Wo steht im Mercedes-Benz Museum ganzjährig der Adventskalender ? Eher überraschend in der Dauerausstellung im Raum „Collection 2: Galerie der Lasten“: er ist ein LP 1513, der in den 1970er Jahren als Heizöllaster unterwegs war.

Aufgrund der zahlriechen Klappen an der Front, sowie weitere unter anderem innen im Fahrerhaus kommt die Konstruktion der ganzen Lastwagenfamilie der „kubanischen Frontlenker“ zu ihrem adventlichen Spitznahmen. So viele Türen, wie bei einem echten Adventskalender gibt es hier zwar nicht – und Schokolade oder Bausätze sind natürlich auch nicht dahinter zu erwarten. Aber was steht den nun hinter den Türen ?

Anzeige:

Der 1974 gebaute Heizöl-Tankwagen im Mercedes-Benz Museum gehört zur 1965 eingeführten mittelschweren Baureihe der Nutzfahrzeuge mit sogenanntem kubischem Führerhaus. Es gibt diese Lastwagengeneration mit dem Stern auch in leichter Bauweise (ebenfalls ab 1965 – als erste Produkte des damals neuen Werks in Wörth) und bereits seit 1963 in schwerer Ausführung. Optisch sind die drei Klassen unter anderem an der Scheinwerferposition zu unterscheiden: Bei den leichten „Adventskalendern“ füllen sie die gesamte Kühlergrillhöhe aus, bei den mittleren die untere Hälfte, und die schweren Nutzfahrzeuge tragen die Scheinwerfer unterhalb des Kühlers.

Im Kühlergrill des Heizöl-Tankwagens verbergen sich die drei prominentesten Türchen dieses „Adventskalenders“. In der Mitte öffnet sich eine unten angeschlagene Klappe, hinter der unter anderem der Kühler mit Nachfüllstutzen für das Kühlwasser zu erreichen ist. Links und rechts davon geben Türen mit senkrecht stehenden Scharnieren den Zugriff auf die Scheinwerfer – beispielsweise zum Leuchtmittelwechsel – und die Lüftungsklappen zum Innenraum der Kabine frei. Den Motor und den Einfüllstutzen für das Öl erreicht der Kraftfahrer hingegen innerhalb der Kabine: Dort befindet sich eine Serviceklappe auf dem Motortunnel zwischen den Sitzen.

Der Tradition von Mercedes-Benz entsprechend, tragen die verschiedenen Varianten das Kürzel „LP“ vor der Ziffernfolge der Typbezeichnung. „L“ steht dabei für Lastwagen und „P“ (abgeleitet von „Pullman“) für einen Frontlenker. Auf 15 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht und rund 130 PS Motorleistung verweist die Ziffernkombination 1513 des Exponats im Mercedes-Benz Museum im Raum Collection 2: Galerie der Lasten. Exakt sind es 96 kW (131 PS) aus einem Reihensechszylindermotor mit 5.675 Kubikzentimetern Hubraum.

Ergonomisch und ästhetisch weisen die kubischen Frontlenker klar in die Moderne. Ihre technische Konzeption folgt teilweise aber auch klassischen Konzepten. Das gilt insbesondere für die am Anfang fehlende Kippfunktion des Führerhauses. Das ist der Grund dafür, dass die diversen Aggregate über zahlreiche Klappen zugänglich gemacht werden.

Die Produktion der kubischen Mercedes-Benz Frontlenker läuft Mitte der 1980er-Jahre aus, zuletzt werden nur noch die leichten Typen gebaut. Das Prinzip der über das Fahrerhaus verteilten Wartungsklappen hat sich da allerdings schon längst überlebt, denn bereits die späten „Adventskalender“ werden mit kippbarem Führerhaus angeboten. Und in folgenden Baureihen wie der ab 1973 produzierten „Neuen Generation“ (NG) sind die neigbaren Kabinen dann von Beginn an Standard. Sie lassen sich hydraulisch nach vorn kippen und erlauben so einen komfortablen Zugriff auf die Technik. Der LP 1513 wird von 1967 bis 1976 in 9.406 Einheiten gebaut.

Bilder/ Quelle: Daimler AG