Der Autobauer Daimler will wohl deutlich mehr Stellen abbauen, als bisher bekannt. Geht es nach aktuellen Aussagen von Personalvorstand Wilfried Porth, gibt es zwar keine konkrete Zahl der gefährdeten Arbeitsplätzen, die bisher diskutierten „10.000 oder gar 15.000“ Stellen sollen aber nicht genug sein.

 

Bis zu 15.000 Arbeitsplätze sind nicht genug

Die bisher in der Öffentlichkeit diskutierten 10.000 oder 15.000 Arbeitsplätze, die in Gefahr sind, sind wohl nicht genug: „Die neue Zahl ist auf jeden Fall größer als die beiden..“ – so Porth gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.“- ..und die bräuchten wir, um betriebsbedingte Beendigungskündigungen zu verhindern.„. Porth selbst warf dem Betriebsrat sogar mangelndes Entgegenkommen vor.

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Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht warnte davor, den Wandel in der Branche gegen die Beschäftigten durchzuführen: „Auch dem Vorstand muss klar sein, dass der Wandel mit der Belegschaft gelingen muss, nicht gegen sie„.

Verschärfung des Sparprogramms erfolgt

Geht es nach den Aussagen von Vorstandschef Ola Källenius auf der Hauptversammlung am vergangenen Mittwoch, muss das seit Herbst aufgelegte Sparprogramm sogar noch verschärft werden. Bislang waren die Einsparungen eine Vielzahl von Maßnahmen, u.a. auch Einsparungen im Personalbereich in Höhe von 1,4 Milliarden Euro. Personalvorstand Porth bezeichnet die Zahl nun als „Basis„: „Jetzt wird die Zahl definitiv größer„.

Daimler setzt auf Fluktation, Altersteilzeit und Abfindung

Daimler selbst setzt aktuell vor allen auf Fluktation, Alterstzeilzeit oder gar Abfindungsangebote, welche bislang ausschließlich auf die Verwaltung gezielt hatten. Nach Angaben von Porth könne es aber nun auch sein, das man einzelne Produktionsbereiche mit einbezieht, in denen es Überkapazitäten gibt. Rund 700 Mitarbeiter haben bislang das Angebot angenommen, parallel gibt es Gespräche darüber, den IT-Service an externe Firmen auszulagern, was rund 2.000 Stellen zur Diskussion bringen würde.

„Zukunftssicherung 2030“ plant keine betriebsbedingten Kündigungen bis 2030

Aufgrund der „Zukunftssicherung 2030“ gibt es bis Ende des Jahrzehnts keine betriebsbedingten Kündigungen. In der Zukunftssicherung ist jedoch auch vereinbart, das neu verhandelt wird, wenn sich wirtschaftliche Rahmenbedingungen signifikant ändern. „Die Zukunftssicherung beschreibt den Weg, den man gemeinsam geht, um Beschäftigung zu sichern„, so Porth – und weiter: „Bei veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen beschreibt sie aber auch den Weg, der am Ende zu betriebsbedingten Kündigungen führen kann, ohne dass es eine Kündigung der Vereinbarung bedarf„.

Der Gesamtbetriebsrat Michael Brecht lehnt im Interview mit der „Stuttgarter Zeitung“ Gehaldseinbußen, wie Kürzungen des Weihnachtsgeldes ab: „Wenn man Strukturen ändern will, weil man zu viele Leute im System hat, hilft es doch nichts, wenn man das Weihnachtsgeld kürzt„. Durch den aktuellen Nachfrageeinbruch werde es „über viele Jahre hinweg“ eine Unterauslastung der Werke geben, wodurch die Fachkräfte für den nächsten Jahre für den nächsten Aufschwung gehalten werden müssten.

Der Gesamtbetriebsrats Brecht verwies auf eine Arbeitszeitverkürzung, wie sie schon in der Wirtschaftskrise 2008/2009 vereinbart worden sei. Doch hier müsse es einen teilweisen Lohnausgleich für eine auf ein Jahr befristete Reduktion der Arbeitszeit geben.

