Deutlich unter drei Metern lang, zwei Sitze, vollelektrisch und für 19.900 Euro: Mit dem neuen smart #2 will die Marke das Erbe des fortwo fortführen. Im Gespräch erklärt Wolfgang Ufer, warum erst das dritte Konzept überzeugt hat, wo er beim Preis hart geblieben ist und wie er die alte Community zurückholen will.
Warum jetzt?
Der fortwo habe gefehlt, darüber habe man intern oft gesprochen, so smart europe CEO Wolfgang Ufer. Im Hintergrund sei lange an einem Nachfolger gearbeitet worden. „Es ist das dritte Konzept, was wir jetzt hier bringen. Die ersten beiden waren nicht gut genug.“
Auch die Umsetzung sei früher nie perfekt gewesen, es habe stets Kompromisse gegeben. „Irgendwann kam der Punkt, an dem wir wirklich alles hinkriegen wollten, dann mussten wir eine eigene Plattform bauen und das ist das, was wir jetzt gemacht haben, die ECA-Plattform.“ Sie müsse beides ermöglichen, Technik und Optik. Dazu komme der technische Fortschritt der vergangenen fünf Jahre. „Das darf man nicht vergessen“, so Ufer, der als Beispiel eine neue Batterietechnologie nennt, die die Reichweite bis an die Grenze des Machbaren ausreize.
Preisdisziplin: die 19.900 Euro
Der Preis stand von Beginn an fest, und Ufer musste ihn im Haus intern verteidigen. „Ich habe das stark verteidigen müssen.“ Dass man die 19.900 Euro jetzt anbieten könne, sei geschafft, und zwar auch über die ganze Zeit. Immer wieder sei im Projekt der Wunsch nach einer größeren Batterie aufgekommen.
Dass die Kosten so streng im Blick bleiben mussten, erklärt Ufer mit der Fahrzeuggröße: „Ein kleineres Auto ist komplizierter als ein großes, weil du einfach alles in diesem kleinen Raum unterbringen musst.“ Dimension, Wendekreis, Batterie und Sicherheit müssten zusammenpassen. „Wenn du das alles unter einen Hut bringst, musst du die Kosten schon im Zaum halten.“ Bei der Sicherheit werde das Ergebnis im Crashtest-Rating für die Klasse gut ausfallen, kündigt er an.
Auf die Frage, ob deshalb beim Zweisitzer der kostenlose Service entfalle, antwortet Ufer knapp: „Wir haben jetzt eine Garantie und es ist jetzt in diesem Auto kein Servicevertrag.“ Zudem sei der Service bei einem Kleinfahrzeug ein anderer als bei einem Verbrenner.
Batterie und Laden
Warum im Stadtauto trotzdem eine größere Batterie? „Weil wir auch viele Menschen haben, die vielleicht nicht direkt bei sich laden können.“ Wer am Samstag zum Supermarkt fahre, könne dort anstecken und nachladen. Am Schnelllader sind laut Ufer nach rund 20 Minuten mindestens 80 Prozent erreicht. Die Reichweite der Batterie reicht in den meisten Usecases in der City.
Was der smart mitbringen musste
Auf die Frage nach den Muss-Kriterien nennt Ufer die Größe und den Wendekreis, außerdem eine Reichweite, die im Alltag funktioniert, schnelles Laden und hohe Sicherheit. All das solle in einem „wunderschönen Design“ stecken. Ihm sei wichtig, dass man den Wagen sofort als Nachfolger des fortwo erkenne, ihn aber nicht als Retro-Auto empfinde. Auch im Innenraum fällt der Fortschritt auf: Sichtbarer Kunststoff ist kaum noch zu finden, der Eindruck ist deutlich wertiger als beim Vorgänger.
Konkurrenz? „Das ultimative Stadtauto“
Ein direktes Konkurrenzmodell sieht Ufer nicht. „Wir sehen – und das ist nicht arrogant gemeint – jetzt hier keine Konkurrenz, weil wir deutlich unter 3 Meter sind.“ Seine Begründung: „Wir sind im Prinzip das ultimative Stadtauto.“ Wer einen smart fahre, habe ein anderes Bedürfnis, als vier Leute zu transportieren.
Die Nachfrage verortet er vor allem in Südeuropa, in Lissabon, Barcelona, Madrid, Athen und auf Kreta. Auch in Paris und Rom ist der fortwo bis heute stark vertreten.
Verkaufsziele und China-Signal
Genaue gewünschte Absatzzahlen nennt Ufer nicht. „Da kommunizieren wir nicht darüber.“ Als persönliche Ambition formuliert er aber, an alte Erfolge anzuknüpfen, diesmal rein elektrisch: „Die alten Zahlen, die müssen wir schon sehen.“
Zweifel am Projekt, gerade in China, habe es nicht gegeben. „Sobald sie verstanden haben, was der eigentlich ist, waren die genauso motiviert.“ Aus China kam zudem ein starkes Signal: Die Couture Edition mit 999 Einheiten war binnen kurzer Zeit ausverkauft. Dort werde das Auto eher als Fashion-Objekt gesehen: „Man hat das Gefühl, dass sie das eher als Fashionobjekt sehen.“. Aber auch in Europa scheint man zu punkten- auch hier ist die Edition bereits vergriffen.
Zielgruppe: erst die Community
Zuerst will smart die alten Fahrer zurückholen. „Zuerst und allererst, deswegen sagen wir, it’s back, wollen wir die wieder erreichen, die eigentlich darauf warten“, so Ufer. Darüber hinaus sehe er „eine Chance, vielleicht ganz neue [Kunden] zu finden, die den alten so gar nicht miterlebt haben“.
smart Times und Community-Formate
Auf die Frage, ob die „smart Times“ zurückkehren, reagiert Ufer offen: „Ich finde es eine gute Idee, da müssen wir alle zusammen etwas machen.“ Es müsse ein echtes, eigenständiges Treffen sein und kein Anhängsel eines Festivals. „Da habe ich schon richtig Bock drauf.“ Als Zeitpunkt nennt er den Herbst des nächsten Jahres: „Wenn wir zum Herbst nächsten Jahres sagen: Hey, wir haben alle richtig Spaß. Dann bin ich ja voll dabei.“. Ein Nein klingt anders.
Auch Ausfahrten an zentraleuropäischen Orten wie Zell am See kann er sich vorstellen: „Das können wir als Marke auch machen.“ Konvoifahrten seien zudem in China „ein Riesending“. Außerdem möchte er etwas mit Clubs und der Community auf die Beine stellen: „Wir können ja mal was für die Community machen.“ Das sei aber erst möglich, wenn die Autos da sind, also im Frühjahr.
Bilder: smart







