Auf dem Weg in eine rein elektrische Zukunft beteiligt sich Mercedes-Benz am europäischen Batteriezellenhersteller Automotive Cells Company (ACC), um die Entwicklung und Produktion von Hochleistungsbatteriezellen und -modulen der nächsten Generation voranzutreiben. Wie im Juli 2021 angekündigt, wird die Marke mit dem Stern bis zum Ende des Jahrzehnts bereit sein, vollelektrisch zu werden – überall dort, wo es die Marktbedingungen zulassen. Für das angestrebte Ziel benötigt das Unternehmen bis zum Ende des Jahrzehnts Kapazitäten von insgesamt mehr als 200 Gigawattstunden und plant dafür, gemeinsam mit Partnern weltweit acht Zellfabriken zu errichten, davon vier alleine in Europa.

Gesamtinvestition von mehr als sieben Milliarden Euro

Die Gesamtinvestition in ACC umfasst ein Volumen von mehr als sieben Milliarden Euro – in einer Kombination aus Eigenkapital, Fremdkapital und öffentlicher Förderung –, um bis Ende des Jahrzehnts Kapazitäten von mindestens 120 Gigawattstunden in Europa zu erreichen. Mercedes-Benz wird im kommenden Jahr einen mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Betrag investieren. In Summe bleiben die Investitionen unter einer Milliarde Euro. Die Transaktion unterliegt den üblichen Vollzugsbedingungen, einschließlich der Vereinbarung über die endgültige Dokumentation sowie die behördlichen Genehmigungen.

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Yann Vincent, CEO von ACC, betont: „Mercedes-Benz als neuen Anteilseigner bei uns zu begrüßen, ist ein wichtiger Meilenstein für ACC. Mercedes-Benz beweist Vertrauen in unsere Technologie-Roadmap und Produktwettbewerbsfähigkeit. Dies stärkt das Geschäftspotenzial von ACC deutlich und untermauert unsere ehrgeizigen Wachstumspläne. Das ist unser Beitrag zu einer elektrischen und nachhaltigen Zukunft.“

„Mercedes-Benz beteiligt sich mit 33 Prozent an ACC. Als gleichberechtigter Anteilseigner neben TotalEnergies und Stellantis erhalten wir damit zwei von insgesamt sechs Sitzen im Aufsichtsrat von ACC“, so Markus Schäfer, Mitglied des Vorstands der Daimler AG und Mercedes-Benz AG; verantwortlich für Daimler Konzernforschung und Mercedes-Benz Cars COO. „Wir werden unsere EQ-Modelle weiterhin nur mit den fortschrittlichsten und nachhaltigsten Batteriezellen ausstatten. Dafür bringen wir uns mit Technologie und Produktions-Know-how bei ACC ein. Mercedes-Benz wird die High-End-Zellentwicklung ab 2023 mit seinem neu geplanten Pilotwerk ‚Mercedes-Benz Drive-Systems Campus‘ in Stuttgart ergänzen.“

Lieferung von Batteriezellen und Modulen

ACC wird Mercedes-Benz bereits ab Mitte der Dekade mit leistungsfähigen Batteriezellen und -modulen aus seinen Produktionsstandorten beliefern. Der Batteriezellenhersteller prüft den Ausbau seines Produktionsnetzwerks um weitere Standorte in Europa.

Mercedes-Benz verfolgt weitreichende Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten im Bereich der Batterietechnologie. Das Unternehmen bringt sein Know-how in das Joint Venture mit ein und unterstützt den Ausbau des Produktionsnetzwerks von ACC auf Basis der Mercedes-Benz Qualitätsstandards. Mit Saft, einer Tochtergesellschaft von TotalEnergies, verfügt Mercedes-Benz über einen Partner mit über 100 Jahren Erfahrung im Bereich langlebiger Batteriesysteme sowie Elektro- und Hybridantriebe. Stellantis bringt durch seine Markenvielfalt, Größe und globale Präsenz Industrialisierungskompetenz in das Joint Venture ein. Mercedes-Benz Kunden können von der einzigartigen Kombination aus technologischem Know-how, Produktionserfahrung und den Skaleneffekten des Joint Ventures profitieren.