Symbolbild: Daimler AG

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Helge
1 Jahr zuvor
Snoubort
1 Jahr zuvor

Ein wirklich richtiger Satz ist hier zu finden: “Wenn man Strukturen ändern will, weil man zu viele Leute im System hat, hilft es doch nichts, wenn man das Weihnachtsgeld kürzt“.
Genauso wenig, wenn man Rückstrahler, Birnen und Chrom einspart.

Helge
Reply to  Snoubort
1 Jahr zuvor

Ja, vorallem: Wenn ich als Hersteller das Problem habe, daß ich zu wenig meiner Produkte verkaufe, dann muß ich zum Einen schauen, daß ich die Produkte attraktiver mache (also Dinge biete, die die Konkurrenz nicht hat) und der Preis muß stimmen.

Und wenn ich dann beispielsweise einen GLA 250e für 45000 Euro anpreise, dann habe ich zwar (wenn Kunden diesen für dieses Geld tatsächlich kaufen), pro Auto vielleicht mehr Gewinn, aber ich verkaufe auch weniger Fahrzeuge. Denn nicht jeder hat oder möchte eben dieses Geld ausgeben.
Wenn ich aber das Auto günstiger verkaufe, verkaufe ich vielleicht mehr Autos, habe aber pro Auto natürlich eine geringere Marge.

Und angesichts dessen finde ich es schon betriebswirtschaftlich seltsam, daß man in einer solchen Situation, wo man sinnbildlich „mit dem Rücken zur Wand steht“ die Produkte zu einem stolzen Preis vermarkten muß. Nun werden vielleicht Einige sagen: Ja, das Geld brauche ich, um die vielen Löhne und andere Fixkosten zu bezahlen, sowie die Aktionäre (Dividende) usw. Ja, alles richtig.
Aber dann muß ich die Fixkosten senken – vielleicht auch beim Personal sparen, aber vielleicht auch darüber nachdenken, ob der Preis noch (gerade in der Krise) gerechtfertigt ist, wo bei den Leuten das Geld nicht mehr so locker sitzt. Da muß man sicher an verschiedenen Stellschrauben drehen und nicht nur beim Personal, auch wenn das ein großer „Fixposten“ (betriebswirtschaftlich gesehen) ist.
Aber wenn beim Produkt gespart wird, dann passiert das ja oft so, daß der Preis der gleiche bleibt, aber das Material oder die Ausstattung wird schlechter. Das ist natürlich auch der falsche Weg. Denn das fällt Einem dann über kurz oder lang wieder auf die Füße, weil die Kunden dann unzufrieden sind, und beim nächsten Mal ein anderes Auto vielleicht kaufen.

Duke
1 Jahr zuvor

Mercedes verliert den Anschluss die Zukunft der Elektromobilität gnadenlos verschlafen. Jetzt wird versucht zu retten was zu retten ist das wird schwierig für nicht aussichtslos. Der Vorsprung ist schon zu Groß.
Ole wird 2021 nicht mehr der Daimler Chef bleiben.

BenSC
1 Jahr zuvor

Warum nutzt man nicht erstmal das Mittel der Kurzarbeit weiter aus, wenn die neueren besonderen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen doch auch auf Effekten der Coronakrise basieren?

Snoubort
Reply to  BenSC
1 Jahr zuvor

Hat nix mit Corona zu tun, denn die Mitarbeiteranzahl wird ja nicht auf den Umsatz eines einzelnen Jahres abgestellt… (Kurzarbeit wurde / wird ja auch für die temporäre Delle genutzt).
Corona würde höchstens einzelne Neueinstellungen verschieben…

Nai
1 Jahr zuvor

Ola 2021 weg. Also male nicht gleich den Teufel an die Wand. Er bleibt 3 Jahre an der Spitze und danach kommt es zu einer Vertragsverlängerung oder eben nicht.

Kannst dich bei der Regierung für das alles bedanken.

harry
Reply to  Nai
1 Jahr zuvor

Ola war Entwicklungs-Vorstand in der Ära Zetsche. Also mehr als 100% in der Verantwortung!!!

Erik
Reply to  harry
1 Jahr zuvor

Sehe ich ebenso.
Auch war er Entwicklungsvorstand als das Dieselthema hochgekocht ist.
Was ist passiert? Er wurde Konzernchef.

