160 Fahrzeuge und insgesamt 1.500 Exponate präsentiert die vielfältige Dauerausstellung des Mercedes-Benz Museums. Ein besonderer Bestandteil sind die „33 Extras“: Sie lassen am Beispiel oft überraschender Details Mobilitätshistorie und Automobilkultur lebendig werden. Die Newsletter-Reihe Mercedes-Benz Museum Inside lenkt den Blick auf die „33 Extras“ und bringt ihre Geschichten auf den Punkt. In der heutigen Folge geht es um die Kühlerfigur.

30/33: Die Kühlerfigur

Prominent: Stolz steht sie für alle sichtbar als Markenemblem oder kleine Skulptur ganz vorn am Fahrzeug – die Kühlerfigur. Sie ist Erkennungsmerkmal und Zier zugleich.

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Bühne frei: Die ersten Automobile brauchen noch keine Kühlerfigur. Das ist nur konsequent, schließlich haben sie auch noch keinen modernen Kühler mit geschlossenem Wasserkreislauf. Solche Systeme kommen mit zunehmender Motorleistung um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert auf. Der herausragende Protagonist dieser Entwicklung ist der Mercedes 35 PS. Er ist 1901 das erste Automobil mit effizientem Bienenwabenkühler. Der Kühler bildet das Gesicht des Mercedes und wird ab 1909 zur Bühne für den dreizackigen Mercedes-Stern, der diesen zunächst als erhabenes Relief ziert.

Symbolkraft: Die Söhne des im Jahr 1900 verstorbenen Automobilpioniers Gottlieb Daimler haben die Idee für den Mercedes-Stern. Er symbolisiert mit seinen drei Strahlen auch die Vision von Gottlieb Daimler, die Daimler-Motoren in Landfahrzeugen, Schiffen und der Luftfahrt einzusetzen. Für den Dreizackstern beantragt die Daimler-Motoren-Gesellschaft am 24. Juni 1909 den Gebrauchsmusterschutz. Er wird am 9. Februar 1911 ins Warenzeichenregister eingetragen.

Perfekt platziert: Der Dreizackstern als Kühlerfigur wird am 5. November 1921 angemeldet und am 2. August 1923 als Warenzeichen eingetragen. Zugleich schmückt er den Kühlwasserschraubverschluss, der damit zum Podest wird. So verbindet die Kühlerfigur Ästhetik mit Nutzwert. Den Stern gibt es sogar mit integriertem Kühlwasserthermometer. Benz & Cie. verwendet keine Kühlerfigur und arbeitet weiterhin mit Signets und Schriftzügen auf der oberen Kühlereinfassung.

Prestige: Viele Automobilhersteller nutzen die Kühlerfigur als prominentes Emblem. Als Maybach in den 1920er-Jahren ebenfalls mit seinen noblen Fahrzeugen auf den Markt kommt, wählt das Unternehmen das Doppel-M für „Maybach-Motorenbau“ als Markenzeichen. Es wird auch zur Skulptur auf dem Kühler.

Kreativität: Zu dieser Zeit sind Kühler nach wie vor nicht unter der Motorhaube verborgen und werden entsprechend verziert und gestaltet. Kühlerverschraubungen wandeln sich in den 1920er-Jahren zu Schmuckstücken. Fortan stehen dort schielende Faune, unbekleidete Damen oder Tiergestalten aus Silber. Eine solche Kühlerfigur zeigt das Exponat der „33 Extras“ des Mercedes-Benz Museums: In schwungvoller, formvollendeter Haltung offeriert eine Dame einen runden Gegenstand. Vielleicht einen Apfel oder einen Ball – das ist nicht genau zu erkennen. Die ausgefallensten Kühlerfiguren gestaltet in den 1920er-Jahren der französische Künstler René Jules Lalique – und zwar aus Glas.

Persönlichkeit: In seltenen Fällen lassen Kunden den Mercedes-Stern durch eigene Embleme ersetzen. So trägt etwa der im Jahr 1932 für den im Exil lebenden Kaiser Wilhelm II. gefertigte Mercedes-Benz 770 „Großer Mercedes“ Cabriolet F (W 07) das Hohenzollern-Wappen auf dem Kühlergrill. Das Fahrzeug steht im Mercedes-Benz Museum im Raum Collection 4: Galerie der Namen.

Neuer Platz: Windschlüpfige Karosserien setzen sich nach dem Zweiten Weltkrieg immer stärker durch. Die Fahrzeugfront wird entsprechend gestaltet – und der Kühler als Funktionsteil kommt unter die Motorhaube. Der Grill vorn bleibt für die einströmende Kühlluft erhalten. Bei Mercedes-Benz Fahrzeugen steht auf dieser Kühlermaske wie zuvor: der Mercedes-Stern. In den 1990er-Jahren wandert er dann beim sogenannten Plakettenkühler von der Chromumrandung ein kleines Stück nach hinten auf die Motorhaube.

Bewegungsfreiheit: Zu dieser Zeit ist der Stern längst in die Sicherheitsphilosophie der Marke integriert. Er hat ein Gelenk, um Fußgänger bei einem Aufprall zu schützen. Seit den frühen 1950er-Jahren ist das so. Ein begehrtes Sammlerstück ist er da bereits und wird häufig entwendet. Das macht ihn zu dem am häufigsten benötigten Ersatzteil von Mercedes-Benz.

Alternative: Der Kundengeschmack wandelt sich über die Jahre. In der C-Klasse der Baureihe 204 bietet Mercedes-Benz erstmals die Wahl zwischen zwei Fahrzeugfronten – mit großem Zentralstern im Kühlergrill oder mit dem klassischen, frei stehenden Stern auf der Motorhaube. Etwas bleibt aber unverändert: Er ist eines der bekanntesten Markenzeichen der Welt.

In anderer Dimension: Wer einen Mercedes-Stern mit einem Durchmesser von fünf Metern ganz aus der Nähe in Augenschein nehmen möchte, der sei ans Mercedes-Benz Museum geladen. Bis 2025 steht der Mercedes-Stern vom Stuttgarter Bahnhofsturm vor dem Museumsgebäude. Nach der Sanierung und Modernisierung des Bauwerks wird das zwei Tonnen schwere Signet dorthin zurückkehren und sich erneut und nachts beleuchtet als Wahrzeichen über der Stadt drehen.

Quelle: Daimler AG