Mercedes-Benz rechnet für das laufende Geschäftsjahr mit einer spürbar schwächeren Profitabilität als bislang geplant. Der Autokonzern korrigierte heute überraschend seine Jahresziele nach unten und begründete dies mit der angespannten Lage auf dem chinesischen Markt sowie mit höheren Kosten im Schlussquartal, insbesondere für Material.
Marge im Pkw-Geschäft sinkt
Konkret passt Mercedes-Benz die Erwartung für die bereinigte operative Rendite im Geschäft mit Personenwagen an. Sie soll 2026 nur noch zwischen 2 und 3 Prozent liegen, bislang waren 3 bis 5 Prozent in Aussicht gestellt worden. Die Kennzahl gibt an, welcher Anteil des Umsatzes als Gewinn beim Unternehmen verbleibt, und gilt am Kapitalmarkt als zentraler Gradmesser für die Ertragskraft der Marke mit dem Stern.
Auch beim Konzernergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) ist die Zuversicht geschwunden. Es soll nun lediglich das Vorjahresniveau erreichen, zuvor war ein deutlicher Anstieg erwartet worden. Dieser hatte als naheliegend gegolten: Im Vorjahr hatte Mercedes erhebliche Aufwendungen für den Stellenabbau verbucht, die 2026 entfallen.
Weniger Spielraum für Aktienrückkäufe
Eingetrübt haben sich zudem die Aussichten für den Free Cashflow im Industriegeschäft, also ohne Finanzdienstleistungen. Er soll nun „deutlich“ unter dem Vorjahreswert liegen, bislang war nur von einem „leichten“ Rückgang die Rede. Für Investoren ist diese Größe von besonderer Bedeutung, da Mercedes nach der regulären Dividende verbleibende Mittel regelmäßig für Aktienrückkäufe einsetzen will. Ein geringerer Mittelzufluss könnte damit den Spielraum für solche Programme begrenzen.
Drittes Quartal: Ebit mehr als verdoppelt, Cashflow verfehlt Erwartungen
Gemeinsam mit der Prognoseanpassung legte der Konzern vorläufige Eckdaten zum dritten Quartal vor. Danach flossen aus dem Fahrzeuggeschäft 172 Millionen Euro an freien Finanzmitteln zu. Von Analysten erwartet worden waren im Schnitt 422 Millionen Euro.
Das Ebit stieg auf 1,77 Milliarden Euro, nach 750 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Der starke Anstieg ist jedoch vor allem auf einen Basiseffekt zurückzuführen: Im dritten Quartal 2025 hatten hohe Sonderbelastungen, vor allem für den Stellenabbau und für Rechtsstreitigkeiten, das Ergebnis gedrückt.
Bereinigt um Sonderposten erreichte die operative Marge im Pkw-Geschäft im Berichtszeitraum 2,5 Prozent. Ein Jahr zuvor waren es 4,8 Prozent, die Rendite hat sich also nahezu halbiert. Vergleichsweise robust zeigte sich dagegen die Transportersparte: Im Geschäft mit Vans blieben von 100 Euro Umsatz rund 9,40 Euro als operativer Gewinn hängen. Detaillierte Quartalszahlen, darunter den Nettogewinn, will Mercedes-Benz am Mittwoch veröffentlichen.
Symbolbilder: Mercedes-Benz Group AG




