Mercedes-Benz: KI soll Entwicklungszeit um 17 Monate verkürzen

Mercedes-Benz will neue Fahrzeuge küftig deutlich schneller zur Serienreife bringen. Mit dem Programm PLM.AI digitalisiert der Autobauer seine gesamte globale Produktentstehung und verknüpft sie durchgängig mit künstlicher Intelligenz. Die Entwicklungszeit soll um bis zu 30 Prozent sinken, das entspricht rund 17 Monaten. In einzelnen Engineering-Prozessen erwartet das Unternehmen sogar Effizienzgewinne von bis zu 50 Prozent.

Ein digitaler Faden durch alle Bereiche

Im Kern steht ein neues Product Lifecycle Management (PLM), das Entwicklung, Einkauf, Produktion, Vertrieb und After-Sales über den gesamten Lebenszyklus eines Fahrzeugs vernetzt. Mercedes-Benz spricht von einem „KI-nativen, digitalen Rückgrat“ und einer durchgängigen Wissensbasis. Informationen sollen in Echtzeit verfügbar sein, Abstimmungen einfacher werden.

KI ist in der Produktentstehung bereits im Einsatz: Agenten helfen bei der Optimierung von Materialkosten, bei Zulassungsprozessen, bei der Fehlererkennung und in der Softwareentwicklung. Bislang arbeiten sie jedoch meist innerhalb einzelner Prozessschritte. PLM.AI soll diese Anwendungen nun über Entwicklungsschritte hinweg verbinden. Dafür werden die PLM-Daten nach Unternehmensangaben systematisch zu 100 Prozent KI-tauglich gemacht. Das Investitionsvolumen beziffert Mercedes-Benz auf rund eine halbe Milliarde Euro.

Gewichtsoptimierung als Beispiel

Wie das in der Praxis aussehen könnte, zeigt die Gewichtsoptimierung: Eine Änderung an einer Komponente wirkt sich auf Kosten, Crashverhalten, Hard- und Software sowie Produktionsprozesse aus. Spezialisierte KI-Agenten sollen diese Wechselwirkungen künftig gleichzeitig analysieren und Zielkonflikte früh sichtbar machen. Auch physische Tests sollen durch KI-gestützte Simulationen gezielter eingesetzt und perspektivisch halbiert werden.

Die Verantwortung für Produktentscheidungen bleibt laut Mercedes-Benz bei den Teams. „Mit PLM.AI schaffen wir das digitale Rückgrat für die Produktentstehung der Zukunft“, sagt Jörg Burzer, Vorstandsmitglied und Chief Technology Officer, zuständig für Entwicklung und Einkauf. Die Ansprüche an Qualität und Sicherheit blieben unverändert hoch.

Zwei Technologiepartner

Bei der Umsetzung setzt der Konzern auf zwei externe Partner:

  • CONTACT Software liefert mit CONTACT Elements den offenen PLM-Core-Layer. Er soll die modulare, skalierbare Basis bilden, um Daten, Prozesse und Anwendungen zu integrieren und künftige KI-Technologien flexibel anzubinden.
  • Siemens erweitert seine langjährige Zusammenarbeit mit Mercedes-Benz bei KI-gestütztem Fahrzeugdesign, Simulation und digitaler Absicherung für den digitalen Zwilling.

Die Gesamtverantwortung bleibt bei Mercedes-Benz selbst: Der Konzern definiert Zielbild, Architektur, Datenmodelle und Governance und steuert die globale Umsetzung in einem agilen Transformationsprogramm. Wichtig ist dem Unternehmen dabei die volle Datensouveränität, auch über die darauf aufbauenden KI-Modelle.

Bilder: Mercedes-Benz Group AG