmal angehoben. Daraus resultieren schmalere, präzisere Fugen und harmonischere Übergänge. Zudem wurden die Radläufe und der Stoßfänger stärker in die Karosserie integriert und erscheinen so weniger additiv.

G-Klasse weiterhin aus Grazer Produktion
Die neue G-Klasse soll nach Herstellerangaben im Gelände noch leistungsfähiger und auf der Straße deutlich agiler zu bewegen sein, dynamischer und komfortabler als ihr Vorgänger. Der G bleibt demnach weiterhin ein echter G – unter anderem dank seines serienmäßigen Leiterrahmens, der drei 100-prozentigen Differenzialsperren und der Geländeuntersetzung LOW RANGE. Parallel wurden rund 170 Kilogramm Gewicht eingespart, u.a. mittels neuen Material-Mix aus festen, hcohfesten, ultrahochfesten Stählen und Aluminium. So besteht die steife Karosserie jetzt aus verschiedenen Stahlsorten, Kotflügel, Motorhaube und Türen hingegen aus Aluminium.

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Um die G-typischen Türscharniere und -griffe beibehalten zu können, passten die Entwickler diese an die neue Aluminiumbauweise an. Die A- und B-Säulen werden wegen ihrer tragenden Funktion aus hochfestem Stahl gefertigt. Die Torsionssteifigkeit von Rahmen, Karosserie und Aufbaulager konnte um ca. 55 Prozent von 6.537 auf 10.162 Nm/Grad erhöht werden.

Neben Verbesserungen bei Fahreigendynamik und -komfort resultiert daraus auch eine erhöhte Qualität unter anderem im Geräuschverhalten, was sich im Fahrbetrieb durch deutlich weniger Geräusche und Vibrationen im Innenraum positiv bemerkbar macht

Einzelradaufhängung mit Doppelquerlenker-Vorderachse
Das neue Fahrwerk entstand in Zusammenarbeit zwischen der Mercedes-Benz G GmbH und der Mercedes-AMG GmbH. Das Ergebnis ist eine Einzelradaufhängung mit Doppelquerlenker-Vorderachse in Kombination mit einer starren Hinterachse. Die Komponenten der Doppelquerlenker-Vorderachse sind ohne Fahrschemel direkt am Leiterrahmen befestigt.

Die Anbindungspunkte am Rahmen des unteren Querlenkers in Z-Richtung sind so weit wie möglich oben positioniert. Diese Anordnung garantiert gute Fahrbarkeit jenseits des Asphalts. Extra für die G-Klasse ist die neue Vorderachskonstruktion so robust ausgelegt, dass die Offroad-Performance und -Fähigkeiten des Vorgängers beibehalten und sogar teilweise übertroffen werden.

Derart gerüstet bietet die G-Klasse mit 270 Millimetern Bodenfreiheit zum Vorderachsgetriebe viel Potenzial für maximale Durchsetzungsfähigkeit und Fahrspaß im Gelände. Die Werte sprechen für sich:

Steigfähigkeit bis zu 100 % bei entsprechendem Untergrund
o Bodenfreiheit zwischen den Achsen, plus 6 Millimeter, jetzt 24,1 cm
o maximale Wattiefe von jetzt 70 cm bei Wasser- und Schlammpassagen, ganze 10 Zentimeter zusätzlich
o Fahrstabil bei Schräglagen von 35°, plus 7°
o Böschungswinkel hinten: 30°, vorne: 31°, plus 1°
o Rampenwinkel: 26°, plus 1°

Dank der Einzelradaufhängung konnte die Steifigkeit des Karosserievorbaus verbessert werden. Eine Domstrebe, Federbeinbrücke genannt, verbindet jetzt die vorderen Federbeindome, was die Torsionssteifigkeit des Leiterrahmens erhöht. Hinten wird im Unterschied zum Vorgänger die neue Starrachse mit vier Längslenkern auf jeder Seite und einem Panhardstab geführt. Das macht normale Straßenfahrten noch komfortabler. Im Gelände sorgen die 82/142 Millimeter Ein/Ausfederweg hinten und die Bodenfreiheit von 241 Millimetern zum Hinterachsgetriebe für Sicherheit auch in Extremsituationen.