Tom
1 Jahr zuvor

Dann kann man auch so Typen wie Vorstand Schäfer abfinden und verabschieden.
Auf Teufel komm raus ein PKW Werk in Brasilien sowie Jawor gebaut, beide waren überflüssig. X-Klasse zusammen mit Zetsche als Spielzeug durchgedrückt: überflüssig.
Milliarden versenkt – nichts gebracht.

Zetsche hat komplett verpennt wohin man die Firma ausrichten muss. Dafür hat er jede Woche ein neues Startup gekauft oder finanziert. Der Fisch stinkt bei dieser Firma sowas vom Kopf her, mehr geht garnicht.
Porth wurde Vans endlich weggenommen, nachdem er Milliarden versenkt hatte und nichts mehr gebacken bekommen hat. Leider büßen das jetzt wie so oft die Angestellten.

Nachzulesen: bspw. im ManagerMagazin im Premiumteil, aber auch anderen einschlägigen Wirtschaftsforen.

Und dann baut man auch noch den ATS im teuersten und betriebsratstärksten Werk – in UT.

Hausgemachte Probleme – allesamt.

Ergänzend muss der Betriebsrat einsehen, dass mit der aktuellen Anzahl an Personal die Firma komplett überfüllt ist vor dem Hintergrund der Transformation in eMobility, Digitalisierung etc… Aber das einzugestehen würde ein BR nie zugeben. Lieber geht die ganze Firma unter als dass man 15/20000 abfindet.

Ron
1 Jahr zuvor

Der BWLer als Chef, der in Zeiten des nie dagewesenen technologischen Umbaus nie dagewesene Summen einsparen möchte.

Das wird nichts Ola 🙂

BEV
1 Jahr zuvor

E-Antrieb kommt vom Zulieferer, Smart aus China, vieles wird in Kooperation gelöst, da braucht man bald nur noch halb so viele Menschen in vielen Bereichen.

Pano
1 Jahr zuvor

Es wäre evtl eher im Interesse der Mitarbeitenden wenn sich die Herren Porth und Brecht nicht über die Presse beharken würden, sondern sich auf die vermutlich schwierigen Verhandlungen konzentrieren würden. Schließlich geht es um nichts weniger als um die Frage wieviel Personal den Konzern verlassen soll und ob dies auch über betriebsbedingte Kündigungen sein muß. Der Respekt gegenüber den Menschen beim Daimler gebietet es das intern zu verhandeln und erst dann vor die Presse zu treten wenn es ein Ergebnis gibt. Alles andere ist nur nerviges Ringen um die Deutungshoheit.
Grüße
Pano

Hr.Schmidt
1 Jahr zuvor

Ich gehe mal davon aus, dass du nicht dazugehörst. Die Mitarbeiter kennen alle im Detail den Wortlaut der Statements der Beiden. Kommunalpolitisch ist das schon o.k., wenn ein GBR Brecht gleich offiziell einen „Anker“ wirft. Es gibt genug Erfahrungen im BR mit solchen Situationen, da sitzen excellente Mitarbeiter.
Urteile also bitte nicht über Respekt etc., wenn dir die notwendigen internen Details fehlen und ggf. auch nicht bekannt werden.

Pano
Reply to  Hr.Schmidt
1 Jahr zuvor

Stimmt, ich gehöre nicht dazu. Aber ich kann mir gut vorstellen, daß es einige beim Daimler gibt die diese Verhandlungen mit einem mulmigen Gefühl beobachten.
Ich gehe auch davon aus, daß im BR viele gescheite Leute hart daran arbeiten das Beste für die Belegschaft herauszuholen.
Gerade dann finde ich es aber umso wichtiger wenn beide Seiten jetzt mal die Öffentlichkeitsarbeit ruhen lassen und sich darauf konzentrieren ein konstruktives Ergebnis zu erzielen.
Im Betriebsverfassungsgesetz ist schließlich formuliert, daß Arbeitgeber und BR vertrauensvoll zusammenarbeiten müssen. „Streitgespräche“ über die Presse sind mE damit eher nicht gemeint.
Grüße
Pano