Abfindungsprogramm bei Mercedes-Benz beschleunigte Stellenabbau

Bei Mercedes-Benz hat ein umfangreiches Abfindungsprogramm zu einem deutlichen Rückgang der Beschäftigtenzahlen geführt. Nach Medienberichten haben rund 5.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das Angebot angenommen und das Unternehmen freiwillig verlassen.

Freiwilligkeit statt Kündigungen

Der Konzern setzte bewusst auf ein sozialverträgliches Instrument: Statt betriebsbedingter Kündigungen bot Mercedes finanzielle Anreize für einen freiwilligen Ausstieg. Ziel war es, die Personalkosten nachhaltig zu senken und gleichzeitig Konflikte mit Arbeitnehmervertretungen zu vermeiden. Das Programm richtete sich vor allem an Beschäftigte außerhalb der Produktion, etwa in Verwaltung, Entwicklung und IT. Insgesamt waren rund 40.000 Angestellte in Deutschland anspruchsberechtigt.

Grundsätzlich galt beim Abfindungsprogramm der Grundsatz der „doppelten Freiwilligkeit“, d.h. sowohl der Mitarbeiter als auch die Geschäftsleitung müssen zustimmen. Bei den Abfindungen gab es durchaus lokrative Beträge, teils bis zu 500.000 Euro – sofern man den Aufläsungsvertrag rechtzeitig unterschrieben hat. Wer bis Ende Juli 2025 unterschrieben hatte, hatte Anspruch auf ein Turbo-Angebot, wo die Abfindung um zehn Prozent höher lag, zzgl. einer Zusätzprämie von sechs Bruttomonatsentgelten. Beim Bruttomonatsgehalt von 7.417 Euro gab es bestenfalls eine Abfindung von über 270.000 Euro, zzgl. 10 Prozent Turbo-Zuschlag & 6-Monatsprämie – in Summe schnell knapp 350.000 Euro.

Ein Jahr mit spürbaren Folgen

Das Abfindungsangebot lief von April 2025 bis Ende März 2026. In dieser Zeit kam es konzernintern zu einer spürbaren Abwanderung. Schon im Herbst 2025 hatten Tausende Beschäftigte das Angebot angenommen – zum Ende des Programms stieg die Zahl nochmals weiter an. Trotz der hohen Beteiligung soll die Unternehmensführung intern mit dem Ergebnis nicht vollständig zufrieden sein. Offenbar waren ursprünglich noch höhere Abgangszahlen eingeplant, um die Sparziele schneller zu erreichen. Offiziell äußert sich Mercedes zurückhaltend und verweist darauf, dass das Programm planmäßig umgesetzt worden sei.

Teil eines größeren Sparprogramms

Der Stellenabbau ist Teil eines umfassenden Effizienzplans. Mercedes-Benz reagiert damit auf zunehmenden Wettbewerbsdruck, volatile Märkte und die hohen Investitionen in Elektromobilität und Digitalisierung. Insgesamt will der Konzern in den kommenden Jahren Milliardenbeträge einsparen, um seine Profitabilität langfristig zu sichern.

Bilder: Mercedes-Benz Group AG

29 Kommentare
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Deutschland qou vadis
15 Tage zuvor

Diese exorbitanten Abfindungen sind ein Irrsinn. Das viele Geld fehlt in der Prozessverbesserung der Qualitätssicherung. Man merkts an den Produkten.

Hansi
Reply to  Deutschland qou vadis
15 Tage zuvor

Naja solche Konzerne rechne ja nicht wie du und ich für die nächsten 2-3 Jahre , sondern über eine deutlich längeren Zeitraum. Und wenn ein MA 100k brutto im Jahr hat, was in diesen Verwaltungsjobs recht häufig vorkommt, dann lohnt es sich für den Konzern allemal

Bob
Reply to  Hansi
15 Tage zuvor

Deutlich längerer Zeitraum? Die denken nur von Quartal zu Quartal.

