Daimler Buses testet Elektro-Reisebus für die Langstrecke

Im Förderprojekt „ELCH“ (Electrified Coach) rund um einen Elektro-Reisebus von Daimler Buses ziehen Industrie und Forschung nach drei Jahren Bilanz. Eine gemeinsame Fahrt in Neu-Ulm markiert dazu einen wichtigen Meilenstein.

Der Reisebus gilt als eines der schwierigsten Segmente der Elektrifizierung: lange Strecken, hohe Fahrzeugmassen, enge Zeitpläne im Fernverkehr. Ob und wie sich diese Anforderungen mit Batteriestrom erfüllen lassen, untersucht seit einiger Zeit das Förderprojekt „Electrified Coach“, kurz „ELCH“. Anfang Oktober trafen sich dazu die Projektpartner in Neu-Ulm zu einem abschließenden Konsortialtreffen, dessen Höhepunkt eine gemeinsame Fahrt mit dem im Projekt entwickelten Technologieträger war. Das Fahrzeug ist auf eine Reichweite von mehr als 500 Kilometern ausgelegt.

Erprobung unter praxisnahen Bedingungen

Die Fahrt in Neu-Ulm diente nach Angaben von Daimler Buses dazu, die technischen Konzepte unter realitätsnahen Bedingungen zu erproben und zu validieren. Zudem nutzten die Beteiligten das Treffen, um den bisherigen Projektfortschritt zu bewerten und die nächsten Schritte bis zum Projektende abzustimmen. Das Förderprojekt läuft noch bis Ende 2026.

Das Ziel ist ehrgeizig: Entstehen soll ein marktfähiges, batterieelektrisches Reisebuskonzept. Dabei geht es nicht nur um Antrieb und Batterie. Auch Energieverbrauch, Aerodynamik, Leichtbau, Wirtschaftlichkeit und die praktische Einsetzbarkeit im Reiseverkehr stehen im Fokus.

Ein Konsortium aus Forschung und Praxis

Daimler Buses koordiniert das Vorhaben gemeinsam mit mehreren Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft. Dazu zählen das Karlsruher Institut für Technologie (KIT, Institut ITIV), die Universität Mannheim (MISES), die Rheinland-Pfälzische Technische Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU) mit den Instituten iMAD und SAM sowie die Flix SE.

Die Aufgaben sind klar verteilt:

  • KIT: Das Institut bringt seine Kompetenz bei der Analyse und Verarbeitung von Fahrzeugdaten ein und optimiert die Betriebsstrategie des elektrischen Reisebusses.
  • RPTU: Die Forschenden untersuchen Potenziale bei Leichtbau und Aerodynamik, um Verbrauch und Reichweite weiter zu verbessern.
  • Universität Mannheim (MISES): Sie bewertet die Wirtschaftlichkeit batterieelektrischer Reisebusse für unterschiedliche Einsatzprofile und analysiert deren Wettbewerbsfähigkeit.
  • Flix: Der Fernbusanbieter liefert reale Betriebs- und Einsatzdaten und unterstützt die Entwicklung praxisgerechter Fahr- und Anwendungszyklen.

Gemeinsam beleuchten die Partner die technischen, wirtschaftlichen und betrieblichen Voraussetzungen für den Einsatz elektrischer Reisebusse im Fernverkehr.

Öffentliche Förderung in Millionenhöhe

Finanziert wird „ELCH“ im Rahmen des Förderaufrufs „Wettbewerb elektrifizierter Schwerlast- und Personenverkehr“ des Programms Elektro-Mobil. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie stellt dafür insgesamt 6,26 Millionen Euro bereit (Förderkennzeichen 01MV22010A-E). Umgesetzt wird das Programm vom DLR-Projektträger.

Baustein der Elektrifizierungsstrategie

Für Daimler Buses ist das Projekt ein Baustein der eigenen Elektrifizierungsstrategie. Das Unternehmen will bis Ende des Jahrzehnts batterieelektrische Reisebusse anbieten. Die Ergebnisse aus „ELCH“ sollen als Grundlage für die weitere Entwicklung entsprechender Fahrzeugkonzepte und Technologien dienen.

Ob sich der Reisebus mit Batterieantrieb im harten Fernverkehrsalltag tatsächlich durchsetzt, hängt neben der Reichweite auch von Ladeinfrastruktur und Wirtschaftlichkeit ab. Das Projekt liefert dazu nun erste praxisnahe Erkenntnisse – die Antworten sollen in die nächsten Fahrzeuggenerationen einfließen.

Bilder: Daimler Truck AG