Es gibt Autos, die man unbedingt ausprobieren will, – und dann gibt es Fahrzeuge wie den neuen Mercedes-Benz VLE, den man eigentlich nicht fahren muss – zumindest nicht selbst. Der VLE ist mehr ein rollendes Business-Class-Terminal. Ein elektrischer Lounge-Raum mit Stern auf der Haube. Und sorry: der Clickbait musste sein 😉
Mercedes selbst spricht beim VLE von „limousinenartigem Fahrverhalten“ kombiniert mit der Vielseitigkeit eines MPV. Klingt erstmal gut, bedeutet aber auch andersrum: möglichst wenig spüren, möglichst wenig arbeiten, möglichst wenig Auto. Im neuen VLE soll man eher genießen, und das macht man besonders im Fond. Und das kann man hier auch – bestens sogar.
Fahrer wird Administrator
Bis zu drei Displays vorne, ein gigantischer – mittels MBUX Fond-Erlebnis Paket für 5.075,94 Euro bestellbares – 31,3-Zoll-8K-Bildschirm hinten, KI-Assistenten, Video-Konferenzen, OTA-Updates, halbautonomes Spurwechseln — der VLE ist technisch schon beeindruckend. Aber all diese Technik hat eine Konsequenz: Sie macht das eigentliche Fahren nebensächlich. Der klassische Mercedes-Gedanke war einmal: „Wie fühlt sich das Auto auf der Straße an?“. Im VLE fragt man sich eher: „Wie angenehm ist der Innenraum während man unterwegs Netflix schaut?“. Ein fundamentaler Unterschied – und eine völlig neue Dimension.
Mercedes verkauft hier keinen emotionalen Fahrerwagen mehr, sondern wohl eher ein mobiles Premium-Abteil – zumindest solange man die Top-Ausstattungsvariante nimmt. Der VLE ist im Kern dann ein luxuriöser Transportcontainer für Menschen, die unterwegs möglichst vergessen möchten, dass sie überhaupt in einem Fahrzeug sitzen. Aber man beachte: sofern man das Fahrzeug mit den passenden Optionen ausstattet, was die umfangreiche Preisliste auch hergibt.
Natürlich kann der VLE technisch viel. 800-Volt-Architektur, über 700 Kilometer WLTP-Reichweite, ultraschnelles Laden, Hinterachslenkung, Luftfederung. Durchaus beeindruckend, aber faszinierend ist dann doch anders. Denn moderne Elektrofahrzeuge werden zunehmend perfekt – und dazu zählt wohl auch dieses neue Modell. Der VLE wirkt hierbei wie die Endstufe dieser Entwicklung: aerodynamisch glattgezogen, digitalisiert, akustisch isoliert und emotional steril. Ein Fahrzeug, das jedes Geräusch herausfiltert, jede Bewegung glättet und jede Interaktion automatisiert, nimmt dem Autofahren zwangsläufig genau das weg, was aber auch oft interessant macht.
Der Van für Menschen, die Vans eigentlich hassen
Besonders kurios: Mercedes versucht mit aller Macht zu vermeiden, dass der VLE wie ein klassischer Van wirkt. In den offiziellen Beschreibungen sowie in den Presseinformationen ist ständig von „Grand Limousine“, „Raumgefühl“, „Premium Lounge“ und „neuer Ära“ zu lesen. Warum? Weil Vans jahrzehntelang als vernünftige Familienkisten galten. Praktisch, aber eher dann uncool. Also macht Mercedes aus dem Van jetzt ein Luxusobjekt für Menschen, die eigentlich nie einen Van wollten. Das Ergebnis ist ein Fahrzeug in einer seltsamen Identitätskrise: zu groß für eine Limousine, zu steril für einen Roadtrip, zu luxuriös für Familienchaos, und zu digital für Menschen, die noch gerne selbst fahren. Die Assistenten kann man aber auch noch deaktivieren, wenn man dies wünscht.
Die eigentliche Zielgruppe des VLE sitzt vermutlich meist hinten – später wird das im angekündigten Maybach VLS noch deutlicher. VIP-Shuttle. Hoteltransfer. Flughafenservice. Vorstandsfahrzeug. Luxus-Transfer für Menschen mit Kalendern voller Meetings. Dafür ist der VLE vermutlich hervorragend geeignet. Nur ist das eben keine automobile Leidenschaft mehr — sondern Premium-Logistik. Und vielleicht liegt genau darin die Wahrheit dieses Autos: Der neue VLE ist kein Fahrzeug, das man fahren MUSS – aber immer noch gut kann. Er ist ein Fahrzeug, in dem man meist gefahren wird, auch wenn man selbst fahren könnte. Und das ist ein gewaltiger Unterschied.
Preise starten ab 82.259,70 Euro
Der VLE ist ab 82.259,70 Euro (vor Rabatt, inkl. 19 % MwSt.) in der Serienausstattung als „Raumwunder“ mit Advanced-Plus Paket und 5-Sitzer Komfort Variante bestellbar. – dann bereits inklusive AIRMATIC sowie Hinterachslenkung & Panoramadach Sky View mit elektrischen Schiebetüren und Heckklappe inklusive KEYLESS GO. Dann hat das Fahrzeug aber auch eine 3er Komfort-Sitzbank mit in der Ausstattungsliste. Für 82.711,90 Euro bekommt man den „Alltagsheld“ mit Sitzplatz für sechs Personen – für 82.231,94 Euro der 7-Sitzer als „Familienbegleiter“. Alle anderen handverlesenen Ausstattungsvarianten sind dann bereits in der 3,7to-zGG Gewichtsklasse – für 83.559,78 Euro der „Vielseitige“, sowie als „Innovator“ für 94.250,92 Euro mt Premium-Plus Paket oder der „Brand Exklusive“ in der EXCLUSIVE- Line als 7-Sitzer „Brand Komfort“. Details dazu hatten wir bereits hier veröffentlicht.
Bilder: Mercedes-Benz Group AG