Besonders viele Optionen bietet DYNAMIC SELECT in Kombination mit dem neuen Fahrwerk mit optionaler adaptiver Verstelldämpfung. Über den DYNAMIC SELECT Schalter kann der Fahrer im Sport- und Comfort-Modus dann auch die Dämpfungseigenschaften des Fahrzeugs verändern.

Der „G-Mode“ als fünftes Fahrprogramm
Eine der Voraussetzungen für die verbesserten Fahreigenschaften im Gelände ist der neue „G-Mode“. Unabhängig vom gewählten Fahrprogramm wechselt die G-Klasse in den „G-Mode“, sobald eine der drei Differenzialsperren aktiviert oder die Geländeuntersetzung LOW RANGE eingelegt wird. Dieser Offroad-Mode passt die Verstelldämpfung des Fahrwerks und die Lenkung sowie die Gaspedalkennlinie an, vermeidet unnötige Schaltungen und sorgt damit für beste Kontrolle und maximale Geländegängigkeit. Ganz diskret leuchtet im Kombiinstrument dann ein kleines „G“-Icon.

Starke Bodenunebenheiten schluckt der „G“ so einfach weg, der Fahrer kann auch im steilsten Gelände zentimetergenau manövrieren und erhält über die Lenkung gut auflösbare Rückmeldungen zur Traktionsfähigkeit des Untergrundes.

Interieur
Während das Exterieur als ikonenhafter Klassiker gepflegt wurde, erhielt die G-Klasse ein grundlegend neugestaltetes, modernes Interieur, welches wie ein Spiegelbild des Exterieurs die Gene des Klassikers neu interpretiert. Wer in die G-Klasse einsteigt, findet dazu zahlreiche Design-Elemente des Exterieurs wieder. Etwa die Form der Rundscheinwerfer, die sich in den seitlichen Belüftungsdüsen widerspiegelt. Oder die Gestaltung der ikonischen Blinker, die sich in den Lautsprechern findet. Typisch für die G-Klasse sind der Haltegriff vor dem Beifahrer oder die in Chrom hervorgehobenen Schalter für die drei Differenzialsperren. Beide wurden akribisch optimiert und bleiben als prägende Elemente erhalten.

Die neu designte Instrumententafel beinhaltet serienmäßig zeitlose analoge Tuben als Rundinstrumente. Wie in der neuen E- und S-Klasse kommt als Kombiinstrument auf Wunsch ein großes Display mit virtuellen Instrumenten im direkten Blickfeld des Fahrers sowie ein Zentraldisplay über der Mittelkonsole zum Einsatz. Optisch verschmelzen dann die zwei 12,3 Zoll-Displays unter einem gemeinsamen Deckglas zu einem Widescreen-Cockpit. Der Fahrer kann die Optik sowohl aus drei verschiedenen Stilen wählen – „Klassisch“, „Sportlich“ und „Progressiv“ als auch die für ihn relevanten Informationen und Ansichten individuell wählen.

G 500 mit 422 PS und 610 Nm Drehmoment
Im neuen G 500 (Kraftstoffverbrauch kombiniert: 11,1 l/100 km; CO2-Emissionen kombiniert: 263 g/km) sorgt ein leistungsstarker 4,0-Liter-V8-Benzinmotor für kraftvollen Vortrieb. Der neue Biturbo leistet 310 kW (422 PS) und bietet ein maximales Drehmoment von 610 Newtonmetern bei 2000 bis 4750 /min.

