Mercedes-AMG entwickelt aktuell einen elektrischen Abgasturbolader, der sich bereits in der Endphase der Entwicklung befindet und in die nächste Generation des C63 der Baureihe 206 eingesetzt wird. Der neue „eTurbo“ wurde in Zusammenarbeit mit dem Partner Garrett Motion konstruiert und stammt direkt aus der Formel 1.

Elektrischer Abgasturbolader von Mercedes-AMG

Die Zukunft von Mercedes-AMG wird elektrisch. Ein Teil dieser Entwicklung konzentriert sich auf die Kombination von hohem Wirkungsgrad und verbesserter Fahrdynamik. Als Beweis für diese Entwicklung wird in der nächsten Fahrzeuggeneration des C 63 (e 4MATIC+) mit M139 4-Zylindermotorisierung ein neuer elektrischer Abgasturbolader eingesetzt. Der Lader löst den Zielkonflikt zwischen einem kleinen, schnell ansprechenden Lader, der jedoch eine vergleichsweise geringe Spitzenleistung erzielt, und einem großen Lader mit hoher Spitzenleistung, der wiederum erst verzögert anspricht.

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Schlanker Elektromotor als Highlight des Abgasturboladers  im M139

Direkt auf der Laderwelle, zwischen dem Turbinenrad auf der Abgasseite und dem Verdichterrad auf der Frischluftseite, ist ein rund vier Zentimeter schmaler Elektromotor integriert. Dieser elektronisch gesteuerte E-Motor treibt das Verdichterrad an, bevor dieses den Abgasstrom übernimmt. Die Elektrifizierung des Turboladers verbessert das Ansprechverhalten direkt ab Leerlaufdrehzahl und über den gesamten Drehzahlbereich hinweg deutlich. Das sogenannte Turboloch – das verzögerte Ansprechen eines herkömmlichen Laders – wird durch den E-Motor eliminiert.

Die Folge: Der Verbrennungsmotor reagiert noch spontaner auf Fahrpedalbefehle, das gesamte Fahrgefühl ist deutlich dynamischer und agiler. Außerdem ermöglicht die Elektrifizierung des Turboladers ein höheres Drehmoment bei niedrigen Drehzahlen, was die Agilität ebenfalls steigert und das Beschleunigungsvermögen aus dem Stand optimiert. Auch wenn der Fahrer vom Gas geht oder bremst, ist die Technologie des E-Turboladers in der Lage, den Ladedruck stets aufrecht zu erhalten, so dass ein kontinuierlich direktes Ansprechverhalten gewährleistet ist.

eTurbo: Ansprechverhalten verbessert, Turboverzögerung eliminiert

Der neue Turbolader (eTurbo) schafft Drehzahlen von bis zu 170.000/min, was einen sehr hohen Luftdurchsatz ermöglicht und lässt sich mit einem 48-Volt-Bordnetz betreiben. Lader, Elektromotor und Leistungselektronik sind an den Kühlkreislauf des Verbrennungsmotors angeschlossen, um ein stets bestmögliches Temperaturumfeld zu schaffen.

Wir haben unsere Ziele für eine elektrifizierte Zukunft klar definiert. Um sie zu erreichen, setzen wir auf eigenständige und hochinnovative Komponenten sowie Aggregate. Hiermit ergänzen wir unseren Technologiebaukasten strategisch und auf unseren Performance-Anspruch maßgeschneidert. Dazu gehört in einem der ersten Schritte der elektrifizierte Turbolader – ein Beispiel für den Transfer von Formel 1 Technologie auf die Straße, mit dem wir aufgeladene Verbrennungsmotoren auf ein bislang unerreichtes Agilitäts-Niveau heben werden“, so Tobias Moers, Vorsitzender der Geschäftsführung der Mercedes-AMG GmbH.

Quelle: Daimler AG

20 Kommentare
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Achim
1 Jahr zuvor

Spekulationen welches Modell als erstes damit kommen soll? Black Series und GT73 stehen kurz vor der Premiere, da ist die Ankündigung sicher kein Zufall…

Daniel K.
1 Jahr zuvor

Wieviel Ladedruck kann er erzeugen?

harry
Reply to  Daniel K.
1 Jahr zuvor

Ich denke AMG GT73 4-Türer Coupé!

Stefan Camaro
Reply to  Daniel K.
1 Jahr zuvor

Könnte oder wird man?