Durch die Beteiligung treibt Mercedes-Benz die Industrialisierung von hochentwickelten und nachhaltigen Zelltechnologien in Europa voran. Mercedes-Benz erweitert sein etabliertes Partnerportfolio, um den Lokalisierungsgrad in der Beschaffung von Batteriezellen und -modulen als Schlüsseltechnologien für das Zeitalter der Elektromobilität abzusichern.

Effiziente und nachhaltige Zelltechnologien

Mercedes-Benz setzt auf einen modularen, hochgradig standardisierten Batteriebaukasten, der durch einheitlich konstruierte Komponenten und Schnittstellen die Integration von Batteriezellen und -modulen von unterschiedlichen Entwicklungspartnern ermöglicht. Ziel der Partnerschaft ist die gemeinsame Entwicklung von Zellen und Batteriemodulen, die den hohen Anforderungen an Energiedichte, Ladeleistung und Performance von Mercedes-Benz gerecht werden. Über die gemeinsame Expertise der Partner in Zelltechnologie und Zellproduktion können differenzierende Variationen im Modulbaukasten durch Zellchemie und Zellhöhe optimal dargestellt werden. Darüber hinaus forschen die Partner an weiteren Technologiesprüngen, zum Beispiel im Hinblick auf Hochsilizium-Anoden- und Festkörperbatterien.

Mit der Ambition 2039 verfolgt Mercedes-Benz das Ziel von CO2-Neutralität entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Die CO2-neutrale Fertigung von Batteriezellen ist dabei ein wichtiger Baustein und eine konkrete Anforderung an alle Partner. Daher wird auch ACC vorrangig Strom aus erneuerbaren Energien für die Fertigung von Hochleistungsbatterietechnologien verwenden. Weitere wichtige Nachhaltigkeitsaspekte sind der verantwortungsvolle Rohstoffbezug sowie der schonende Umgang mit Ressourcen: Für die Batteriezellen werden ausschließlich Rohstoffe aus zertifiziertem Abbau genutzt. Zudem reduzieren die Partner kritische Materialien mit dem Einsatz neuer Technologien. Für einen geschlossenen Rohstoffkreislauf werden Batteriezellen von ACC zu über 95 % recyclingfähig sein. Der Batteriezellenhersteller ist ein wichtiger Partner für die Europäische Union, um im Rahmen des Green Deals die Nachhaltigkeitsanforderungen für eine grüne Batterie in Europa umzusetzen.

Über ACC

ACC wurde 2020 gegründet und verbindet die Expertise von Stellantis, TotalEnergies und Mercedes-Benz mit komplementären Kompetenzen und Erfahrungen. Ziel von ACC ist es, europäischer Marktführer für Batteriezellen und -module zu werden, die saubere und effiziente Mobilität für alle ermöglichen. Das Forschungs- und Entwicklungszentrum in Bordeaux (Frankreich) wurde bereits in Betrieb genommen. Der Pilotstandort in Nersac (Frankreich) wird Ende dieses Jahres die Produktion aufnehmen.

Quelle/Bilder: Daimler AG

19 Kommentare
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Cornelius
22 Tage zuvor

Sehr schön. Manche sagen ja, dass nur die Volumenhersteller wie Volkswagen und Toyota auf die nötigen Stückzahlen kommen, um die enormen Fixkosten im Zusammenhang mit der Zellherstellung rentabel umlegen zu können. Das vorliegende Gemeinschaftsprojekt mit Stellantis dürfte Mercedes vor diesem Risiko schützen.

Cornelius
Reply to  Cornelius
22 Tage zuvor

Und durch die Beteiligung der Franzosen Stellantis und Total wird auch noch sichergestellt, dass man die maximale EU-Förderung bekommt. Der Geldbeutel bleibt also auch noch geschont.