Liping
15 Tage zuvor

Das Programm ist Ausdruck der Ratlosigkeit. Leistungsträger nehmen das Geld und finden eine neue Aufgabe. Die Bewohner bleiben . Eine neue , dringend benötigte Dynamik um im Wettbewerb mit China zu bestehen kann so kaum entstehen. Es kommen schwere Jahre auf den Daimler zu…

Pano
Reply to  Liping
15 Tage zuvor

Jep, Personalabbau gibt es auch bei Trucks und Bussen…

Bernhard
15 Tage zuvor

Erzählen uns unsere „Regierung“ und die linken Kartellmedien nicht ständig das Märchen vom Fachkräftemangel?

Pano
Reply to  Bernhard
15 Tage zuvor

Den Fachkräftemangel beklagen seit ewig die Arbeitgeberverbände.
Grüße
Pano

Bernhard
Reply to  Pano
15 Tage zuvor

Stimmt. Ich halte das aber für ein gerne vorgeschobenes Argument um Managementfehler zu kaschieren. Denn es sind die gleichen Konzerne die mit allen Arten von Programmen Mitarbeiter ‚entsorgen‘.

PupNacke
Reply to  Pano
15 Tage zuvor

Arbeitnehmerverbände beklagen seit ewig den Willen der Arbeitgeber Fachkräfte entsprechend zu entlohnen 🙂

Alex
Reply to  Bernhard
14 Tage zuvor

Es gibt keine linken Kartellmedien. Ihr habts einfach zuviel freie Zeit fürs Internet. Kann nen Vollzeitjob+Haus+Kind+Hund empfehlen. Da ist man froh wenn man mal 15min Zeit für die Tagesschau hat und muss sich nix abstruses zum ablenken suchen.

OBernhard
15 Tage zuvor

Das ist einfach kurzfristige Bilanzoptimierung und funktioniert so: Sobald der Mitarbeiter unterschreibt gehen alle Kosten, also Gehalt bis Austritt, Abfindung etc. aus der operativen Bilanz (non-IFRS) als Einmalaufwand in die buchhalterische Bilanz (IFRS) über. Damit sehen die folgenden Quartale für die Aktionäre viel besser aus. Aktionäre interessieren sich vornehmlich für die operative Bilanz.
Da geht natürlich wertvolles KnowHow verloren das den Konzern mittelfristig viel Geld kosten wird.

Cornelius
Reply to  OBernhard
15 Tage zuvor

Sehe ich als Aktionär nicht so. Der nicht adjustierte Gewinn ist doch Grundlage für die Dividendenausschüttung. Mercedes hat sich zum Ziel gesetzt, davon ca. 40% auszuschütten. Und Abfindungen dürften als Personalaufwand diesen Gewinn mindern, d.h. sie mindern auch direkt die Dividende an Aktionäre.

Thomas
15 Tage zuvor

Dank BluePrint/Agentur im Neuwagenvertrieb hätte ich auch gerne solch ein Abfindungsangebot! Gilt leider nur für NDL und nicht für die Verkäufer beim Vertreter…!

Alex
Reply to  Thomas
15 Tage zuvor

Das nennt man dann wohl Pech. Dann musst Du Deine individuelle Abfindung halt mit Deinen Arbeitgeber selbst aushandeln. Viel Erfolg!

Marco
Reply to  Thomas
15 Tage zuvor

Das ist nicht korrekt, im Own Retail gibt es kein Abfindungsprogramm wie in den Werken bzw. der Zentrale.

Helge
15 Tage zuvor

Ob sich das nicht rächen wird, wird man sehen. Denn mit solchen Abfindungsprogrammen geht auch viel Know How, und ein Mitarbeiter noch im arbeitsfähigen Alter ist, könnte er sogar dann zur Konkurrenz wechseln

Bernhard
Reply to  Helge
15 Tage zuvor

Ein Wechsel zu einem Konkurrenten wird in solchen Abfindungsverträgen geregelt (untersagt).

PupNacke
Reply to  Bernhard
15 Tage zuvor

Wäre mir neu. Zumindest, so lange man nicht auf Management / Leiterebene ist. Ein normaler ITler oder Ingenieur i. d. R. nein.

