Wie Mercedes-Benz mit dem VLE Mobilität und Energie vernetzt

Mit dem VLE verfolgt Mercedes-Benz einen erweiterten Ansatz der Elektromobilität: Das Fahrzeug soll künftig nicht nur Energie aufnehmen, sondern auch aktiv in das Energiesystem zurückspeisen können. Möglich macht dies bidirektionales Laden – eine Technologie, die Elektrofahrzeuge zu flexiblen Energiespeichern macht. In Verbindung mit einem intelligenten Ladeökosystem entsteht damit ein Fahrzeugkonzept, das über reine Mobilität hinausgeht und aktiv zur Energiewende beitragen kann.

Der neue Mercedes-Benz VLE: intelligentes Ladeökosystem

Ein zentraler Bestandteil der Strategie ist ein vernetztes Ladeökosystem für öffentliches und privates Laden. Über den globalen Service MB.CHARGE Public erhalten Fahrerinnen und Fahrer Zugang zu einem der größten öffentlichen Ladenetzwerke weltweit. Mehr als 2,9 Millionen Ladepunkte von über 1.500 Ladeanbietern sind in den Service integriert.

Die Ladeinfrastruktur ist nahtlos in das Infotainmentsystem Mercedes-Benz User Experience sowie in die Mercedes-Benz App eingebunden. Dadurch kann die Navigation mit Electric Intelligence automatisch eine effiziente Route inklusive geeigneter Ladestopps berechnen oder Fahrerinnen und Fahrer zum nächstgelegenen Ladepunkt führen.

Der Ladevorgang kann über die Mercedes-Benz App, eine RFID-Ladekarte oder direkt über Plug & Charge gestartet werden, sofern der jeweilige Ladeanbieter diese Funktion unterstützt. Gleichzeitig zeigt das System vor Beginn eines Ladevorgangs transparent die Preise pro Kilowattstunde oder Minute sowie eine Kostenschätzung bis zum gewünschten Ladezustand an.

Darüber hinaus stellt Mercedes-Benz in Europa, den USA und Kanada sicher, dass eine entsprechende Menge Strom aus erneuerbaren Energiequellen in das Stromnetz eingespeist wird, sofern an der jeweiligen Ladestation kein Strom aus erneuerbaren Quellen verfügbar ist.

Der VLE als bidirektionaler Energiespeicher

Eine der wichtigsten technischen Neuerungen des VLE ist seine serienmäßige Vorbereitung für bidirektionales Laden. Diese Technologie ermöglicht es, Energie nicht nur in die Batterie zu laden, sondern bei Bedarf auch wieder abzugeben. Der elektrische Van wird damit zu einem mobilen Energiespeicher.

Der Anschluss erfolgt über eine bidirektionale Wallbox im Haushalt, die über Wechselstrom in das Hausnetz integriert ist. Der Energieaustausch zwischen Fahrzeug und Wallbox läuft über den Gleichstrom-Ladepfad des Fahrzeugs, während ein integrierter Wechselrichter die Umwandlung zwischen Gleich- und Wechselstrom steuert. Welche konkreten Anwendungen möglich sind, hängt jedoch von den regulatorischen Rahmenbedingungen, Energieanbietern und Kooperationsmodellen in den jeweiligen Märkten ab. Mercedes-Benz arbeitet daher gemeinsam mit Partnern aus der Energiebranche daran, entsprechende Angebote schrittweise verfügbar zu machen.

Vehicle to Home (V2H) — Energie für den eigenen Haushalt

Eine der zentralen Anwendungen bidirektionaler Ladefähigkeit ist das sogenannte Vehicle-to-Home-Konzept (V2H). Dabei fungiert das Fahrzeug als zusätzlicher Energiespeicher für den Haushalt.

Überschüssiger Strom aus einer Photovoltaikanlage kann tagsüber im Fahrzeug gespeichert und später wieder in das Hausnetz zurückgespeist werden – etwa in den Abendstunden, wenn der Strombedarf steigt. Auf diese Weise lässt sich der Eigenverbrauch von selbst erzeugtem Solarstrom erhöhen und der Strombezug aus dem Netz reduzieren. Auch wirtschaftliche Vorteile sind möglich: Wird Energie gezielt zu Zeiten hoher Strompreise aus der Fahrzeugbatterie genutzt, können Haushaltsstromkosten sinken.

Darüber hinaus eröffnet V2H perspektivisch eine Notstromfunktion. Bei Netzstörungen könnte das Fahrzeug künftig als lokale Energiequelle dienen und wichtige Verbraucher im Haushalt über mehrere Tage hinweg weiter versorgen.

Vehicle to Grid (V2G) — Flexibilität für das Stromnetz

Über das Konzept Vehicle to Grid (V2G) kann der VLE zusätzlich Teil der öffentlichen Energieinfrastruktur werden. Dabei wird Energie aus der Fahrzeugbatterie gezielt in das Stromnetz eingespeist.

