Mit richtungsweisenden Technologien bringt Mercedes-Benz eine neue Generation von Verbrennungsmotoren auf die Straße. Darunter ein Vierzylinder-Ottomotor mit hoher Effizienz zugunsten umweltschonender Leistungsentfaltung.

Ein wichtiges Mitglied einer von Mercedes-Benz von Grund auf neu entwickelten Motorenfamilie ist der neue Vierzylinder-Ottomotor mit einer Literleistung von über 100 kW. Er stößt in Leistungsregionen vor, die bisher den hubraumstarken Aggregaten mit sechs Zylindern vorbehalten waren. Zugleich verbraucht er deutlich weniger Kraftstoff als ein derartiger Sechszylindermotor. Zu den besonderen Kennzeichen des Motors zählen Twinscroll-Abgasturbolader, riemengetriebener 48-V-Starter-Generator (EQ Boost) und elektrische 48-V-Wasserpumpe.

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Twinscroll-Abgasturbolader

Zugunsten hoher Leistungsausbeute und spontanem Ansprechverhalten setzt Mercedes-Benz bei der Aufladung des Turbomotors auf die Twinscroll-Technologie. Anders als bei herkömmlichen Systemen sind bei einem Twinscroll-Abgasturbolader die Abgaskanäle von jeweils zwei Zylindern im strömungsoptimierten Krümmer zusammengefasst. Dieses Aufladungskonzept ermöglicht durch eine konsequente Flutentrennung der Zylinder ein hohes Drehmoment im Niedrigdrehzahlbereich bei hoher spezifischer Leistung.

Eine weiter verbesserte Ansaugluftführung mit extrem kurzen Luftwegen und äußerst kompaktem Verdichtergehäuse sorgt zusätzlich für ein spontanes Ansprechverhalten und eine schnelle Reaktion auf Fahrpedalbewegungen. Der Twinscroll-Abgasturbolader verfügt über einen elektrischen Wastegatesteller, wodurch schnelle Änderungen des Ladedrucks möglich sind.

Um die Abgasemissionen zu verringern, kommt neben den bewährten Piezo-Injektoren mit guter Gemischaufbereitung und einem weiterentwickelten Brennraum ein Otto-Partikelfilter zum Einsatz. Weitere Effizienzmaßnahmen sind eine Einlass-CAMTRONIC und ein Paket zur Reibleistungsreduzierung.

Der neue Ottomotor ist im E-Klasse Coupé und Cabriolet mit einem 48-Volt-Bordnetz kombiniert, das für den riemengetriebenen Starter-Generator (EQ Boost) und die elektrische Wasserpumpe genutzt wird. Prinzipielle Vorteile eines 48-Volt-Bordnetzes: Es bietet bei gleichen Strömen die vierfache Leistung eines 12-Volt-Netzes, vermeidet aber die zusätzliche Sicherheitsarchitektur eines Hochvolt-Netzes.

48-Volt-Bordnetz und Starter-Generator 

Mit dem 48-Volt-Bordnetz lassen sich in Verbindung mit dem riemengetriebenen Starter-Generator überdies die wichtigen Hybridfunktionen „Rekuperieren“, „Boosten“ und „Segeln“ erstmals ohne Hochvolt-Komponenten realisieren. Damit sind deutliche Verbrauchseinsparungen möglich.

Der riemengetriebene Starter-Generator ist mit dem Verbrennungsmotor so gekoppelt wie üblicherweise die Lichtmaschine. Damit nutzt das System bestehende Generator-Befestigungen und greift nicht in das Design des Antriebsstrangs ein. Zudem ist die Haltbarkeit eines solchen Starterkonzepts so gut, dass der Motor viel häufiger und damit jederzeit abgeschaltet werden kann, wenn er nicht benötigt wird: Sei es beim Ausrollen oder beim sogenannten Segeln, also einem kraftstoffsparenden Rollen bei höheren Geschwindigkeiten, sobald der Fahrer vom Fahrpedal geht.

Neben Verbrauchs- und CO2-Einsparungen ist durch das 48-Volt-Bordnetz ferner ein Zugewinn beim Komfort möglich. Denn ein 48-Volt-System kann einen Verbrennungsmotor sehr gleichmäßig auf Leerlaufdrehzahl andrehen. Das NVH-Verhalten (Noise, Vibration, Harshness) profitiert davon, der Übergang beim Motorstart wird noch ruhiger: Der Motor läuft wieder, als ob er gar nicht aus gewesen wäre.

