Mit dem EQS von Mercedes-Benz kommt das erste Fahrzeug auf der neuen Architekturplattform für Elektrofahrzeuge. Die intern als „EVA 2“ bezeichnete Basis ermöglicht neue Ansätze in den Bereichen Bauraums und der Karosserieform. Noch vor der Weltpremiere am 15. April konnten wir bereits eine erste Mitfahrt im neuen EQS auf dem Beifahrersitz erleben.

Erster Eindruck vom EQS: Mitfahrt im künftigen Luxus-Elektroauto von Mercedes

Alle Türen öffnen und schließen auf Wunsch automatisch

Über die große Beifahrertür gelangt man sehr bequem in den Innenraum des EQS Modells. Optional sind hier die Komfort-Türen verfügbar, die auf Wunsch alle vier Türen elektrisch automatisch öffnen sowie schließen. Die Fahrertür kann sich sogar automatisch öffnen, ohne dass der Fahrer dafür selbst tätig wird. Es reicht, wenn er sich der Fahrertür annähert. Zum Schließen muss der Fahrer nach dem einsteigen kurz das Bremspedal treten – schon wird umgehend die Tür geschlossen.

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Erster Eindruck vom EQS: Mitfahrt im künftigen Luxus-Elektroauto von Mercedes

Erste Mitfahrt im EQS von Mercedes-EQ

Das erste Sitzgefühl im EQS zeigt sich leicht erhöht, was möglicherweise auf die im Unterboden verbaute Batterie zurückzuführen ist. Der Rundumblick wirkt edel. Ganz im Flair der S-Klasse sind Instrumententafel und Türen mit Leder samt Ziernaht bezogen. Ohne Frage der Höhepunkt des Interieur ist der (optionale) Hyperscreen. Schwungvoll steckt er sich quer durch den Innenraum. Wir finden, im ersten Kontakt ist das schon ein ziemlicher Wow-Effekt. Vor allem das mittige Display, wo unter anderem die Navigationskarte darstellbar ist, wirkt sehr groß. Auf dem Beifahrerplatz geht es vom Eindruck her luftig zu.

Noch großzügigere Platzverhältnisse bietet nur der Fond. Der lange Radstand von 3,21 Meter schafft an dieser Stelle genug Raum, um sich wohl zu fühlen. Was uns als Beifahrer aufgefallen war, ist die Anordnung und Neigung des Fahrerdisplays im Hyperscreen. Das Display mit den Fahrinformationen wirkte doch ziemlich stark geneigt und relativ hoch von der Position. Ob der Eindruck täuscht, müssen wir später im eignen Fahrtest prüfen.

Erster Eindruck vom EQS: Mitfahrt im künftigen Luxus-Elektroauto von Mercedes

Coupé-hafte Linie

Insgesamt zeigt der EQS eine rundlich coupé-hafte Linienführung. Bei dem Außen noch getarnten Fahrzeug ist dennoch das One-Bow Design mit kurzem Überhang vorne und hinten sowie großer und gestreckter Fahrerkabine deutlich erkennen. Die 5,21 Meter lange Elektro-Limousine steht insgesamt betrachtet stattlich da.

Den neuen EQS wird es in Leistungsstufen zwischen 245 und 385 kW geben. Eine noch stärkere Performance-Version aus Affalterbach wird außerdem später folgen. Zudem werden Heck- und Allradantrieb erhältlich sein. Die Elektromotoren des elektrischen Antriebsstrang (eATS) sind moderne permanenterregte Synchronmaschinen (PSM).

Erster Eindruck vom EQS: Mitfahrt im künftigen Luxus-Elektroauto von Mercedes

385 kW – Variante mit 4MATIC Antrieb

Wir sind auf unserer Mitfahrt im 385 kW starken EQS 580 mit Allradantrieb 4MATIC mit 855 Nm Drehmoment  als Versuchsträger unterwegs, der den Sprint auf 100 km/h in 4,3 Sekunden absolviert. Bereits nach kurzer Fahrzeit konnten wir uns einen ersten Eindruck verschaffen, wie spritzig und kraftvoll sich die neue Luxus-Elektro-Limousine fahren muss. Der Vortrieb wirkte direkt und das sicherlich nicht gerade leichte Fahrzeug wird zumindest gefühlt ziemlich locker und problemlos beschleunigt. Die Antriebsmomente des EQS werden mittels der Funktion Torque Shift zwischen Vorder- und Hinterachse intelligent und stufenlos verteilt. Damit erreicht die Leistung immer die Straße. Die Höchstgeschwindigkeit ist auf maximal 210 km/h begrenzt.