Diese Einspeisung kann etwa dann erfolgen, wenn im Netz kurzfristig zusätzlicher Strom benötigt wird oder wenn Marktpreise besonders hoch sind. Fahrzeughalterinnen und Fahrzeughalter könnten dadurch zusätzliche Einnahmen erzielen, beispielsweise über dynamische Stromtarife oder sogenannte Flexibilitätsmärkte.

Neben den wirtschaftlichen Vorteilen für Nutzerinnen und Nutzer bietet V2G auch einen systemischen Nutzen: Elektrofahrzeuge können helfen, Schwankungen in der Stromerzeugung aus Wind- und Solaranlagen auszugleichen. Dadurch lässt sich die Integration erneuerbarer Energien erleichtern und der Bedarf an zentralen Großspeichern reduzieren.

Eine Schlüsselrolle spielt dabei das System MB.CHARGE Home Pro Intelligent, das im Laufe des Jahres 2026 eingeführt werden soll. Ein automatisierter Ladeplan lädt das Fahrzeug bevorzugt dann, wenn Strom günstig verfügbar ist. In Zeiten hoher Strompreise oder knapper Energie im Netz kann gespeicherte Energie aus der Fahrzeugbatterie mit entsprechender Vergütung zurück ins Stromnetz eingespeist werden.

Fahrzeuge als Baustein der Energiewende

Mit dem VLE verfolgt Mercedes-Benz eine Vision, in der Elektrofahrzeuge künftig eine doppelte Rolle übernehmen: als emissionsfreie Verkehrsmittel und als flexible Energiespeicher im Stromsystem. Sollte sich bidirektionales Laden flächendeckend etablieren und regulatorisch unterstützt werden, könnten Elektrofahrzeuge langfristig zu einem wichtigen Bestandteil der Energieinfrastruktur werden – und damit aktiv zur Stabilisierung der Stromnetze und zur Integration erneuerbarer Energien beitragen.

Symbolbilder (zeigen grundsätzlich DC-Ladevorgänge): Mercedes-Benz Group AG

21 Kommentare
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Michael Sommer
1 Monat zuvor

Im Winter fährt man dann morgends mit leerem Akku los. Wer sich so eine Blödsinn einfallen lässt dem ist schwer zu helfen.

DMO
Reply to  Michael Sommer
1 Monat zuvor

nein natürlich nicht, da man für V2G nur einen Teilbereich vom Energiespeicher freigibt. Vielleicht ist das Auto, bei der Abfahrt um 10 Uhr noch voller als man es am Abend eingesteckt hat. Obwohl es zwischendurch auch mal vielleicht 15% entladen wurde. Das Prinzip basiert auf geben und nehmen! Wen der Wind ordentlich bläst und die PV-Module angeregt werden bekommst du dann im Gegenzug den Strom günstig zurück.

Michael Sommer
Reply to  DMO
1 Monat zuvor

totaler Humburg. Das sind so Ideen wie die Maybach Nummer mit Aufklebern. Das klappt nicht.

Pano
Reply to  Michael Sommer
1 Monat zuvor

Wieder jemand vom Fach??

Marco
Reply to  Pano
1 Monat zuvor

Offensichtlich und er ist auch der deutschen Sprache nicht mächtig!

Michael Sommer
Reply to  Marco
1 Monat zuvor

Besser Tippfehler wie grobe Aussetzer beim rationalen Denken. Aber damit ist der Beweis erbracht, daß dies scheinbar mit den Aussetzern so ist.

Arno
Reply to  Michael Sommer
1 Monat zuvor

Ich hoffe der Kommentar ist nicht ernst gemeint…

mulles
Reply to  Michael Sommer
1 Monat zuvor

Ein 4-Personen-Haushalt verbraucht im Schnitt ca. 2.600 bis 4.700 kWh Strom pro Jahr, was etwa 7–13 kWh pro Tag

JM13
Reply to  mulles
1 Monat zuvor

Ohne E-Autos, denn sonst wird es mehr.

JMK
Reply to  mulles
1 Monat zuvor

Ja schon, aber mit Wärmepumpe und ohne die zwei eAutos liegen wir schon bei knapp 30kWh pro Tag im Winter.

DMO
Reply to  JMK
1 Monat zuvor

17mWh; 5 Personen, keine WP, 2BEV

Michael Sommer
Reply to  mulles
1 Monat zuvor

Abends, nachts im Winter ab 16 Uhr ist der Energiebedarf ein anderer. Und da läuft dann auch noch Dein Ventilator vor der Türe. Ich lege dann noch paar Stücke Holz in meinen Ofen und im Wohnzimmer wird es wohnlich. Vergessen hast Du sicher auch die ganzen elektrischen Gerät die alle abends noch geladen werden müssen. Es hat doch jeder mittlerweile eine größere Auswahl an „Uhren“ oder sonstigem Elektroschrott. Dazu kommen die ganzen Küchenmaschinen, der Herd und der Ofen. Die Wäsche wird meist auch abends gewaschen weil morgends muss ja zur Arbeit gehen. Ein ganz schöner Rattenschwanz den man sich da aufgebürdet hat.