MarkusGLK
22 Tage zuvor

Vielleicht sollte man seine Aktivitäten auch in Bezug auf Halbleiter intensivieren. Laut Kallenius soll die Versorgungslage noch im gesamtem Jahr 2022 („.. nicht vor 2023“) angespannt bleiben (Quelle: SZ von heute).

driv3r
Reply to  MarkusGLK
22 Tage zuvor

Auch das wird geprüft, wie Markus Schäfer bereits gegenüber der Automobilwoche verlautbart hat.

Pano
Reply to  driv3r
22 Tage zuvor

Und wo wir schon beim Thema „Transformation und was man dafür benötigt“ sind. Wie sieht es denn bei der Suche nach qualifizierten Personal für das künftige Betriebssystem MB.OS aus? VW-Chef Diess hat neulich die nicht undoofe Idee ausgeprochen, daß die hiesigen Hersteller und die größten Zulieferer bei diesem Thema zusammanerbeiten könnten.
Grüße
Pano

driv3r
Reply to  Pano
22 Tage zuvor

Also ich bin zufrieden, dass wir das eigene MBUX haben und nicht MIB3… 😉

Pano
Reply to  driv3r
22 Tage zuvor

Okay, ich mag auch nicht von MIB3 geblitzdingst werden 😉
Aber jetzt mal ernsthaft. Im Juni wurde angekündigt, daß man 1.000 Softwareentwickler für das eigene Betriebssystem einstellen wird. Ist bekannt wie weit man damit ist?
Daß der VW-Chef laut über eine Software-Kooperation nachdenkt hat bestimmt nicht ganz uneigennützige Gründe. Aber Zulieferern wie Bosch oder Continental würde eine Plattform auch entgegenkommen.
Grüße
Pano

Cornelius
Reply to  Pano
22 Tage zuvor

Mercedes ist da mit Partnerschaften mit NVIDIA und anderen ganz gut aufgestellt und braucht nicht im deutschen Schlafwagen mitzufahren. Die Leistung der IT Abteilung der letzten fünf Jahre kann sich sehen lassen. Einfach so weitermachen

MarkusGLK
Reply to  driv3r
21 Tage zuvor

„Geprüft“ ist gut aber wenig. Wenn die Probleme wirklich bis Anfang 2023 anhalten und der Absatz deswegen so zurück geht wie zuletzt im August (gegen den Trend der Mitbewerber) hat das auch gravierende Auswirkungen auf den Cashflow und somit auf weitere Innovationen.

driv3r
Reply to  MarkusGLK
21 Tage zuvor

Ähm, eine Chipfabrik bekomme ich nicht in einem halben Jahr auf die Beine gestellt? Zudem liegt der Engpass zurzeit auch eher bei den „einfachen“ Chips und nicht bei den komplexen. Von daher wäre es noch „unsinniger“ jetzt in die Fertigung von 0815-Teilen einzusteigen.
Und ja, auch 2022 wird voraussichtlich noch mit Knappheit bei allen Herstellern zu rechnen sein.

Carsten
Reply to  driv3r
21 Tage zuvor

@Driv3r: Sehe ich auch so. Für die jetzige Situation ist der Zug abgefahren. Aber man muß aus dieser Sache lernen, und wichtige Teile künftig entweder wieder selbst fertigen oder eben zumindest national, damit die Transportwege kurz sind, und man als Hersteller auch mehr Einfluss bzw. Ausweichmöglichkeiten hat. Kurz gesagt, man muß unabhängiger werden.
Und nebenbei würde es auch wieder Arbeitsplätze schaffen, wenn man hier mehr produziert. Ökologisch ist es fraglich, ob es Auswirkungen hätte, da Rohstoffe ja auch importiert werden müssen um zu produzieren.

Die Problematik mit der Chipproduktion ist ähnlich vergleichbar, wie die Pharmaindustrie ihre Medikamente z.B: in Indien hat fertigen lassen, weils eben (wieder einmal) billiger sein soll. Und das rächt sich dann in einer Krise.