Für die Kraftübertragung wurde das Wandler-Automatikgetriebe 9G-TRONIC speziell auf die Anforderungen der Offroad-Ikone abgestimmt. Durch die eigenständige Software-Applikation konnten die Entwickler so die Schalt- und Reaktionszeiten des 9-Gang-Getriebes verkürzen. Die große Spreizung des Getriebes soll das Fahren gerade bei niedriger Drehzahl nicht nur komfortabler und leiser machen, sondern trägt gleichzeitig zur Senkung des Kraftstoffverbrauchs bei.

Serienmäßig ist die G-Klasse jetzt mit einer elektromechanischen Zahnstangenlenkung ausgestattet, wodurch sich nun Fahrerassistenzsysteme wie der Park-Assistent realisieren lassen. Zudem verbraucht die elektromechanische Lenkung weniger Energie als ein hydraulisch unterstütztes System. Je nach Fahrprogramm kommt eine der drei Lenkungskennlinien Comfort, Sport und Offroad zum Tragen. Das sorgt für ein komfortables oder sportliches Lenkgefühl auf der Straße, aber auch für eine ehrliche und präzisere Rückmeldung auf unbefestigten und anspruchsvollen Untergründen, stets gepaart mit ausreichender Lenkunterstützung. So direkt wie möglich so indirekt wie nötig, ließe sich die Lenkungsauslegung auf einen Nenner bringen.

G-Klasse mit modernen Fahrassistenzsystemen
Die G-Klasse ist serienmäßig mit dem aktiven Spurhalte-Assistent und dem Verkehrszeichen-Assistent sowie dem PRE-SAFE System ausgestattet. Optional kann das Fahrassistenz-Paket bestehend aus Totwinkel-Assistent und Abstands-Assistent DISTRONIC bestellt werden. Ebenso zur Verfügung stehen als Sonderausstattung das Park-Paket mit 360-Grad-Kamera wie die Multibeam LED Scheinwerfer.

Zum Thema G Klasse Modellpflege gibt es hier übrigens den Artikel von den Kollegen von autophorie.de.

Bilder: Daimler AG

22 Kommentare
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Anselmo
3 Jahre zuvor

Puh, da hat das Gelände Urgestein aber nochmal Glück gehabt!
Vom Design her weitgehend der Alte, in optisch leicht modernisierter Form.
Hätte weitaus schlimmer kommen können 

Dass der Stoßfänger jetzt einen fortlaufenden, harmonischeren Übergang mit der Radhausverbreiterung und mit dem Trittbrett hat, ist ok. Hätte man sich aber meiner Meinung auch sparen können. Gerade das Unperfekte, der Bruch in der Linienführung macht doch den G zu etwas Besonderem.

Was gar nicht passt und wie ein Fremdkörper wirkt, sind die komischen unförmigen Außenspiegel.
Auch das LED Leuchtendesign wirkt komisch und für das Fahrzeug irendwie viel zu modern – einfach unpassend.

Marc W.
3 Jahre zuvor

Formen, Farben, Felgen sind spitze ! Für mich total fremd am Platz diese Mittelkonsole mit den winzigen, rundlichen Allerwelts-Leisten (Media, Klima).

Stefan
3 Jahre zuvor

Gefällt mir gut. Technisch auf der Höhe der Zeit. Vom Konzept gleich geblieben. Bin gespannt auf die weiteren Motoren.

Daniel K.
3 Jahre zuvor

Stimmt es das die Verkaufsprospekte und Preislisten eingestellt werden bzw wurden?
Wenn dem so ist, dann fehlt mir persönlich eine Stück des Fahrzeugs.
Ein Prospekt vermittelt mehr als eine pdf-Datei

Jörg
3 Jahre zuvor

Stimmt es, dass die AMG-Modelle den Panamericana Grill bekommen? Wann meint ihr, erfolgt die Verkaufsfreigabe für die 63er?

Philipp Deppe(@sternfreak)
Admin
Reply to  Jörg
3 Jahre zuvor

Wir rechnen mit dem Panamericana Grill für die AMG-Variante. Verkaufsfreigabe G63 wird noch einige Wochen dauern

wolfi
3 Jahre zuvor

Dass die Typbezeichnung gleich geblieben ist, hat das etwas damit zu tun, dass man damit die schärferen Fussgängerschutznormen umgehen konnte?

