Mercedes-Benz „EVO II“: Faszinierender Kult-Klassiker mit DTM-DNA

Mächtige Spoiler, breite Radhäuser und ein gewaltiger Heckflügel: Der legendäre Mercedes‑Benz 190 E 2.5‑16 Evolution II gehört zu den spektakulärsten Serienfahrzeugen, die Mercedes‑Benz je gebaut hat. Anfang der 1990er-Jahre sorgt die kompromisslose Sportlimousine für Aufsehen – auf der Straße ebenso wie im Motorsport. Heute gilt der „EVO II“ als einer der begehrtesten Youngtimer der Marke mit dem Stern.

Im Mercedes‑Benz Museum in Stuttgart steht das Kultmodell derzeit im Mittelpunkt der Sonderausstellung „Youngtimer“. In der Reihe „Close-up“ wird dort ein Blick auf eines der faszinierendsten Kapitel der sportlichen Kompaktklasse geworfen.

Der Supersportler auf Basis des „190ers“

Die Grundlage des EVO II bildet der Mercedes‑Benz 190 E – das erste Kompaktmodell der Marke und intern als Baureihe 201 bekannt. Während der „Baby-Benz“ ursprünglich als hochwertige Mittelklasse-Limousine konzipiert wurde, entwickelte er sich mit den sportlichen 16-Ventil-Varianten zu einem ernsthaften Gegner im Tourenwagensport.

Der EVO II setzt dieser Entwicklung die Krone auf. Schon im Stand zeigt das Fahrzeug seine Ambitionen: breite Kotflügel, aggressive Schürzen, ein mehrteilig verstellbarer Heckflügel und große Leichtmetallräder dominieren das Erscheinungsbild. Rechts am Heckdeckel verrät die Ziffernfolge „2.5-16“ den hochdrehenden Vierventil-Motor. Dezente „Evolution“-Plaketten an den Kotflügeln kennzeichnen schließlich die exklusivste Ausbaustufe der Baureihe.

Homologation für die DTM – nur 502 Exemplare

Der EVO II ist weit mehr als ein spektakulärer Straßenwagen. Seine eigentliche Aufgabe besteht darin, die Rennversion für die Deutsche Tourenwagen‑Meisterschaft zu homologieren. Deshalb produziert Mercedes-Benz 1990 exakt 502 Exemplare der limitierten Kleinserie. Mindestens 500 Fahrzeuge schreibt das Reglement vor – zwei zusätzliche werden vorsorglich gebaut. Alle Fahrzeuge tragen die gleiche Lackierung: Blauschwarz Metallic (Farbcode DB 199).

Das Exponat im Museum trägt die Nummer 222, dokumentiert durch eine Plakette „222/500“ am Schalthebel des Fünfganggetriebes. Die Straßenversion wird so zum direkten Ableger eines der erfolgreichsten Rennfahrzeuge seiner Zeit.

DTM-Triumph mit Klaus Ludwig

Auf der Rennstrecke entfaltet der EVO II sein volles Potenzial. Im Wettbewerb wird der Wagen zum dominierenden Tourenwagen der frühen 1990er-Jahre. 1992 gewinnt der deutsche Rennfahrer Klaus Ludwig mit dem EVO-II-Rennwagen die Meisterschaft der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft. Der Rennmotor leistet damals bis zu 373 PS und dreht bis 9.500 U/min – Werte, die die Nähe zwischen Renntechnik und Straßenversion eindrucksvoll unterstreichen.

Hochdrehender Motor mit Rennsport-Genen

Unter der Motorhaube arbeitet der Vierzylinder M102 E 25/2. In der Straßenversion entwickelt er 173 kW (235 PS) bei 7.200 U/min und ermöglicht eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 250 km/h. Der Motor ist um 15 Grad geneigt eingebaut und besitzt eine kurzhubige Auslegung – eine Konstruktion, die hohe Drehzahlen und spontane Leistungsentfaltung ermöglicht. Damit rückt der EVO II technisch deutlich näher an den Rennwagen als an gewöhnliche Serienmodelle.

Sensation auf dem Genfer Autosalon

Seine Weltpremiere feiert der EVO II im März 1990 auf dem Genfer Auto‑Salon 1990. Besonders der massive Heckflügel sorgt für Aufsehen – ein Aerodynamik-Bauteil, das für ein straßenzugelassenes Auto ungewöhnlich groß ausfällt. Die Ingenieure optimieren die Aerodynamik intensiv im Windkanal. Der Flügel lässt sich über mehrere Schrauben fein einstellen, während eine teilweise abgedeckte Heckscheibe den Luftstrom verbessert. Der EVO II ist damit ein Paradebeispiel für die enge Verbindung zwischen Motorsportentwicklung und Serienproduktion.

„Römische“ Räder und markante Details

Zu den ikonischsten Elementen gehören die 17-Zoll-Leichtmetallräder im Format 8,5 × 17 Zoll mit Reifen der Dimension 245/40 ZR17. Ihr Design mit sechs massiven Speichen brachte ihnen schnell einen Spitznamen ein. Der langjährige Chefdesigner Bruno Sacco soll einmal gesagt haben, sie erinnerten ihn an Räder eines römischen Streitwagens. Seitdem sprechen Fans von den legendären „Kampfrädern“. Auch kleine Details zeigen, wie konsequent das Fahrzeug entwickelt wurde: Der Mercedes-Stern am Heck wandert wegen des großen Flügels einige Zentimeter nach unten, das Kofferschloss sitzt ungewöhnlicherweise direkt im Markenzeichen.

Sportlicher Innenraum mit Komfort

Im Innenraum verbindet der EVO II Motorsport-Atmosphäre mit klassischem Mercedes-Komfort. Sportsitze mit starkem Seitenhalt dominieren das Cockpit. Gleichzeitig bietet die Ausstattung überraschend viel Luxus für ein homologiertes Rennsportmodell: ein Schiebedach, Klimaanlage und das legendäre Becker-Radio „Grand Prix“ mit Kassettenspieler. Serienmäßig ist außerdem das Antiblockiersystem ABS an Bord.

Begehrter Youngtimer mit Kultstatus

Mehr als drei Jahrzehnte nach seiner Premiere hat der EVO II nichts von seiner Faszination verloren. Die Kombination aus radikalem Design, limitierter Stückzahl und erfolgreicher Motorsportgeschichte macht ihn zu einem der begehrtesten jüngeren Klassiker von Mercedes-Benz. Heute gilt der EVO II nicht nur als Ikone der 1990er-Jahre, sondern auch als Symbol für eine Ära, in der kompromisslose Motorsporttechnik den Weg auf die Straße fand – ein Kultklassiker mit echter DTM-DNA.

Bilder: Mercedes-Benz Group AG