MarkusGLK
Reply to  driv3r
19 Tage zuvor

Ähm, Danke in der Nachhilfe zum Thema Industriebau. Meine Bemerkungen bezogen sich eher darauf, inwieweit nicht auch eine strategische Beteiligung an Halbleiterproduzuenten vor Ort wie z. B. in München (Infineon) oder Dresden (Bosch) sinnvoll wäre, um die Abhängigkeiten aus Fernost etwas zu reduzieren.

LMK
Reply to  MarkusGLK
19 Tage zuvor

Gut, dann ist wahrscheinlich auch noch eine Nachhilfe erforderlich im Bereich: Wie schaffe ich es mich eindeutig auszudrücken.
Sorry, aber auch deine letzten Überlegungen , und das sage ich als nicht MB Mitarbeiter, entsprechen eher Kaffekränzchengesprächen.
Unternehmensberatungsniveau, um damit Geld zu verdienen, liegt wesentlich höher.
Das ist doch reine Selbstdarstellung. Nur Ego reicht leider nicht um eine Unternehmung langfristig erfolgreich zu führen.
Und als Versuch hier im blog Eindruck zu schinden, reichen deine „Ideen“ auch nicht aus.

Zuletzt editiert am 19 Tage zuvor von LMK
MarkusGLK
Reply to  LMK
19 Tage zuvor

Woher kommt der Hass und das Gepoltere?
Ich glaube, bei Ihnen läuft da Einiges daneben.
Ich betreibe weder Selbstdarstellung noch Kaffekränzchen, sondern habe passend zu dem Thread eine Frage mit aktuellem Bezug gestellt .

In welcher Funktion Sie meinen, , hier unterwegs sein zu müssen, kann ich nicht beurteilen. Auf jeden Fall kein Gruind ausfällig zu werden. Wenn Sie nicht auf der Sachebene argumentieren möchten,, dann verschonen Sie mich bitte mit dem Rest.

BWler
Reply to  MarkusGLK
19 Tage zuvor

jetzt in einer Phase , in der die Preise und die Nachfrage nach Halbleitern etc. hoch sind ,in ein Unternehmen einzusteigen, obwohl man weiß, dass in ca. 1 Jahr sich das alles wieder entspannen wird, ist betriebswirtschaftlich der größte Schwachsinn ( Geldverbrennen hoch 3 ) . Wenn die Werke in Fernost nicht mehr ( erneut ) geschlossen sind wegen delta, entspannt sich das doch alles. wieder. Das ist an der Börse wie bei Höchtstkursen zukaufen.
Zur Zeit ist eher Organisationtalent gefragt. Und unkonventionelle Beschaffungen. Natürlich auch mit allem drumherum zu wesentlich höheren Preisen. Aber zumindest nicht eine teure, langfristige Unternehmensbeteiligung zur „Unzeit“ eingekauft.

driv3r
Reply to  BWler
19 Tage zuvor

Zumal ich mich beim Bosch oder Infineon nicht wirklich sinnvoll mal eben beteiligen kann (was soll ich mit den tausend anderen Sparten, die der große Laden noch hat?).
Wenn, bräuchte es schon ein dezidiertes Tochterunternehmen mit Produktion von stark spezifizierten Bauteilen mit Wettbewerbsvorteil. Und genau das wird gerade geprüft. Inwiefern und inwieweit man dort eine stärkere Rolle spielen kann und möchte. Mit den zukünftigen Chips ist es ein wenig wie mit der Batterie-Zelle.

BWler
Reply to  driv3r
19 Tage zuvor

Danke für die Erläuterung / Info.
Ich persönlich hatte bisher nur an den zeitlich überbrückenden, ersatzweisen Einbau ( überdimensionierter ) höherwertiger, nicht so stark nachgefragter Chips gedacht. Um den Engpaßfaktor auszuhebeln. Aber so eine „Outsider“-Überlegung ist bei MB wahrscheinlich schon nach 10 sec. brainstorming auf den Tisch gekommen.

MarkusGLK
Reply to  driv3r
19 Tage zuvor

Hört sich gut an.