Ich hatte vergessen dass man vor dem „Sparen“ erstmal sich für 20k ein Gerät auf das Dach knallt, dann benötigt man noch eine Heizung für 30k um sich dann für 90k den 2. Speicher zu kaufen. Damit kann ich dann jedes Jahr 4k sparen. Das sind wirkliche Rechnungen die viel Sinn ergeben. Ich hatte noch vergessen, dass ich alle 5 Jahre 50% dieser Investitionen wieder tätigen muss. Und weiter zu „sparen“.

ilike
1 Monat zuvor

Hat ja nur Sinn wenn ich für das Einspeisen das gleiche bekomme wie fürs Strom kaufen.

DMO
Reply to  ilike
1 Monat zuvor

im Gegenteil, du musst unterm Strich sogar Geld verdienen. Du bietest ja Batteriekapazität dem Markt an und kaufst günstiger wenn es Überschüsse gibt. Zumindest ist so der Plan.

Manu
1 Monat zuvor

An alle Hater:
1. Man muss einen Wunsch-Ladestand und einen Mindest-Ladestand einstellen.
Es wird niemals unter den Mindestladestand entladen, und wenn man eine Abfahrtszeit speichert wird auch sichergestellt, dass der Wunsch-Ladestand erreicht wird.
2. Man bekommt zwei Arten von Vergütung, einmal alleine für das angesteckt sein (der Netzbetreiber vergütet, dass er weiß dass er auf die Energie zugreifen könnte, falls bedarf besteht) + zusätzlich die zurück gespeiste Energie.
Ich habe letzt eine Studie gelesen (habe den Link leider nicht parat), dass je mehr Bidi-Teilnehmer mitmachen, desto besser ist es für alle – Der Netzbetreiber gewinnt an Stabilität und muss immer weniger Energie von jedem einzelnen Teilnehmer beziehen -> weniger Ladezyklen pro Fahrzeug.

Nachteil aktuell noch: Die DC-Bidi Wallboxen sind vergleichsweise teuer.

Ing. Siggi Weber
1 Monat zuvor

Mercedes Gewinneinbruch – Aktie rauscht ab !

Pano
Reply to  Ing. Siggi Weber
1 Monat zuvor

In welcher Zeitschleife bist du denn hängengeblieben, Muchacho 😉

Bulli500
1 Monat zuvor

Der Nissan Leaf hat das schon seit 2013. Trotzdem gut, dass es jetzt auch von Mercedes angeboten wird.

Manu
Reply to  Bulli500
1 Monat zuvor

das liegt nicht an Mercedes, sondern am Ladestandard.
Chademo (Leaf von 2013) unterstützt Bidi nativ. CCS erst ab ISO-15118-20.
Dafür stirbt Chademo aus (ist außerhalb Japans quasi bereits tot), und auch in Japan deutet sich ein Wechsel auf NACS an.

JMK
Reply to  Bulli500
1 Monat zuvor

Na sicher, wenn man sich eine 10-20k DC Chademo Station ins Haus baut schon. Haben bestimmt alle Leaf FahrerInnen gemacht…

Quenti
1 Monat zuvor

Die theoretische Idee ist nett. Günstig Strom laden und abgeben wenn es sinnvoll ist. Da man die Kapazität der Batterie im Alltag nicht braucht, könnte man softwareseitig ein Fenster von z.B. 10-20% dafür nutzen.

Aber: Ich sehe bislang den Usecase dafür nicht. Gibt zwei Möglichkeiten was man mit dem gespeicherten Strom machen kann:

  • Netzeinspeisung: Das lohnt sich nicht. Den Batterieverschleiß und die Ladeverluste erfordern große Preisunterschiede. Ab 20ct. Preisdifferenz kann sich das lohnen. Das hat man nur wenige Male im Jahr. Wenn ich den Gewinn versteuern muss, sind es eher 30ct.
  • Hauseinspeisung: Bei PV ersetzt es den Heimspeicher nicht. Die kWh Kapazität im Heimspeicher bekomme ich gerade für 200€. Es ist also praktisch immer billiger den Speicher zu vergrößern. Mag natürlich im Winter in Verbindung mit flexiblen Strompreisen möglich sein – aber nicht wirklich. Die Ladeverluste sind zu hoch. Gerade wenn langsam entladen wird, ist das Auto dabei die ganze Zeit „an“ und zieht um 300W. Kann an bestimmten Tagen mal helfen, ist aber kaum relevant. Ohne Heimspeicher macht es wenig Sinn, da das Auto nicht immer am Haus steht.