Luftfederung als Serienausstattung – cW-Wert ab 0,20

Das Fahrgefühl zeigt sich bestens und passend dazu ist auch der Eindruck der Federung. Die serienmäßige Luftfederung schluckt lästige Stöße und Unebenheiten sehr gut weg. Schlechter Fahrbahnuntergrund lässt den Aufbau kaum aus der Ruhe bringen. Dazu dringen auch fast keine anderen Dinge in den Innenraum. So sucht man ein deutliches Summen oder Surren des Elektromotors vergeblich. Auch lästige Windgeräusche sind durch die fließende Karosserieform und den ausgezeichneten cW-Wert – ab 0,20 je nach Ausstattung – ein Fremdwort für den neuen EQS. Bestleistung, die bereits der Testträger eindrucksvoll demonstriert. Ganz still ist es im Innern aber dennoch nicht. Die Fahrt wird durch die neuartige Sound Experience ergänzt. Aktiviert im Fahrzeug war die Klangwelt “Roaring Pulse”. Jede kräftige Beschleunigung bzw. der beherzte Tritt auf das Fahrpedal wurde mit einem tiefen brabbeln akustisch untermalt. Gleiches gilt für das Rekuperieren: je stärker dieses der Fall war, desto sonorer der Sound. Unser Eindruck: das Geräusch ist keinesfalls laut oder aufdringlich, sondern mehr im Hintergrund und der Klang ist mehr so unterbewusst wahrnehmbar.

EQS Reichweite bis 770 Kilometer nach WLTP – Akkugarantie bis 250.000 km

Der EQS kommt mit einer Reichweite von bis 770 Kilometer nach WLTP weit. Die Limousine besitzt eine 400-Volt-Architektur und erhält abhängig von Leistung und Antrieb (Heck oder Allrad) zwei Batteriegrößen mit nutzbarem Energieinhalt von 90 bzw. 107,8 kWh. Die Batterie besteht aus zehn oder zwölf Zellmodulen mit Pouch- oder Hardcase-Zellen. Geladen werden kann der EQS mit maximal 200 kW an Schnellladestationen (DC) mit Gleichstrom. Damit kann beispielsweise in 15 Minuten Strom für weitere 200 bis 300 km nach WLTP nachgeladen werden. Bei Wechselstrom ist das Laden mit bis zu 22 kW an der Wallbox zu Hause oder an öffentlichen Ladestationen (AC) möglich.

Die Rekuperationsleistung beim EQS liegt bei bis zu 290 kW. Ein intelligentes Thermomanagement sorgt parallel während der Fahrt dafür, das die Batterie vorgewärmt oder gekühlt werden kann und sich vor geplanten Ladestopps immer im optimalen Temperaturfenster befindet.

Navigationstest mit Electric Intelligence: Von Stuttgart nach Hamburg

Schnell geben wir im Navigationssystem eine Route von Stuttgart nach Hamburg ein. Im EQS ist die Navigation mit Electric Intelligence noch cleverer als bisher gewohnt. Zahlreiche Faktoren, wie Staus oder eine Änderung der Fahrweise fließen in die Berechnung ein und am Ende steht die schnellste und komfortabelste Route inklusive Ladestopps im Display. In unserem Fall starten wir mit fast voller Batterie (94%) und benötigen auf der geplanten 690 Kilometer langen Strecke in die Hansestadt genau zwei Ladestopps –  nach rund 275 km sowie bei rund 480 km.

Das MBUX System teilt dem Fahrer mit, das beim ersten Stopp am Schnellader für 15 Minuten von 25 auf 57 % und beim zweiten Stopp für 21 Minuten die Batterie von 10 auf 60 % geladen werden muss, um am Ziel in Hamburg anzukommen. Das klingt doch gar nicht so schlecht:  insgesamt nur 36 Minuten Pause bei einer Gesamtfahrzeit von fast 7 Stunden. Da man auf einer solchen Wegstrecke schon immer mal einen Stopp für Essen & Trinken gemacht hat, wohl auch kein Verlust. Offiziell gibt man für den EQS 580 4MATIC einen NEFZ-Verbrauch von 20,0-16,9 kWh pro 100 km an.

Erster Eindruck vom EQS: Mitfahrt im künftigen Luxus-Elektroauto von Mercedes

Weltpremiere am 15.04.2021 – Bestellfreigabe Ende Juni 2021

Im August steht der EQS bei den Händlern in Europa – die Verkaufsfreigabe erwarten wir im Juni. Weitere Fahrzeuge auf Basis der EVA 2-Plattform sind bereits in greifbarer Nähe. Als nächstes Modell folgt die Business-Limousine EQE. Danach starten die SUV-Varianten von EQS und EQE.

Bilder: © Philipp Deppe / MBpassion.de sowie Mercedes-Benz AG