Philipp Deppe(@sternfreak)
Admin
Reply to  wolfi
3 Jahre zuvor

Zertifizierung und Crashvorschriften haben sicherlich eine Rolle gespielt das die Typbezeichnung gleich geblieben ist

wolfi
Reply to  Philipp Deppe
3 Jahre zuvor

Kann ein Hersteller das frei definieren? Der G ist ja jetzt eigentlich ein neues Auto. Warum darf Daimler dann einfach die Typbezeichnung beibehalten um neuere Normen zu umgehen? Müssen da bestimmt Teile oder Baugruppen unverändert bleiben, oder welches ist das Kriterium?

Philipp Deppe(@sternfreak)
Admin
Reply to  wolfi
3 Jahre zuvor

@wolfi
Wie dort genau die Kriterien sind können wir aktuell nicht beantworten. Das die Typbezeichnung beibehalten wird um neuere Normem zu umgehen ist bereits früher gemacht worden. Die B-Klasse der Baureihe 246 läuft zum Beispiel unter der Vorgängerbaureihe mit der Bezeichnung 245G oder die aktuelle C-Klasse der Baureihe 205 läuft unter 204K

MrUNIMOG
Reply to  Philipp Deppe
3 Jahre zuvor

Dann verstehe ich nicht, wieso man hier nicht auch auf 464 geht, und die neue G-Klasse nur für die Typisierung unter „463K“ oder sowas laufen lässt… Wenn man das bei 205 und 246 so machen kann?

Im Vergleich hierzu war der Modellwechsel von 461 auf 463 schließlich geradezu lächerlich…

Philipp Deppe(@sternfreak)
Admin
Reply to  MrUNIMOG
3 Jahre zuvor

Bei 205 und 246 waren die Gründe vor allem das Kältemittel der Klimaanlage. Jetzt beim G könnten es andere Gründe wie Crashnormen sein – die schärfer sind und man deshalb konsequent W463 beibehält

MrUNIMOG
Reply to  MrUNIMOG
3 Jahre zuvor

Ah, das leuchtet ein.

Nico
3 Jahre zuvor

Kommt die neue G – Klasse mit Mercedes neuen MBUX?

MrUNIMOG
3 Jahre zuvor

Sehr gelungen, muss ich sagen!

Blinker, Spiegel, Leuchten, alles super. Finde ich. Gerade die Leuchten sind wirklich gelungen, mit dem Tagfahrlicht-Ring und der markanten (Multibeam?) Leuchteinheit innen. Sieht verdammt gut aus, das Auto. Und um die Offroad-Performance muss man sich wohl auch zukünftig keine Sorgen machen.

Allerdings: Keine Dual-Kamera für Drive Pilot etc.? Nur einfache Distronic? Schade. Aber vielleicht kommt das ja noch nach.

Für mich unverständlich: G 500 als V8 mit den gleichen 422 PS wie bisher, während der M256 längst mehr leistet? Da hätte ich mir einen G 500 als R6 mit 435 PS und darüber einen G 560 als V8 mit 469 PS, analog zur S-Klasse gewünscht. Vielleicht kommt es ja so, wenn der M256 weiter ausgerollt wird.

Habt ihr (oder sonst irgendjemand) schon Infos, was auf der AMG- oder Diesel-Seite kommt?

Philipp Deppe(@sternfreak)
Admin
Reply to  MrUNIMOG
3 Jahre zuvor

In diesem Jahr kommt noch der G63 und der G350d

MrUNIMOG
Reply to  Philipp Deppe
3 Jahre zuvor

Danke!
Wisst ihr was zu den Leistungsdaten? Bekommt der G 63 die vollen 612 PS?

Philipp Deppe(@sternfreak)
Admin
Reply to  MrUNIMOG
3 Jahre zuvor

Nein noch keine Leistungsdaten bekannt