Die Transformation zur Elektromobilität bleibt für viele Autohersteller eine der größten Herausforderungen der vergangenen Jahre. Besonders im Premium- und Performance-Segment zeigt sich, dass leistungsstarke Elektrofahrzeuge längst nicht überall auf die erhoffte Begeisterung stoßen. Offenbar sorgt das Thema inzwischen sogar innerhalb von Mercedes-Benz für deutliche Spannungen.
Medienberichten zufolge soll ein hochrangiger Mercedes-Manager den elektrischen AMG GT 4-Türer intern ungewöhnlich scharf kritisiert haben. Demnach habe er erklärt, das Modell hätte niemals entwickelt werden dürfen. Gleichzeitig sei das Projekt jedoch bereits so weit fortgeschritten gewesen, dass ein Stopp wirtschaftlich nicht mehr möglich gewesen sei. Ein entsprechendes Zitat erfolgte zuletzt im Manager Manager, kam aber ursprünglich von The Autopin: …dieses Auto „hätte gar nicht erst existieren dürfen„..und .“zu spät gewesen, es noch zu stoppen„.
Milliardeninvestitionen trotz wachsender Zweifel
Die Entwicklung elektrischer Hochleistungsmodelle gilt als kostspielig. Für die AMG-Elektroplattform sollen Investitionen in Milliardenhöhe angefallen sein. Noch deutlich höher sollen die Ausgaben für die Entwicklung der EQ-Baureihe ausgefallen sein, mit der Mercedes seine Position im Premium-Elektromarkt stärken wollte. Demnach sollen für den EQS sowie den EQS SUV – den Berichten zufolge – rund fünf Milliarden Euo Entwicklungskosten angefallen und maßgeblich von Mercedes-Chef Ola Källenius angetrieben worden sein. Nach den Absatzrückgang der EQ-Modelle von 90 Prozent im Jahr 2024 war aber „schon damals klar, dass diese Autos die größten Fehlschläge in der Unternehmensgeschichte waren„, – so der zitierte Manager.
Die Strategie entstand in einer Phase, in der der Erfolg von Tesla die gesamte Automobilbranche unter Druck setzte. Viele Hersteller beschleunigten ihre Elektrifizierungspläne, um im Wettbewerb nicht den Anschluss zu verlieren. Auch Mercedes setzte damals konsequent auf eine eigenständige Elektro-Modellfamilie und wollte damit an Tesla anschließen.
Absatzentwicklung erhöht den Druck
Nach Berichten über einen deutlichen Rückgang der Verkaufszahlen der EQ-Modelle soll intern die Erkenntnis gereift sein, dass die ursprüngliche Elektrostrategie ihre Ziele nicht erreicht hat. Die Nachfrage blieb hinter den Erwartungen zurück, wodurch die milliardenschweren Investitionen zunehmend kritisch bewertet werden.
Für Mercedes bedeutet das jedoch keinen vollständigen Abschied von der Elektromobilität. Stattdessen dürfte der Hersteller künftig stärker auf eine flexiblere Modellstrategie setzen, bei der Elektro- und Verbrennerfahrzeuge parallel entwickelt werden. Damit könnte das Unternehmen schneller auf die tatsächliche Marktnachfrage reagieren.
Kurskorrektur statt Kehrtwende
Die aktuelle Diskussion zeigt, wie schwierig der Wandel im Premiumsegment bleibt. Hohe Entwicklungskosten, unsichere Nachfrage und veränderte Kundenwünsche zwingen selbst etablierte Hersteller dazu, ihre langfristigen Strategien regelmäßig zu überprüfen. Mercedes dürfte daher künftig verstärkt auf Fahrzeuge setzen, die unterschiedliche Antriebskonzepte ermöglichen, anstatt sich ausschließlich auf reine Elektroplattformen zu konzentrieren. Die internen Stimmen verdeutlichen, dass der Weg zur Elektromobilität auch innerhalb der Branche längst nicht so unumstritten ist, wie es nach außen häufig erscheint.
Symbolbilder: Mercedes-Benz Group AG






