Nachträglich zum Fahrbericht zum neuen Mercedes-Maybach S 680 4MATIC können wir noch weitere offizielle Bilder des Fahrzeuges liefern. Gleichzeitig liefern wir mehr Details zur Zweifarblackierung „mit Trennstrich“, dessen Lackierung bis zu eine Woche dauern kann.

Eine neue Definition von Luxus

Auch ein zweifarbiger Maybach beginnt seine Lackierreise in der Serienfertigung. Die Karosserie wird in der Lackiererei komplett und automatisiert elektrostatisch mit dem Unterlack – also der Farbe, die am Ende die untere Hälfte der Karosserie zieren wird – sowie einer Klarlack-Schicht versehen. Bei der elektrostatischen Lackierung werden statisch aufgeladene Lackpartikel zerstäubt und lagern sich auf der (geerdeten) Karosserie an. Daraufhin wird die Karosserie in die Sonderlack-Manufaktur ausgeschleust. Dort wird nun zunächst das ganze Fahrzeug von Hand matt geschliffen. Nach der Reinigung kommt der erste besonders knifflige Arbeitsabschnitt: das Abkleben. Da die Designer die Grenze zwischen Ober- und Unterlack nicht in einer Sicke oder unter einer Zierleiste gewählt haben, ist hier äußerst akkurate Handarbeit gefordert. Um den feinen, nur vier Millimeter starken Trennstrich zwischen den beiden Farben zu erreichen, wird ein spezielles Klebeband mit einem entsprechenden Spalt verwendet.

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Ein interessantes Detail: Die Türen werden vor dem Abkleben des Trennstrichs mit Gewichten beschwert. Das soll ihren späteren Innenausbau mit Scheiben, Fensterhebern, Lautsprechern, Verkleidungen und anderer Technik simulieren. Das so eingestellte Vorhaltemaß stellt sicher, dass der Trennstrich auf Seitenteil und Türen später in genau gleicher Höhe verläuft.

Alle Flächen, die am Schluss die Unterfarbe tragen sollen, werden abgeklebt. Das umfasst auch die Trennung zum Innenbereich, z.B. der Türen oder Radläufe – selbst da, wo später Verkleidungen angebracht werden. Auch das ist ein Teil des Qualitätsanspruchs.

Die freien Teile der Karosserie werden nun komplett von Hand lackiert. Die pneumatisch, also mit Druckluft zerstäubten Lacke sind dafür so eingestellt, dass sie am Ende das gleiche Bild ergeben wie nach der elektrostatischen Lackierung – das ist wichtig, weil später montierte Anbauteile wie beispielsweise Stoßfänger auch farblich genau passen müssen. Bevor der neue Basislack ganz durchgetrocknet ist, wird vorsichtig „ausgeklebt“ (wie die Lackierer sagen), ohne die Kanten zu beschädigen.

Zweifarb-Lackierung exklusiv für das Maybach-Modell

Danach bekommt das komplette Fahrzeug eine neue Schicht Klarlack. Dies muss in einem engen Zeitfenster erfolgen, damit die Kanten zwischen den Lackschichten verfließen und hinterher beim Befühlen nicht zu spüren sind – anders als bei Wettbewerbern, wo der Trennstrich auflackiert oder gemalt wird. Sind die Profilackierer in der Lack-Manufaktur nicht zufrieden, wird das komplette Fahrzeug erneut geschliffen, der Decklack entsprechend nachlackiert und nochmals mit Klarlack veredelt. Insgesamt kann der Prozess mit den entsprechenden Trockenzeiten eine Woche dauern.

Folgende Farbkombinationen aus dem Farbfächer der Mercedes-Maybach Palette sind verfügbar, wobei die Auswahl danach erfolgt, ob die Oberfarbe die Unterfarbe völlig decken kann:

 

Unterfarbe Oberfarbe
designo diamantweiß bright obsidianschwarz
hightechsilber selenitgrau
obsidianschwarz selenitgrau
nautikblau hightechsilber
rubellitrot designo kalahari gold
onyxschwarz designo kalahari gold
obsidianschwarz hightechsilber
obsidianschwarz rubellitrot
smaragdgrün mojavesilber
mojavesilber onyxschwarz

 

Bilder: Daimler AG

 

22 Kommentare
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Benzfahrer
5 Monate zuvor

Danke für die Info.
Bei dem Aufwand ist der hohe Preis von über 14.000€ einigermaßen nachvollziehbar.

AMG Power
5 Monate zuvor

Ein toller Wagen, für meinen Geschmack würde quasi nur eine Lackfarbe reichen, aber das Teil ist echt super. Jetzt noch im Lotto gewinnen und so einen in die Garage stellen.

W177er
5 Monate zuvor

Vielen Dank für den Artikel!
Ich bin überrascht über die Reihenfolge. So wird ja ca. 80% der Karosserie händisch nachlackiert. Aber wahrscheinlich ist es so einfacher, da die abzuklebenden Flächen von der Größe her überschaubar bleiben.

Thomas
Reply to  W177er
5 Monate zuvor

Da wird nicht händisch nachlackiert. Sondern lediglich abgeklebt und zweimal automatisiert lackiert. Opel hat das beim Adam auch bereits praktiziert. Und da hat das ganze Auto weniger gekostet als der Aufpreis hier.