Andreas
Reply to  Bernhard
14 Tage zuvor

Der Produktionschef (E1) vom VAN hat 3 Monate später als Produktionsvorstand bei Stellantis angefangen. Soviel dazu.
Und der kannte alle Projekte bei MB bis weit in die 30er.

Bernhard
Reply to  Andreas
14 Tage zuvor

Solche Programme bieten idR. Exitoptionen, die dann mit dem Verlust der Prämie einhergehen. Dann kann man wechseln.
Man kann aber sicher auch Individualvereinbarungen treffen, gerade auf Level 1 dürfte das sogar üblich sein.

Carsten
Reply to  Bernhard
14 Tage zuvor

Das glaube ich auch nicht. Das kann Einem niemand vorschreiben. Wenn schon Politiker, nach Ausscheiden aus dem Amt in der Privatwirtschaft in Ämter wechseln, mit welchen sie vorher zu tun hatten, kann ich mir kaum vorstellen, daß hier ein Arbeitgeber, welcher einen Arbeitsvertrag auflöst, soviel Einfluss hat, daß er Einem das untersagen kann.

Bernhard
Reply to  Carsten
13 Tage zuvor

Auflösungsverträge mit Prämie sind bilaterale privatwirtschaftliche Vereinbarungen. Der MA ist nicht gezwungen den Vertrag einzugehen.
Ich spekuliere nicht, sondern habs schriftlich.

marcel
Reply to  Helge
15 Tage zuvor

das know how wird wesentlich günstiger in ungarn wieder aufgebaut. Weniger Lohn, kein Betriebsrat, keine Gewerkschaft, vollzeit 40 stunden woche. Dort entsteht Wertschöpfung. USA Investition? ja, schlappe 8 milliarden. Wir hier sind durch. fertig.

Andreas
Reply to  marcel
14 Tage zuvor

Naja, es wird Entwicklungs-Know-how in D abgebaut. In Ungarn wird Produktions-Know-how aufgebaut.

Das, was in D gerade abgebaut wird, wird in Indien und China ersetzt.

Ing. Siggi Weber
15 Tage zuvor

Lohnt sich nicht, da ca 1/3 als Zwansabgabe an den Staat geht.

Arno
14 Tage zuvor

teils bis zu 500.000 Euro […] Beim Bruttomonatsgehalt von 7.417 Euro gab es bestenfalls eine Abfindung von über 270.000 Euro, zzgl. 10 Prozent Turbo-Zuschlag & 6-Monatsprämie – in Summe schnell knapp 350.000 Euro

Die maximale Summe für die Sachbearbeiter und Teamleiter-Ebene war deutlich höher 😉

schwob
14 Tage zuvor

Man hat in wirtschaftlich sehr guten Zeiten einen personellen Overhead aufgebaut, der real betrachtet vollkommen absurd war, noch dazu in einem sehr teurem Tarifvertrag, das muss man nun korrigieren.

Die goldenen Zeiten, in denen MB am Markt mehr oder minder Wunschpreise durchsetzen und trotzdem extrem viele Fahrzeuge verkaufen konnte, sind vorbei, dazu kommen noch einige Vorstands-Fehlentscheidungen, das Ergebnis ist bekannt.

K. Peter
13 Tage zuvor

Bei der Bahn läuft es auch so. Die Berater und Personalchefs gehen alle zum gleichen Frisör.
Auf der Strecke bleibt die Motivation sowie Qualität der Mitarbeiter.
Das Denken wird vom € geleitet.
Das Peter Prinzip findet seine Bestätigung.
Und die Gewerkschaften verschlafen Ihre Macht. Vielfach ist bei diesem „freiwilligen Zugeständnissen“ auch Mobbing und Erpressung im Spiel.
Eine Mitarbeiter Kultur bekommt Risse und die Obristen haben nach erreichen der Ziele ihre Schuldikeit getan . . . Erfolg hat zwei Seiten !

Dominique
12 Tage zuvor

Und keiner ist mehr da der Ahnung hat….