Mercedes-Benz weitet seine langjährige Kooperation mit dem taiwanesischen Batterieentwickler ProLogium aus. Dabei erhalten die Stuttgarter bevorzugten Zugang zur neuesten Zellgeneration des Unternehmens und will diese nun in umfangreichen Tests auf ihre Praxistauglichkeit prüfen.
Neue Zellchemie im Fokus
Im Zentrum der Vereinbarung steht ProLogiums sogenannte Gen4-Zelle, eine als „Superfluidized Inorganic Next-Generation Lithium Ceramic Battery“ bezeichnete Feststoffbatterie. Mercedes will die Zellen sowohl in eigenen Prüfeinrichtungen als auch bei spezialisierten externen Instituten elektrisch, thermisch und sicherheitstechnisch untersuchen lassen. Eine Entscheidung über einen möglichen Serieneinsatz ist damit ausdrücklich noch nicht gefallen – zunächst soll geklärt werden, ob sich die Technologie grundsätzlich für künftige Modelle des Herstellers eignet.
ProLogium wirbt bei der Gen4-Generation mit hoher Energiedichte, Schnellladefähigkeit, starker Leistungsabgabe und guten Eigenschaften bei niedrigen Temperaturen. Als sicherheitsrelevante Merkmale nennt das Unternehmen einen nicht brennbaren, rein anorganischen Elektrolyten, keramische Separatoren sowie ein eigenes aktives Sicherheitskonzept. Konkrete Zahlen zu Energiedichte oder Ladeleistung der nun getesteten Zellen hat ProLogium bislang nicht veröffentlicht.
Partnerschaft mit langer Vorgeschichte
Die Zusammenarbeit reicht bereits bis ins Jahr 2016 zurück. 2022 stieg Mercedes zusätzlich mit einem hohen zweistelligen Millionenbetrag als Investor bei ProLogium ein und vereinbarte eine gemeinsame Zellentwicklung – bereits damals mit der Aussicht, die Technologie später in ausgewählten Modellen einzusetzen. Seither wurde die Partnerschaft schrittweise vertieft: Nach Angaben von ProLogium wurden im Rahmen der Kooperation unter anderem Pouch- und prismatische Zellformate sowie eine Bipolar-Bauweise erprobt. Mercedes ist weiterhin als strategischer Investor engagiert und mit einem eigenen Vertreter im Board of Directors des Zellherstellers vertreten.
Die Feststoffbatterie-Strategie von Mercedes stützt sich jedoch nicht allein auf ProLogium. Bereits 2021 investierte der Konzern auch in das US-Unternehmen Factorial Energy und ging dort ebenfalls eine Entwicklungspartnerschaft ein. Die aktuelle Testvereinbarung mit ProLogium ist somit Teil eines breiter angelegten Technologieportfolios und keine Festlegung auf einen einzigen Zellansatz.
Produktion zwischen Taiwan und Nordfrankreich
Bislang stellt ProLogium seine Zellen vor allem in der Taoke-Gigafactory in Taiwan her. Dort hat der Hersteller eigenen Angaben zufolge eine Fertigung im Gigawattstunden-Maßstab validiert und produziert unter anderem C-Muster sowie Zellen für Demonstrationsfahrzeuge.
Parallel dazu treibt ProLogium den Aufbau einer europäischen Fertigung voran. Im nordfranzösischen Dünkirchen entsteht dazu eine Gigafactory, deren erste Ausbaustufe eine Jahreskapazität von vier Gigawattstunden erreichen soll – dieses Ziel will das Unternehmen bis 2030 schrittweise umsetzen. Langfristig ist für den Standort ein Ausbau auf bis zu 44 Gigawattstunden pro Jahr vorgesehen.
Für Mercedes ist das Testabkommen nicht nur aus technischer Sicht relevant, sondern auch mit Blick auf eine mögliche europäische Lieferkette für Batteriezellen. Sollte sich die Gen4-Technologie in den anstehenden Prüfungen bewähren, könnte ProLogium dem Autobauer perspektivisch Zellen aus europäischer Produktion liefern. Einen konkreten Zeitplan für einen etwaigen Serieneinsatz oder betroffene Fahrzeugplattformen nennen beide Unternehmen bislang nicht.
Bilder: ProLogium



