Mercedes CLA in China weiterhin ein Nischenprodukt

Für Mercedes‑Benz sollte der neue CLA, speziell in seiner vollelektrischen Ausführung „CLA EQ“, ein strategischer Gamechanger werden.  Doch gerade auf dem wichtigsten Einzelmarkt für Mercedes, in China, bleibt der Erfolg bislang deutlich hinter den Erwartungen zurück.

Zahlen, die Sorgen bereiten

Nachdem der CLA in Europa einen starken Start hingelegt hat – mit über 25.000 Neuzulassungen bis Ende Februar und einer Wahl zum „Car of the Year 2026“ – hat sich das Blatt in China überraschend gewendet. Dort, wo Mercedes im Jahr 2025 mit mehr als einer halben Million Fahrzeugen einen erheblichen Anteil seines weltweiten Geschäfts erzielte, zählt der elektrische CLA nur rund 1.600 ausgelieferte Einheiten zwischen Oktober und Januar. Für ein global als Volumenprodukt angepriesenes Modell ist das ein schwerwiegendes Signal.

Mercedes‑Verantwortliche räumen ein, dass der CLA in der Volksrepublik derzeit eher ein Nischenprodukt sei – trotz einer für China speziell verlängerten Version und hoher technischer Ausstattung. „Das Premiumimage, das den CLA in Europa zum Statussymbol macht, reicht in China nicht mehr aus, um die Kundschaft zu überzeugen“, kommentierte zuletzt Oliver Thöne, Vorstand von Mercedes‑Benz China, gegenüber Mediendiensten. Und das für ein Fahrzeug, das vor allen durch seine technischen Details und Verbrauchswerten mehr als punkten kann.

Starke Konkurrenz vor Ort

Der chinesische Markt für Elektroautos hat in den vergangenen Jahren dramatisch an Dynamik gewonnen. Lokale Anbieter wie BYD, Xiaomi und andere chinesische Marken drängen mit aggressiven Preisen, schnellen Innovationszyklen und lokal angepassten Modellen auf die Kundschaft – Argumente, die oft über Prestige und Markenname gestellt werden. Daher herrscht in China ein völlig anderes Preis‑Leistungsdenken als in Europa. Analysten sehen darin einen strukturellen Wettbewerbsvorteil der einheimischen Hersteller: Sie können nicht nur günstiger produzieren, sondern bedienen zugleich spezifische lokale Bedürfnisse, was sie für viele Käufer attraktiver macht als traditionelle Luxusimporteure.

Strategischer Druck auf Mercedes

Insgesamt kämpft Mercedes mit sinkenden Verkaufszahlen und Margendruck im größten Einzelmarkt des Herstellers. Während der Gesamtabsatz von Mercedes‑Benz in China stark rückläufig ist, sollen laut Unternehmensangaben weitere Maßnahmen folgen: verstärkte Lokalisierung der Produktion, KI‑gestützte Produktfeatures und zusätzliche Modelloffensiven sind Teil der Strategie, um wieder Boden gutzumachen.  Doch auch diese Pläne stehen unter Druck: Der CLA sollte eigentlich nicht nur ein Produkt unter vielen sein, sondern ein Symbol für die neue Elektromobilität bei Mercedes – kompakt, effizient, technologisch zukunftsweisend. Dass er gerade dort, wo Mercedes am meisten verkauft, hinter den Erwartungen bleibt, zwingt den Konzern zum Nachdenken über Preisstruktur, Positionierung und Markendefinition.

Stellvertreter für größere Herausforderungen

Die Entwicklung des CLA‑Absatzes in China ist damit mehr als nur eine Absatzstatistik. Sie steht exemplarisch für den grundlegenden Wandel, den der globale Automobilmarkt derzeit erlebt: Lokale Wettbewerber erstarken, Preis‑ und Technikbarrieren verschieben sich, und selbst etablierte Luxusmarken müssen ihre Strategien neu ausrichten.

Für Mercedes‑Benz, dessen Umsatz und Gewinn stark vom chinesischen Markt abhängen, sind die kommenden Monate entscheidend. Ob der CLA mit angepassten Angeboten, Finanzierungsmodellen oder weiter optimierter Technik doch noch zum Erfolg wird – und damit ein wichtiger Baustein im globalen Comeback – bleibt offen.