Durch die Integration eines 48-Volt-Bordnetzes ergeben sich zukünftig auch für weitere Funktionen im Fahrzeug Vorteile. Aufgrund der höheren Spannung treten bei gleicher Leistung nur noch ein Viertel so große Ströme auf. Leitungen können dadurch dünner und somit leichter ausgelegt werden – was indirekt zur Kraftstoffeinsparung beiträgt. Das 48-Volt-Bordnetz ist außerdem Wegbereiter beim weiteren Ausbau von Infotainment- und Assistenzsystemen.

Quelle: Daimler AG / Bilder: MBpassion.de / Philipp Deppe

24 Kommentare
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Racer1985
3 Jahre zuvor

Würde gerne das Leistungsdiagramm sehen. “hohes Drehmoment im Niedrigdrehzahlbereich” 400 Nm ab 3.000 rpm hört sich nicht danach an. Andere 2 Liter Vierzylinder mit über 200 PS liefern schon seit Jahren 350 Nm und mehr ab unter 2.000 rpm.

Nordlicht
Reply to  Racer1985
3 Jahre zuvor

Richtig aber hier wird ja nicht objektiv berichtet sondern getreu der Marke.
Der Audi S3 mit 2 Liter und 310 PS hat seine 400 Nm schon ab 2000 U/min.

MrUNIMOG
Reply to  Nordlicht
3 Jahre zuvor

Audi S3? Der Vergleich hinkt aber, ist ja eine ganz andere Leistungsklasse. Beim M 133 in A 45 und Co. liegen die 475 Nm auch schon ab 2250 U/min an.

Racer1985
Reply to  MrUNIMOG
3 Jahre zuvor

Wo soll der Vergleich denn hinken? Beides sind 2 Liter Vierzylinder mit um die 300 PS und bei VAG sogar nur einem Single-Turbolader. So oft wie die Maschine im VW Konzern verbaut wird, bekommt der wahrscheinlich sogar höhere Stückzahlen, wie der neue Benz-Motor – also kein Nischenmotor. Und ja es stimmt, beim M133 liegt das Drehmoment genau wie beim M264 erst ziemlich spät an. Dabei soll der TwinScroll-Turbolader doch eigentlich für eine bessere Drehmomentkurve sorgen?! Beim M133 hängt das aber wahrscheinlich mit der Größe des Laders und der extremen Aufladung zusammen.

hoelli78
3 Jahre zuvor

Wo liegt der Unterschied zum kommenden M254?

Thomas
Reply to  hoelli78
3 Jahre zuvor

Würde mich auch interessieren. Ich habe inzwischen das Gefühl, dass 254 und 264 sehr ähnlich, wenn nicht identisch sind.

Reply to  Thomas
3 Jahre zuvor

@hoelli78
@Thomas
Es gibt nur dem M264 – einen M254 gibt es momentan nicht

Benzfahrer
3 Jahre zuvor

Der Motor ist bestimmt nicht schlecht.
Was mir aber nicht gefällt, dass der Motor lt. E-Coupé-Preisliste auf das sauteure Superplus abgestimmt wurde.

Thomas
Reply to  Markus Jordan
3 Jahre zuvor

Das riecht nach einem neuen Trick, um den Verbrauch zu drücken.

Dissi11
3 Jahre zuvor

Mich würde nach wie vor interessieren, in welchen Varianten der M 264 kommt (z.B. in der W 205 MOPF) und ob er immer mit RSG gebaut wird oder auch ohne.

Reply to  Dissi11
3 Jahre zuvor

@Dissi11
Genauen Details in welche Varianten der M264 kommt liegen uns aktuell nicht vor

Benzomat
3 Jahre zuvor

Da gebe ich Benzfahrer recht. Superplus wäre ein großer Wermutstropfen. Ich finde noch interessanter, dass die offizielle Preisliste den E350 als V6 Benziner listet mit 1.991 Hubraum. Das klingt fast schon nach einem Formel 1 Motor 🙂

Marc W.
3 Jahre zuvor

Werden wir uns mit genau diesem Motor die nächsten 15 Jahre herumschlagen ?
Gar mit den höchsten Stückzahlen der Geschichte – wenn das Diesel-Privileg fällt ???

MBEng
Reply to  Marc W.
3 Jahre zuvor

Ich glaube nicht, dass dieser Motor in 15 Jahren noch die höchsten Stückzahlen der Geschichte abrufen wird. Durch die konsequente Vorgehensweise der Chinesen im Bereich E-Mobilität werden Verbrenner, egal ob Diesel oder Benziner, spätestens ab 2025 – vermutlich aber noch früher – mit stark sinkenden Produktionszahlen zu kämpfen haben. Wenn er tatsächlich im Jahr 2032 noch zu kaufen ist, dann wohl als einer der letzten seiner Art.