Zuletzt editiert am 5 Monate zuvor von Thomas
W177er
Reply to  Thomas
5 Monate zuvor

Ich weiß, bei Presseberichten umschreibt man alles gerne etwas blumig, aber unter

„Die freien Teile der Karosserie werden nun komplett von Hand lackiert.“

verstehe ich nicht

„Wir kleben das Auto ab und schicken es dann einfach nochmal durch die Lackstraße“

stefan
5 Monate zuvor

toller artikel… wäre cool wenn es seitens daimler bilder respektive detailaufnahmen von dem lakiervorgang gegeben hätte…

Phil
Reply to  Markus Jordan
5 Monate zuvor

Vielleicht befinde ich mich auf dem Holzweg, aber ich glaube, es hat sich in den Bericht ein Fehler eingeschlichen:
Als Unterlack wird dort die Farbe beschrieben, „die am Ende die untere Hälfte der Karosserie zieren wird“. Ich meine, Unterlack oder besser Grundlack ist dagegen derjenige, der im üblichen Arbeitsschritt zunächst auf das gesamte Fahrzeug aufgebracht wird; im zweiten manuellen Arbeitsgang wird dann abgeklebt und der zweite Lack (Oberlack) aufgebracht – auf der unteren Karosseriehälfte. Gut zu sehen in den Bildern zum Fahrbericht des S 680, wo die untere Hälfte weiß lackiert ist und die Türöffnungen mit der Grundkarosserie in schwarz gehalten sind.
Bei einem Probesitzen im Maybach hinten rechts war die Fahrertür geöffnet; zufällig fiel mein Blick auf die Schweißnaht vorne an der geöffneten Innentür. Es wäre besser gewesen, wenn der Grundlack dunkel gewesen wäre, der Blick auf die Schweißnaht war nicht eben erbauend.
Zu Hause angekommen verglich und vergewisserte ich mich, ob dunkel oder heller Lack, was mich an dem Anblick im Maybach so gestört hat.
Die Schweißnähte meiner Fahrzeuge verlaufen strikt senkrecht – vollkommen gerade. Im Maybach – vielleicht wird es in jeder S-Klasse auch so sein und bei heller Lackierung auffallen, verlief die Schweißnaht nicht gerade, sondern mäanderte hin und her. Dies kann und muss man besser machen!

Joachim
Reply to  Phil
5 Monate zuvor

Ich gehe mal fest davon aus, da es auch heutzutage Deutsche Autofirmen noch schaffen, eine Schweißnaht als gerade Linie zu legen. Es ist aber gerade auch so, dass eine längere oder „mäandernde“ Schweißnaht wegen der größeren Verbindungslänge mehr Kräfte aufnehmen kann, also stabiler ist. Also nicht die kürzeste Strecke zwischen zwei Punkten.
Wenn dieHersteller im Karosseriebau in immer stärkerem Maße hochfeste Stähle mit anderen Stählen gerade im Seitenbereich verbinden, würde eine längere Schweißnaht bestimmt auch zu einer sicheren , steiferen Verbindung beitragen.

Thomas
Reply to  Phil
5 Monate zuvor

Das war sicherlich keine Schweißnaht, sondern eine Abdichtnaht aus PVC. Ich kenne keinen Hersteller, der an modernen Türen Schweißnähte verwendet.
Aber auch dann sollte das ordentlich aussehen.

Phil
Reply to  Thomas
5 Monate zuvor

Danke für die Antwort. Kann natürlich sein, mir fehlt es hier an Detailwissen. Jedenfalls war der Berater auch erst kurz mal baff.

Phil
Reply to  Thomas
5 Monate zuvor

Das kann gut sein. Solche Detailkenntnisse habe ich nicht.
Der Berater war beim Betrachten auch einmal kurz baff.
Kurzum: An solchem würde ich zwar keine Kaufentscheidung festmachen, aber in dieser Liga möchte man solches nicht sehen.

Phil
Reply to  Phil
5 Monate zuvor

Sorry für die Doppelung. Das war dem zeitlichen Versatz von 8 Stunden geschuldet.

Lackfarbe
5 Monate zuvor

Ich stell es hier einfach noch einmal ein:

Noch eine Frage,
bei den heute veröffentlichten Bildern der US-Modelle ist zu sehen, dass keines der US-Fahrzeuge getönte Seiten- sowie Heckscheiben besitzt?
Diese scheinen ja bei den EU-Modellen Standard zu sein.
Wieso werden die nicht so in den USA vertrieben? Ist ja im allgemeinen ein sehr sonnenreiches Land.
Gesetzeslage?

mete111
Reply to  Lackfarbe
5 Monate zuvor

In den USA sind getönte Seitenscheiben nur für Fahrzeuge mit einer Lighttruck Zertifizierung zugelassen. Diese Anforderungen erfüllen nur SUVs.

Auch das Night Paket bei Limousinen hat in den USA keine Privacy Verglasung.

Lackfarbe
Reply to  mete111
5 Monate zuvor

Ahaaaa, das erklärt einiges!

Vielen Dank für die Aufklärung.

Toni
Reply to  Lackfarbe
5 Monate zuvor

Check ich nicht… Ist es nicht sogar so, dass in manchen amerikanischen Bundestaaten – anders als DE – sogar die Windschutzscheibe/(Bei-)Fahrerfenster dunkel getönt werden können?

Javierham93
Reply to  Toni
5 Monate zuvor

Ja, in Kalifornien geht das. Meine Schwiegereltern aus LA, haben bei ihrem GLS, alle Scheiben, auch die Windschutzscheibe getönt.

Lackfarbe
Reply to  Javierham93
5 Monate zuvor

Ab Werk oder „after market“?

S-Fahrer
5 Monate zuvor

Gibt es schon Informationen wann der S580e und der zugehörige Maybach dazu kommen?

Nick
4 Monate zuvor

Mit Plastik in der Mittelkonsole, nicht wirklich Maybach… Sehr schade. Die aktuelle Generation hat ihren staatsmännischen, ruhigen, gediegenen Aufritt verloren.