Symbolbilder: Mercedes-Benz Group AG

7 Kommentare
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Bernhard
2 Stunden zuvor

Für mich keineswegs überraschend. Gute – aber im chin. Vergleich längst nicht führende – Technik in ein dermassen dröges Pummeldesign zu verpacken wie beim CLA ist im chin. Wettbewerbsvergleich kein Kaufargument. Innen tut ‚The Wall‘ ihr Übriges um die nicht unbedingt eleganten Bildschirmlandschaften der Wettbewerber besser aussehen zu lassen.

JM13
Reply to  Bernhard
1 Stunde zuvor

Wird bzw. ist das nicht mittlerweile peinlich, in China ein E-Fahrzeug eines deutschen Automobilherstellers zu erwerben? In China gibt es doch so viele gute eigene Produkte im E-Auto-Bereich. Nicht unerheblich ist auch, dass Deutschland keinen tollen Ruf international mehr hat. Warum sollte jemand in China ein deutsches E-Fahrzeug kaufen? Außer man hat in China irgendeine Beziehung zu einer deutschen Autofirma. Die deutschen Standorte in China können ihren Eigenbedarf decken und ansonsten gibt es keinen Bedarf mehr für deutsche E-Fahrzeuge in China. Innerhalb von 20 Jahren ist die deutsche Vormachtstellung in China bei den Fahrzeugen verspielt worden und verloren. Und das passiert, weil der E-Auto-Bereich immer größer wird. Die Politik und die Unternehmen haben auf einen Bereich gesetzt, wo China führend ist bzw. eine unheimliche Marktstärke hat, und haben damit ihre Marktführerschaft fahrlässig abgegeben und wundern sich jetzt. Da kann man nur sagen, weder eine Vorausschau noch einen Weitblick gehabt zu haben, setzen, 6.

Zuletzt editiert am 1 Stunde zuvor von JM13
Alexander Will
1 Stunde zuvor

Der Trabi war ja angeblich auch das bessere Produkt… Was bei den Almanns als „Non-Plus-Ultra“ und „Gamechanger“ verkauft wird, ist in China bestenfalls Durchschnitt. Da wird Jungdynamiker Thöne auch nicht viel ändern können.

JM13
Reply to  Alexander Will
1 Stunde zuvor

Thöne muss Benchmark-Produkte bekommen, die in allen Belangen besser sind als die chinesischen, ansonsten macht er sich lächerlich und ist ein Fähnchen im Wind. Nur dann ist der Aufpreis bzw. Preisunterschied eines Mercedes gerechtfertigt.

Zuletzt editiert am 1 Stunde zuvor von JM13
E - Driver
Reply to  Alexander Will
1 Stunde zuvor

China – ich kann es nicht mehr hören. Wieso wird kein fancy Produkt für China gebaut? Soll der Europäer doch den CLA nehmen wie er ist. Und in China gerne einen Smart#. Ach. Verkauft sich auch nicht. Wieso muss ein Auto alle Märkte bedienen? Da kann man doch differenzieren.
Ich bin mit meinem CLA EQ super zufrieden. Würde nie ein Chinesisches Auto kaufen. Der Chinese ist mit seinen Produkten zufrieden und würde nie ein Deutsches Auto kaufen.

Bernd
1 Stunde zuvor

Der CLA ist durchaus ein begehrenswertes Automobil. Allerdings mit mäßigem Wualitätseindruck. Mehr Sorge sollte die Wettbewerbsfähigkeit machen. Kann man ein gigantischen Premium Aufpreis rechtfertigen? Wen man sich einen XPeng oder BYD Denza anschaut ist die Antwort schnell gefunden.

Hansi
1 Stunde zuvor

Keine Sorge – deswegen wird das kompaktsegment nach China verschoben, Entwicklung und Produktion – sind dann halt in Zukunft nochmal paar Tausende Stellen weniger in Deutschland aber Hauptsache der Konzern kommt wieder an in China