Erwägt Mercedes Geely-Technologie für nächste Elektro-Generation?

Mercedes-Benz könnte bei der Entwicklung seiner nächsten Elektroauto-Generation einen bemerkenswerten Strategiewechsel vollziehen. Statt ausschließlich auf eigene Technik zu setzen, prüft der Konzern offenbar erstmals, zentrale Komponenten von seinem chinesischen Partner Geely zu übernehmen. Offiziell will Mercedes die Effizienz steigern, konkrete Entscheidungen werden jedoch noch nicht bestätigt.

Strategischer Kurswechsel bei Plattformen

Im Mittelpunkt der Diskussion steht eine neue Fahrzeugarchitektur mit dem Projektnamen „Phoenix“. Diese Plattform soll künftig als Basis für kompakte Elektromodelle dienen – ein Segment, in dem Kosteneffizienz und Entwicklungsgeschwindigkeit entscheidend sind. Brisant ist dabei vor allem eines: Die technische Grundlage könnte nicht mehr vollständig aus Stuttgart kommen. Stattdessen wird über den Einsatz der Geely-eigenen Elektronik- und Softwarearchitektur diskutiert. Diese steuert zentrale Funktionen moderner Fahrzeuge – von Assistenzsystemen bis hin zur digitalen Vernetzung. Parallel dazu zeichnet sich eine geografische Verschiebung ab. Hinweise aus Branchenkreisen deuten darauf hin, dass Entwicklungsarbeit verstärkt nach China verlagert werden könnte. Das dortige Forschungs- und Entwicklungszentrum von Mercedes würde damit deutlich an Bedeutung gewinnen. Ein solcher Schritt wäre für den Konzern ein Novum. Bislang galten deutsche Standorte als Herzstück der Plattformentwicklung.

Kostendruck zwingt zum Umdenken

Der mögliche Strategiewechsel wäre nicht überraschend. Die Automobilindustrie steht unter massivem Druck: steigende Entwicklungskosten, komplexere Softwareanforderungen und ein intensiver Wettbewerb – insbesondere durch chinesische Hersteller. Diese punkten mit schnelleren Innovationszyklen und niedrigeren Kostenstrukturen. Eine engere Kooperation mit Geely könnte Mercedes helfen, genau diese Nachteile auszugleichen und Entwicklungszeiten spürbar zu verkürzen, zumal die Chinesen Großaktionär der Stuttgarter sind.

Offiziell zurückhaltend

Offiziell bleibt Mercedes vorsichtig. Der Konzern betont zwar, kontinuierlich an Effizienzsteigerungen zu arbeiten, konkrete Entscheidungen zur Nutzung externer Plattformtechnologie seien jedoch nicht gefallen bzw. wurden auch noch nicht bestätigt. Gleichzeitig mehren sich aber die Hinweise, dass eine vertiefte Zusammenarbeit zumindest intensiv geprüft wird.

Kooperation mit Vorgeschichte

Tatsächlich wäre ein solcher Schritt keine völlige Abkehr vom bisherigen Kurs. Bereits heute arbeiten Mercedes und Geely eng zusammen – etwa bei der Marke Smart. Dort verantwortet Mercedes das Design, während Geely Entwicklung und Produktion übernimmt. Eine Ausweitung dieses Modells auf weitere Fahrzeugsegmente erscheint daher als konsequente Weiterentwicklung der Partnerschaft. Ob Mercedes künftig tatsächlich auf Geely-Technologie setzt, ist noch offen. Klar ist jedoch: Die Zeiten, in denen große Hersteller alles allein entwickeln konnten, gehen zu Ende. Für Mercedes könnte die Öffnung hin zu externen Plattformen weniger ein Risiko als vielmehr ein notwendiger Schritt sein, um im globalen Wettbewerb der Elektromobilität langfristig bestehen zu können.

Symbolbilder: Mercedes-Benz Group AG

35 Kommentare
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Hansi
1 Monat zuvor

Kürzlich hieß es noch, dass es dementiert wurde aber schön das ihr das Thema aufgegriffen habt

Adrian
1 Monat zuvor

Mercedes ist schon besser in Punkto Effizienz der Autos.

Höchstens bei der Softwareentwicklung schaden ein paar Chinesen nicht

Alexander Haupt
1 Monat zuvor

Ein weiterer Schritt in Richtung „Geely-Mercedes“ … also in Richtung Ende des eigenständigen Stern?

EQ44fahrer
Reply to  Alexander Haupt
1 Monat zuvor

Nein, der Stern ist dann nur einer von vielen auf der bekannten Roten Flagge…

harry
1 Monat zuvor

Macht den Laden dicht!!!

DMO
1 Monat zuvor

Bankrotterklärung!

