Der deutsch-französische Rüstungskonzern KNDS verhandelt offenbar mit Mercedes-Benz über eine mögliche Nutzung des Werks im brandenburgischen Ludwigsfelde. Nach Informationen des „Spiegel“ laufen dazu bereits erste Gespräche zwischen beiden Seiten. Im Raum steht dabei, dass der Standort künftig teilweise oder vollständig für die Produktion militärischer Radfahrzeuge genutzt werden könnte – insbesondere des Radpanzers „Boxer“.
Das Mercedes-Benz Werk in Ludwigsfelde blickt auf eine lange industrielle Tradition zurück. Der Standort wurde 1936 gegründet und gehört damit zu den ältesten Fahrzeugproduktionsstätten der Region. Seit mehr als 35 Jahren produziert Mercedes dort Transporter, aktuell insbesondere Varianten des Sprinter. Der Standort beschäftigt rund 1.600 Mitarbeiter. Mercedes-Benz plant jedoch, die Produktion der Sprinter-Baureihe schrittweise zu verlagern. Spätestens ab 2030 soll die Fertigung ins polnische Jawor verlegt werden. Damit stellt sich die Frage nach der zukünftigen Nutzung des Werksgeländes.
Für KNDS könnte Ludwigsfelde strategisch interessant sein. Der Konzern – entstanden aus Krauss-Maffei Wegmann und Nexter – baut seine Produktionskapazitäten derzeit deutlich aus. Hintergrund ist die stark gestiegene Nachfrage nach gepanzerten Fahrzeugen in Europa infolge der sicherheitspolitischen Entwicklungen. Im Zentrum der Überlegungen steht der Radpanzer „Boxer“, der in Kooperation mit Rheinmetall gefertigt wird. Angesichts potenziell großer Bestellvolumina für die Bundeswehr und andere NATO-Staaten sucht KNDS zusätzliche Produktionsstandorte. Ludwigsfelde könnte dabei eine wichtige Rolle spielen.
Nach Informationen des „Spiegel“ werden verschiedene Szenarien geprüft – von einer schrittweisen Mitnutzung des Werks bis hin zu einer vollständigen Übernahme. Offiziell äußern sich weder Mercedes-Benz noch KNDS zu den laufenden Gesprächen. KNDS bestätigt jedoch grundsätzlich den Austausch über zusätzliche Fertigungskapazitäten.
Symbolbilder: Mercedes-Benz Group AG