Jules
1 Jahr zuvor

Im Prinzip macht nur der AMG GT BS wirklich Sinn. Das verzögerte Ansprechverhalten des Turbo ist bei entsprechender Boost Unterstützung seitens des E-Motors mit sofort anliegenden NM doch im Prinzip kein großes Thema ? Abgesehen davon, dass auch der bisherige M178 für einen Turbo bereits ein famoses Ansprechverhalten hat macht ein Einsatz beim AMG GT BS (der laut Moers ja sowieso eine stark modifizierte Antriebseinheit bekommen soll) aus meiner Sicht am meisten Sinn.

Später dann vielleicht auch bei den kompakten AMG mit M139..

Racer1985
1 Jahr zuvor

Ich denke, dass dieser e-Turbo bei der AMG A 45 Modellpflege oder dem AMG C 43 Nachfolger seine Premiere feiern wird. Gerade beim GT 73 e halte ich einen Einsatz für unwahrscheinlich, schließlich kann diese Aufgabe auch der große E-Motor übernehmen.

Ian
1 Jahr zuvor

Hammer Teil! Bin gespannt. Die Symbiose aus Mechanik und Elektro finde ich sehr spannend. Eventuell in neuen C63 S e 4matic+.

Fön vs. eTurbo
1 Jahr zuvor

Ein sehr interessantes Konzept!

Dadurch, dass der E-Motor direkt mit der Welle des Turbos verbunden ist, könnte sogar wie in der Formel 1 bei zu hohem Ladedruck Energie zurückgewonnen und in die Batterie gespeist werden.

Das ist schon ein Fortschritt gegenüber dem „Fön“ beim M256, der den Turbo nur etwas „anpusten“ kann.

Ist nur fraglich, ob dieses Potenzial auch genutzt werden wird.

harry
1 Jahr zuvor

Wem dieser elektronische Firlefanz glücklich macht bitte schön. Ich hätte mir lieber V8 geballer im neuen C63 gewünscht. Bitte nennt den Neuen nicht auch noch 63!

harry
Reply to  Markus Jordan
1 Jahr zuvor

Haha, oh nein!

Racer1985
Reply to  Markus Jordan
1 Jahr zuvor

Wenn der wirklich (leider!) C 63 (S) e 4MATIC heißen wird, frage ich mich was der 53 e (im kommenden SL) für ein Antrieb sein soll. Basiert der PHEV hier dann vielleicht auf dem AMG 35er?

Cris
1 Jahr zuvor

Sofern der 53er im SL das Entry Modell sein wird, wird auch dieser den M139 Motor bekommen. Der Motor wird in diverse Baureihen (E-/SL-/GT etc.) als Entry-Performance kommen.

Racer1985
Reply to  Cris
1 Jahr zuvor

Ich meinte den „53 e“. Ein 53 (ohne Zusatz) soll es beim SL nämlich auch geben. Die Basis ist aber der SL 43. Ich hatte nämlich gehofft, dass der C 63 (S) e Antrieb grundsätzlich 53 e genannt wird.
Naja, vielleicht ist der 53 e ja ein AMG PHEV um die 400 PS Systemleistung, der schlussendlich auch in der Kompaktklasse angeboten wird. Irgendwas soll hier ja ebenfalls noch kommen.

Racer1985
Reply to  Markus Jordan
1 Jahr zuvor

Was für ein Chaos. Hätte man es nicht einfach so ordnen können, egal welche Antriebsform:
– 35: bis 350 PS
– 43 (e), 45 (e): 350-450 PS
– 53 (e), 55 (e): 450-550 PS
– 63 (e): 550-650 PS
– 73 (e): ab 650 PS
(Kompakte mit Endung auf 5, weil 33 sieht komisch aus; Rest auf 3)
Würde sogar bei BEV-Modellen bestand haben können.

AMGustav
1 Jahr zuvor

Rechnet mal beim C63 e mit 320 kW und beim C63 s mit 345 kW zzgl. der 50 kW EQ-Power.

Racer1985
Reply to  AMGustav
1 Jahr zuvor

PHEV mit nur 50 kW E-Motor? Also lädt man den Akku in erster Linie für den Punch auf und nicht für rein elektrische Distanzen!?
Ich habe eher mit der Leistung der aktuellen 45er Modelle + 100 kW E-Motor gerechnet.