Ralf
1 Monat zuvor

Läuft ja auch super mit smart…

Pano
1 Monat zuvor

Sack Reis 😉

Bulli500
Reply to  Pano
1 Monat zuvor

Mercedes folgt dem Weg von Smart.
Deshalb keine „Sack Reis“-Nachricht.

Pano
Reply to  Bulli500
1 Monat zuvor

Ach, tun die das?

Sternfahrer2
1 Monat zuvor

Also für mich persönlich wäre das ein Grund, keinen Mercedes mehr zu fahren. Es kommt aber auf den Umfang der Kooperation an: einen umgelabelten Geely zu Mercedes Preisen werde ich nicht akzeptieren. Da kann man auch gleich das Original kaufen wie Volvo oder Smart.

Sven Keller
1 Monat zuvor

Wann wird die Zentrale in Stuttgart nach China verlegt? Dann kann man den Vorstand mal durch nicht „graue“ Menschen ersetzen. Wäre höchste Zeit.

Ing. Siggi Weber
1 Monat zuvor

In Deutschland läuft doch nichts mehr, bei uns stehen alle nur noch vor Werkshallen rum und rauchen den halben Tag.

Pano
Reply to  Ing. Siggi Weber
1 Monat zuvor

Kannst gerne mitrauchen. Hab bestimmt noch ne Fluppe übrig 🙂

Hansi
Reply to  Ing. Siggi Weber
1 Monat zuvor

Aber nicht nur in den Werkshallen – in den Büros stehen sie dann dafür stunden in der Küche , Cafés und in der Kantine rum. Und im Vergleich zu denen ist der Teil, der wirklich ackert nicht so hoch

Ing. Siggi Weber
Reply to  Hansi
1 Monat zuvor

Kann ich nicht bestätigen, in den Büros wird gearbeitet.

Michael
Reply to  Hansi
1 Monat zuvor

Wir haben vor kurzem unseren Mercedes in Sindelfingen abgeholt und an einer Werksbesichtigung teilgenommen. Ich hatte den Eindruck, das alles sehr gut organisiert ist und sehr effizient gearbeitet wird.
In der Vorfertigung ist der Automatisierungsgrad sehr hoch bei über 90%.
Wir sollten den Standort Deuschland nicht immer schlecht reden sondern überlegen wie wir besser werden.

Bevor ich einen chinesischen Mercedes kaufe, gehe ich lieber zur Konkurrenz.

Kamzozo
1 Monat zuvor

So a cheaply made Mercedes then?

EQ44fahrer
Reply to  Kamzozo
1 Monat zuvor

Yeah, but of course still sold to the current horrendous pricing, what else?

Flo
1 Monat zuvor

Der neue GLB und Smart #5 ähneln sich schon jetzt sehr stark, 1mm Unterschied im Radstand….

Ralf
Reply to  Flo
1 Monat zuvor

Am Radstand würde ich das nicht ausmachen. 😉

Südhesse
Reply to  Flo
1 Monat zuvor

GLB und Smart #5 haben technisch nicht das geringste miteinander zu tun. Völlig andere Fahrzeugplattformen

Ing. Siggi Weber
1 Monat zuvor

Hier in Cannstatt beten wir bereits jeden morgen um 8:08 Uhr gen Peking.

DüdoVans
1 Monat zuvor

Also, schwieriges Thema. Automobilbau ist schon lange eine globale Sache. Teile für jedes Auto kommen aus vielen Ländern. Beim Sprinter inzwischen aus über 200, das wird bei anderen Modellen nicht anders sein. Schwierig finde ich es wenn ein fremdes Land in Form von Mentalitäten in Schlüsselpositionen das Ruder übernehmen. Jedes Land hat seine Stärken und Schwächen. Automobilbau lebt von Erfahrung, einfach bei Zulieferern Komponenten zu kaufen und zusammen zu flicken funktioniert vielleicht bei Billigmarken, nicht jedoch an der Spitze. Bestes Beispiel ist Tesla, die Kunden kommen endlich drauf. Die können es einfach nicht, oder nicht gut. Der Schlüssel liegt darin die global bestmögliche Technik harmonisch und technologisch auf höchstem Niveau zusammenzubringen. Trotzdem finde ich wichtig das ein deutsches Unternehmen auch deutsch bleibt. Also authentisch. Wenn Geely aber irgendwann prozentual technologisch die Mehrheit übernimmt sowie auch beim Kapital ist es gefährlich. Fest steht aber auch. China ist die Weltmacht, die Möglichkeit an Ressourcen sind gewaltig, warum nicht partizipieren?

