Mercedes GLA elektrisch: 800 Volt, 657 Kilometer – und teure Extras beim Laden

Mercedes hat die dritte GLA-Generation enthüllt und schlägt dabei erstmals in dieser Baureihe zwei Antriebswege auf einer Plattform ein.

Der neue GLA vereint erstmals in dieser Baureihe die zwei Welten der Antriebe, bekommt ein neues Innenraumkonzept mit optionalem MBUX Superscreen und erweitert sein Assistenz- und Software-Paket auf Basis von MB.OS. Karosserielich legt der GLA spürbar zu: Die Karosserie ist gegenüber dem Vorgänger 20 Millimeter niedriger, der Radstand wächst um 61 Millimeter, die hintere Spur um 31 Millimeter – insgesamt misst der neue GLA nun 4,57 Meter und ist damit 143 Millimeter länger als zuvor.
(Quelle: auto motor und sport)

Antrieb und 800-Volt-Technik

Zum Marktstart gibt es ausschließlich Elektroversionen. Das Einstiegsmodell GLA 200 elektrisch verfügt über eine 58-kWh-Batterie und leistet 165 kW, darüber positionieren sich der GLA 250+ elektrisch mit 200 kW sowie der GLA 350 4MATIC elektrisch mit 260 kW und einer 85-kWh-Batterie.
(Quelle: IAA Mobility)

Technisch bemerkenswert ist der Schritt zur 800-Volt-Architektur, die bislang größeren Baureihen vorbehalten war: Elektro und Verbrenner unter einem Dach war bislang undenkbar bei Mercedes – mit dem neuen GLA stehen beide Antriebe jetzt erstmals auf der gemeinsamen MMA-Plattform, und die 800-Volt-Technik hält damit erstmals Einzug ins Kompakt-SUV-Segment.
(Quelle: Instadrive)

Reichweite und Laden – inklusive teurer Extras

Die maximale WLTP-Reichweite beträgt bis zu 657 Kilometer, und dank der 800-Volt-Architektur kann der GLA an geeigneten Schnellladesäulen innerhalb von zehn Minuten Energie für bis zu 270 Kilometer nachladen, bei einer maximalen DC-Ladeleistung von bis zu 320 kW.
(Quelle: IAA Mobility)

Mehrere Tester loben in diesem Zusammenhang praktische Details wie den Frunk: Ladezeiten von 20 bis 22 Minuten und ein Frunk, den in dieser Klasse kaum ein Wettbewerber bietet, machen den Elektro-GLA zur starken Wahl innerhalb der eigenen Modellpalette.
(Quelle: Instadrive)

Wer genauer hinschaut, findet allerdings zwei Haken im Kleingedruckten der Aufpreisliste. Mercedes verzichtet beim Serienmodell überraschend auf die werkseitige Integration eines DC-Aufwärtswandlers – das 400-Volt-DC-Ladesystem mit bis zu 100 kW kostet 654,50 Euro Aufpreis, ist aber zwingend nötig, um an den weit verbreiteten 400-Volt-Schnellladesäulen mit voller Geschwindigkeit zu laden. Wer dieses Extra nicht wählt, muss an 400-Volt-Säulen mit extrem gedrosselter Ladeleistung rechnen oder scheitert komplett beim Schnellladen. Auch beim Laden zuhause gilt: Die AC-Ladezeit an Wallbox oder öffentlichen Säulen ist ab Werk auf 11 kW beschränkt, ein schnellerer 22-kW-Onboard-Lader kostet ebenfalls 654,50 Euro Aufpreis. (Quelle: Notebookcheck)

Hinzu kommt ein Kritikpunkt speziell beim Einstiegsmodell: Der GLA 200 elektrisch nutzt eine kleinere 58-kWh-Batterie mit LFP-Zellchemie, die maximal 445 Kilometer Reichweite bietet und bei Minustemperaturen im Winter spürbare Reichweitenverluste von bis zu 35 Prozent zeigt – die reale Reichweite im Alltag kann dadurch auf unter 300 Kilometer fallen. (Quelle: Notebookcheck)

Innenraum und Platzangebot

Der Radstand wächst auf 2.790 Millimeter, das Dach sinkt um 20 Millimeter, der Kofferraum fasst 410 Liter (plus 70) und der Frunk schluckt 107 Liter – im Fond gibt es 38 Millimeter mehr Beinraum, was nach Einschätzung eines Testers dringend nötig war, da der alte GLA hinten für Erwachsene über 1,80 Meter eine Zumutung gewesen sei.
(Quelle: schmidtisblog.de)

Kritik gibt es dennoch: Das Kofferraumvolumen von 410 Litern fällt für die Fahrzeuggröße mager aus, und wer voll ausstattet, landet schnell jenseits der 70.000-Euro-Marke. (Quelle: Instadrive)

Preise und Marktstart

Der GLA 200 startet bei 48.599 Euro, für den reichweitenstarken GLA 250+ werden mindestens 54.978 Euro fällig, das Allrad-Topmodell GLA 350 4MATIC steht ab 58.107 Euro in der Preisliste. Bestellbar ist der neue GLA seit dem 30. Juli 2026, wobei Mercedes zunächst nur die Preise der Elektroversionen kommuniziert. (Quelle: Motor1)

Zur Fahrleistung des Topmodells: Ob man den Aufpreis zum 58.108 Euro teuren GLA 350 4Matic zahlen möchte, hängt davon ab, wie wichtig einem Allradantrieb, zwei Tonnen Anhängelast und ein Sprint von 0 auf 100 km/h in 5,4 Sekunden sind. (Quelle: Autozeitung)

Ausblick auf die Verbrenner-Variante

Erst 2027 folgt die zweite Antriebssäule: Die von Mercedes als „Hightech-Hybride“ betitelten Mildhybride sollen kommen – ein neu entwickelter 1,5-Liter-Vierzylinder-Turbo soll in Verbindung mit einem 48-Volt-System und einem in das Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe integrierten E-Motor für Effizienz sorgen. (Quelle: auto motor und sport)

Einige Redaktionen weisen bereits auf die Motorherkunft hin: Der 1,5-Liter-Turbo-Vierzylinder kommt von Horse, dem Antriebs-Joint-Venture von Renault und Geely – Mercedes kauft den Motor also beim Wettbewerber ein und integriert einen 30-PS-Elektromotor ins Achtgang-DKG. (Quelle: schmidtisblog.de)

Fazit der Presseumschau

Der Tenor: technisch ambitioniert (800 Volt erstmals im Kompaktsegment, konkurrenzfähige Reichweite), aber preislich selbstbewusst positioniert – und mit einer Aufpreispolitik bei DC-Booster und AC-Lader, die den ausgewiesenen Basispreis relativiert. Wer die 800-Volt-Technik im Alltag wirklich nutzen will, kommt an den rund 1.300 Euro für beide Optionen kaum vorbei.

Bilder: Mercedes-Benz Group AG