Der London to Brighton Veteran Car Run (LBVCR) ist die älteste und wohl auch vielfältigste aller historischer Automobilveranstaltungen. Bei der aktuellen Ausgabe dieses Highlights der Klassiksaison am 6. November 2022 startet Mercedes-Benz Classic mit einem Mercedes-Simplex 28/32 PS von 1904.

Der LBVCR ist nicht nur eine besonders hochrangige Veranstaltung der automobilen Klassik, sondern hat selbst eine beeindruckende Historie: Er wird bereits seit 1927 ausgetragen, und das stets nur mit Fahrzeugen, die vor 1905 gebaut worden sind. Das Vorbild des „Runs“ geht auf das Jahr 1896 zurück, als eine Liberalisierung der Vorschriften zur erlaubten Höchstgeschwindigkeit mit dem „Emancipation Run“ gefeiert wird. Schon damals führt die Fahrt von London ins 60 Meilen (96 Kilometer) entfernte Brighton.

Die Geburt des modernen Automobils

Zu den herausragenden Innovationsträgern der Automobilgeschichte gehören die Mercedes-Simplex Modelle, die grundlegend die Geschichte der Mobilität ab dem Jahr 1902 verändern. Sie folgen auf den Mercedes 35 PS von 1901, dem ersten modernen Automobil. Für die Rennwoche von Nizza entwickelt die Daimler-Motoren-Gesellschaft auf Anregung des Visionärs Emil Jellinek dieses Hochleistungsmobil, das konsequent mit damals üblichen Konstruktionen bricht, die noch stark mit motorisierten Kutschen verwandt sind. Der Mercedes 35 PS, benannt nach Jellineks Tochter Mercédès, erscheint 1901 mit einer völlig neuen Fahrzeugarchitektur mit einem – im Vergleich zu anderen damaligen Automobilen – flachen Fahrzeugdesign sowie einem leichten, tief im Rahmen eingebauten Hochleistungsmotor und einem organisch in die Front integrierten Bienenwabenkühler. Ab 1902 ist dann die Typenfamilie des Mercedes-Simplex Wegbereiter des Markenerfolgs und Vorbild für eine atemberaubende Entwicklung der kompletten Automobilbranche.

„Unsere Teilnahme mit dem Mercedes-Simplex an diesem historischen Rennen ist Ausdruck unserer aktiven Pflege der Markengeschichte und eingebettet in die aktuelle Entwicklung der Mercedes-Benz Group AG“, sagt Marcus Breitschwerdt, Leiter von Mercedes-Benz Heritage. „Die Mercedes-Simplex Modelle waren zu Beginn des letzten Jahrhunderts wegweisend. Sie haben die Blaupause für den modernen Automobilbau geschaffen, die heute noch ihre Gültigkeit besitzt. Zudem stehen die Modelle sinnbildlich für die fortwährende Innovationsfähigkeit unserer Marke. Mit der Elektromobilität erleben wir derzeit abermals einen großen Umbruch, den Mercedes-Benz maßgeblich prägt. Mit unseren vollelektrischen EQ-Modellen setzen wir wieder zukunftsweisende Standards im Luxussegment“, betont Breitschwerdt. Der am London-Brighton-Run 2022 teilnehmende Mercedes-Simplex 28/32 PS wird zwischen 1904 und 1909 hergestellt. Sein Vierzylindermotor hat einen Hubraum von 5.322 Kubikzentimetern und bietet eine Leistung von 23,5 kW (32 PS) bei 1.200/min.

Einzigartige historische Kontinuität

Carl Benz und Gottlieb Daimler erfinden 1886 unabhängig voneinander und doch fast zeitgleich das Automobil. Aus diesem Gründungsmoment geht die heutige Marke Mercedes-Benz hervor. Angesichts der nun bereits 136 Jahre währenden Geschichte gehört sie zu den wenigen Automobilherstellern, die an dem spektakulären Ereignis in Südengland überhaupt teilnehmen dürfen.

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Die Hintergründe des „Emancipation Runs“ von London nach Brighton reichen noch weiter zurück als 1896, nämlich bis auf den „Highway Act“ aus dem Jahr 1865, auch „Red Flag Act“ genannt. Dieser beschränkt die Höchstgeschwindigkeit für selbstfahrende Fahrzeuge mit Dampfantrieb auf 6,4 km/h (4 Meilen pro Stunde) – innerorts gar auf 3,2 km/h (2 Meilen pro Stunde). Bis 1878 muss zudem eine vorweggehende Person mit einer roten Flagge andere Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger oder Pferdekutschen vor den Dampflokomobilen warnen. Als das Automobil Mitte der 1890er-Jahre nach Großbritannien kommt, drohen die Vorgaben des „Highway Acts“ den technischen Fortschritt der britischen Individualmobilität erheblich zu behindern.

Liberalisierung ist die Geburtsstunde des LBVCR

Das ändert sich im Jahr 1896, als die Höchstgeschwindigkeit für Straßenfahrzeuge auf 19,2 km/h (12 Meilen pro Stunde) angehoben wird. Diese Liberalisierung („Erlass zur Änderung des Gesetzes in Bezug auf den Einsatz von Lokomotiven auf Highways“) feiert der erste „Emancipation Run“ am 14. November 1896 mit einer Fahrt von London ins Seebad Brighton. Gottlieb Daimler persönlich nimmt als ausländischer Gast an der Veranstaltung teil. Viele der Teilnehmer setzen auf Fahrzeuge von Daimler oder auf solche, die mit in Lizenz gefertigten Daimler Motoren ausgestattet sind. Darüber hinaus nehmen auch vier Benz-Fahrzeuge am Rennen teil. Einer der Mitorganisatoren ist Frederick Richard Simms, enger Freund Daimlers, Geschäftspartner und Lizenznehmer in Großbritannien sowie Mitbegründer der britischen Automobilindustrie.

Zur Erinnerung an diese Fahrt erfolgt bereits 1927 die historische Neuauflage der Veranstaltung von 1896. Dazu gehört auch der Termin Anfang November mit meist eher unwirtlichem Wetter. Schnell etabliert sich der erste Sonntag dieses Monats für die Fahrt, die vom ältesten britischen Automobilclub, dem Royal Automobile Club (RAC) organisiert wird. Eindrucksvoll ist bereits das Sammeln der Fahrzeuge im Londoner Hyde Park in den dämmrigen Morgenstunden und das Starten der Antriebe von Dampf bis Verbrennungsmotor. Lediglich zwischen 1940 und 1947 sowie im Pandemiejahr 2020 fällt der „Run“ aus. Der Start des „RM Sotheby’s London to Brighton Veteran Car Run“ – so der aktuelle Name – erfolgt im Hyde Park mit Sonnenaufgang, am 6. November 2022 somit um 7:03 Uhr. Zugelassen sind zwei-, drei- oder vierrädrige Fahrzeuge mit einem Baujahr vor 1905. Die Antriebe erhalten ihre Energie aus Dampf, Batterien, Benzin oder auch Muskelkraft.

Denn seit 2017 dürfen auch historische Fahrräder teilnehmen. Es ist kein Rennen im eigentlichen Sinn. Jeder Teilnehmer wird mit einer Medaille belohnt, der das Ziel an der Kanalküste vor 16:30 Uhr erreicht. Bei dieser größten Versammlung von Veteranenfahrzeugen aus der Frühzeit der Automobilgeschichte starten stets mehrere Hundert Teilnehmer.

Quelle: Mercedes-Benz Group AG

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