Danstov Frefgold
1 Monat zuvor

Wie kann man den Aktienkurs gen 0 treiben? So könnte man den Laden von den Heuschrecken zurückkaufen und ein Deutsches Unternehmen draus machen. Denkt mal kreativ. Alles was auf den Markt gebracht wird ist ein Witz, alle Ankündigungen sind ein Hohn. Das verfolgt ein anderes Ziel. Erstmal den Laden wertlos machen. Und dann zurückkaufen für einen sehr niedrigen „Börsenkurs“

Bernhard
1 Monat zuvor

Da die europäischen Hersteller zweigleisig fahren müssen um die wachsende Enkeltrickzielgruppe zu bedienen, die den Schwenk zur Elektromobilität nicht mehr schafft und der chinesische Markt immer weniger abwirft, werden künftige Plattformen nur noch in Kooperationen finanzierbar sein.
Das sieht man ja bzgl. Verbrennern bereits an den Motorenkooperationen.

Voegpid
1 Monat zuvor

Irgendwie kann man Mercedes verstehen. Warum soll man noch in Deutsche Arbeitsplätze Investieren, wenn ich wo anders bessere und günstigere Möglichkeiten habe, was zu entwickeln und Produzieren zu lassen? Und Fakt ist einfach der Deutsche Standort mit Lohn,Energie, und Steuern ist einfach zu Teuer geworden.

Rainer
1 Monat zuvor

Kann man gleich ’nen Zeekr kaufen.

Peter C.
1 Monat zuvor

Schon vor Jahren haben Mitarbeiter aus dem Transporterwerk Ludwigsfelde und dem Motorenwerk Berlin Marienfelde (viele von denen seither bei Tesla) offen von ihrem Eindruck geredet, dass „Der Schwede Mercedes nach China verscheuert!“ Dieser Gedanke wird aktuell immer präsenter.
Mitarbeiter bei Mercedes Autohäusern, die zumindest noch zum Konzern gehören, spekulieren ganz offen, dass man die gut laufenden Autohäuser als störend bei einem Übergang an Geely / BAIC empfindet und deshalb als Ballast loswerden will.
Dann noch der Bau eines hochmodernen Verbrennungsmotor bei Geely, was allein mit Kostenvorteilen kaum zu begründen ist. Den setzen die Chinesen munter in anderen Modellen ein und machen damit mit einer deutschen Entwicklung der deutschen Marke Mercedes-Benz direkte Konkurrenz. Jetzt also möglicherweise Technik von Geely für Mercedes.
Ex-MB-Mitarbeiter sind sich auch sicher, dass der aktuelle Vorstandsvorsitzende nur deshalb nach Pleiten, Pech und Pannen noch so fest im Sattel sitz, weil die Chinesen ihn supporten und nicht fallen lassen werden, bis sie ihre Ziele erreicht haben.
Und die sind gar nicht so weit entfernt oder unrealistisch, wie mancher glauben mag.
Man muss sich nur die Aktionärsstruktur https://group.mercedes-benz.com/investoren/aktie/aktionaersstruktur/ ansehen und die aktuelle Weltlage im Nahen Osten bedenken. 2 chinesische Firmen halten schon jetzt knapp 20 % der Aktienanteile. Denken wir jetzt einfach weiter und Kuweit verkauft unter dem aktuellen Druck seine Anteile nach China und die chinesische Führung beschließt eine Zusammenführung von Geely und BAIC würde ein Einzelaktionär mit 25,24 % Aktienanteilen entstehen.
Laut Definition für Faktische Beherrschung: reicht bei geringer Präsenz der anderen Aktionäre auf der Hauptversammlung bereits ein deutlich geringerer Anteil (z. B. 20-30 %) aus, um die Kontrolle auszuüben, wenn der Aktionär damit die Hauptversammlung dominiert.
Die Gefahr ist also ziemlich real, dass ein seit 140 Jahren prägendes deutsches Unternehmen in fremde Hände fällt.
Ich hoffe der deutsche Staat ist so wach, dass das verhindert wird!

Bruno S.
Reply to  Peter C.
1 Monat zuvor

Der Staat wird gar nichts verhindern. Siehe Kuka;Linde;Putzmeister;Leoni etc…

Zuletzt editiert am 1 Monat zuvor von Bruno S.
Adnan
Reply to  Peter C.
1 Monat zuvor

es gibt nicht mal einen handlungsfähigen Deutschen Staat sondern nur die Fremdverwaltung BRD. Sehr deutlich zu sehen.

Marco
Reply to  Adnan
1 Monat zuvor

Ist der Aluhut wieder verrutscht?!?
Bitte richte ihn!!! *facepalm*

schordm
Reply to  Marco
1 Monat zuvor

Du bekennst Dich also als Gatekeeper

Joachim Li
1 Monat zuvor

Langfristig gesehen wird Mercedes zu einer Markenhülse für chinesische Technik, die dann zum zigdachen Preis und per Abos verkauft wird, was bei den entsprechenden chinesischen Modellen serienmässig ist.