Thomas
Reply to  MBEng
3 Jahre zuvor

Ich würde mich nicht wundern, wenn das der letzte neue Benziner ist, den MB vorstellt. Lebensdauer 15 Jahre bedeutet, dass der Motor 2032 als einer der letzten verbaut wird. Das kommt schon hin. Und dem 654 dürfte es ähnlich ergehen. Vermutlich erleben wir gerade Historisches, ohne es zu ahnen.

WE
3 Jahre zuvor

Ich merke. ich werde alt und meckere jetzt auch über den Fortschritt: Jetzt wird einem endgültig der gute Vierzylinder verordnet. Maximal hohe Drehzahlniveaus und segeln bei höheren Geschwindigkeiten, das Klangerlebnis mag ich mir nicht vorstellen, gefühlte Peitschenhiebe bei jedem Beschleunigen. Smart und Citan waren nicht das Gleiche wie E350, wer erwartet das auch, aber C180 war im Vergleich das schlechteste Fahrzeug, durchaus leise bei Leerlauf und nervig laut bei jedem Beschleunigen. Das wird die Modellbezeichnung “350” auch nicht verdecken können.

Moni
3 Jahre zuvor

Der technologische Fortschritte ist schon beeindruckend aber hat der Verbrennungsmotor noch eine Zukunft?

Joachim
3 Jahre zuvor

Ich habe zwei rein technische Fragen : Der RSG unterstützt mit seinen 10 KW doch beim beschleunigten Anfahren. 1 ) Könnt Ihr mir sagen , ab welcher Drehzahl der RSG einsetzt und bei welcher Drehzahl seine Unterstützung wieder aufhört. Unterstützung nur bis Ende “Turboloch” oder auch noch etwas parallel. Bei einem Elektromotor ist das Drehmoment ja sofort da. 2 ) Wie oft kann man mit kurzen Pausen mit dieser Unterstützung z.B. von 0 bis 50 km/h maximal beschleunigen? Nur ein bis zweimal, weil dann die 48 Volt Batterie erst wieder geladen werden muss?

Reply to  Joachim
3 Jahre zuvor

@Joachim
Die E-Unterstützung durch den RSG erfolgt bei entsprechend hoher Leistungsanforderung durch das Fahrpedal ab Leerlaufdrehzahl bis ca. 2.500 U/min. Wie oft hintereinander das “Boosten” möglich ist hängt von der Stärke und der Dauer des jeweiligen Boost-Vorgangs ab, da gibt es keine festen Werte ob nur ein bis zweimal oder noch öfter die Unterstützung erfolgt. Wenn der Ladezustand der 48V-Batterie ausreichend ist wird so oft der E-Boost aktiviert bis der Ladestand zu niedrig ist.

Tim
3 Jahre zuvor

Ich finde die Weiterentwicklungen der Technologien MB im Speziellen zu Otto-Motoren gigantisch gut. Hier wird versucht mit höchster Effizenz alles aus dem Motor rauszuholen…auch unter Beachtung der berühmten ” Nachhaltigkeit”. Ich bin mehr für Leistung und da darf es auch ein Liter mehr Verbrauch sein. Viel spannender finde ich die Kultur um ein Motordesign…der muss ja nun auch schön anzusehen sein. Tolle Entwicklung. Ich denke nicht, dass der Niedergang der Dieselmotoren dabei etwas ändert.

Alex
3 Jahre zuvor

Hat jemand mittlerweile über einen längeren Zeitraum Erfahrung mit dem M264 Motor sammeln können? Ich bin am überlegen mir ein E-Klasse Coupé zu kaufen, bin den Wagen auch schon Probe gefahren und war begeistert. Würde mich aber schon interessieren ob jemand einen Wagen mit diesem Motor über einen längeren Zeitraum gefahren hat und was die Erfahrungen sind.

LG, Alex

driv3r
Reply to  Alex
2 Jahre zuvor

Naja, Langzeiterfahrungen von privaten Fahrern, bei einem Aggregat, dass neu auf dem Markt ist, ist das natürlich schwierig. Ich persönlich finde das Aggregat dem Vorgänger überlegen, bei Leistungsentfaltung, Ansprechverhalten und NVH. Meiner Meinung nach kann man den M264 problemlos kaufen. Siehe dazu auch den Fahrbericht von Philipp im C300 Coupé Mopf. https://blog.mercedes-benz-passion.com/2018/06/c-klasse-modellpflege-erster-testfahrt-im-neuen-c-300-coupe/

Ralf
2 Jahre zuvor

@Alex – das würde mich auch sehr interessieren. Insbesondere weil ich im Moment tatsächlich überlege überhaupt noch einen Verbrenner zu kaufen – ich denke eher, dass die Stunden gezählt sind..