Mit dem DRIVE PILOT führt Mercedes-Benz zuerst für die S-Klasse einen Assistenten ein, welcher die Fahraufgabe des Fahrers übernehmen kann. Mit dem System bietet man das erste Serienfahrzeug von Mercedes-Benz mit der Möglichkeit für hochautomatisiertes Fahren nach LEVEL 3. Das System kommt 2021 in die Baureihe 223, und 2022 in den neuen EQS.

Auf geeigneten Autobahnabschnitten und bei hohem Verkehrsaufkommen kann der (optionale) DRIVE PILOT von Mercedes-Benz dem Fahrer anbieten, die Fahraufgabe zunächst bis zu den gesetzlich erlaubten 60 km/h zu übernehmen. Die entsprechenden Bedienelemente dafür sitzen im Lenkradkranz oberhalb der Daumenmulden rechts und links. Aktiviert der Fahrer den DRIVE PILOT, regelt das System Geschwindigkeit und Abstand und führt das Fahrzeug souverän innerhalb der Spur.

Streckenverlauf, auftretende Streckenereignisse und Verkehrszeichen werden ausgewertet und entsprechend berücksichtigt. Der DRIVE PILOT kann auch unerwartet auftretende Verkehrssituationen erkennen und durch Ausweichmanöver innerhalb der Spur oder durch Bremsmanöver eigenständig bewältigen.

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S-Class | Conditionally Automated Driving with the DRIVE PILOT

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DRIVE PILOT von Mercedes-Benz zuerst in der S-Klasse

Erstmals übernimmt damit das Fahrzeug die Fahraufgabe, solange der DRIVE PILOT in der Mercedes-Benz S-Klasse aktiv ist. Dies ist ein Paradigmen-Wechsel. Aus Sicht von Mercedes-Benz lässt sich der sichere Betrieb eines solchen Systems nur durch den Einsatz eines erweiterten Sensorensets realisieren. Dieses umfasst zusätzlich LiDAR („Light Detection and Ranging“: optische Abstands- und Geschwindigkeitsmessung), hochgenaue Positionierung und eine HD-Map (digitale Karte in High-Definition-Qualität). Damit kann das System auch in schwierigen Situationen eine sichere Übergabe an den Fahrer gewährleisten.

Während der Nutzung des DRIVE PILOT kann sich der Fahrer vom Verkehrsgeschehen ab- und bestimmten Nebentätigkeiten zuwenden, sei es mit den Kollegen via In-Car-Office kommunizieren, im Internet surfen oder entspannt eine Sitzmassage genießen. Denn im DRIVE PILOT Modus können Funktionen freigegeben werden, die sonst während der Fahrt gesperrt sind. Der Fahrer muss dabei jedoch stets übernahmebereit bleiben und bei Bedarf unverzüglich wieder die Fahraufgabe übernehmen, wenn ihn das System dazu auffordert oder er erkennen muss, dass die Voraussetzungen für die bestimmungsgemäße Verwendung des DRIVE PILOT nicht mehr vorliegen.

Nähert sich das Fahrzeug dem Ende des für den DRIVE PILOT geeigneten Streckenabschnitts, beispielsweise einem Tunnel, oder ändern sich andere Umstände, etwa das Wetter oder die Verkehrssituation (beispielsweise, wenn sich der Stau auflöst), wird der Fahrer rechtzeitig zur Übernahme der Fahrzeugsteuerung aufgefordert. Prinzipiell muss der Fahrer stets übernahmebereit bleiben und innerhalb von zehn Sekunden die Fahrzeugsteuerung manuell fortsetzen können –schlafen, dauerhaft nach hinten blicken oder gar den Fahrersitz verlassen, sind deshalb nicht möglich. Um die Übernahmefähigkeit des Fahrers sicherzustellen, beobachten die Kameras von Fahrer-Display und MBUX Interieur-Assistent die Bewegung von Kopf und Augenlidern.

Sicherheit inklusive

Übernimmt der Fahrer, z.B. aufgrund eines akuten gesundheitlichen Problems, die Fahrzeugsteuerung auch nach eskalierter Übernahmeaufforderung nicht, bremst der DRIVE PILOT das Fahrzeug im Rahmen eines Sicherheitsstopps kontrolliert und mit angemessener Verzögerung bis in den Stillstand. Zugleich werden das Warnblinklicht und im Stand das Mercedes-Benz Notrufsystem aktiviert und die Türen und Fenster entriegelt, um möglichen Ersthelfern den Weg in das Fahrzeug zu erleichtern. Unabhängig von einer Übernahmeaufforderung durch das System kann der Fahrer den DRIVE PILOT natürlich jederzeit deaktivieren. Das ist durch die Lenkradtasten oder beispielsweise durch einen bewussten manuellen Eingriff in die Steuerungseinrichtungen des Fahrzeugs möglich.

Aufbauend auf dem Fahrassistenz-Paket

Das System baut auf der Umfeldsensorik des Fahrassistenz-Pakets auf und umfasst zusätzliche Sensoren, die Mercedes-Benz als unerlässlich für sicheres hochautomatisiertes Fahren hält. Dazu gehören LiDAR, eine weitere Kamera in der Heckscheibe und Mikrophone, insbesondere zum Erkennen von Blaulicht und Sondersignalen von Einsatzfahrzeugen. Ergänzend zu den Sensordaten erhält der DRIVE PILOT Informationen zu Straßengeometrie, Streckeneigenschaften, Verkehrszeichen sowie besonderen Verkehrsereignissen (z.B. Unfällen oder Baustellen) von einer HD-Map. Diese wird über eine Backend-Anbindung zur Verfügung gestellt. Die Fahrzeugposition wird über ein hochgenaues Positionierungssystem ermittelt, das weit über übliche GPS-Systeme hinausgeht. Darüber hinaus verfügt die S-Klasse mit der Sonderausstattung DRIVE PILOT über redundante Lenk- und Bremssysteme sowie ein redundantes Bordnetz, um auch beim Ausfall eines dieser Systeme manövrierfähig zu bleiben und eine sichere Übergabe an den Fahrer zu gewährleisten. Ein leistungsstarkes Zentralsteuergerät realisiert die fürs hochautomatisierte Fahren notwendigen, anspruchsvollen Software-Funktionen. Beispielsweise in der Bildverarbeitung kommen hierbei Zukunftstechnologien aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz zum Einsatz. Im Rahmen der modernen Sicherheitsarchitektur werden alle Algorithmen doppelt gerechnet.

Auf 60 km/h beschränkt

Die maximale Geschwindigkeit eines hochautomatisierten Systems ist in Deutschland rechtlich auf 60 km/h begrenzt. Der DRIVE PILOT ist aber dafür vorbereitet, über Over-the-air-Updates auch höhere Geschwindigkeiten oder andere Anwendungsfälle zuzulassen, sobald der rechtliche Rahmen dies vorsieht. Die grundsätzliche Einführung des DRIVE PILOT in weiteren Ländern in Europa, in den USA und China soll Schritt für Schritt erfolgen, sobald es auch dort die nationale Rechtssituation vorsieht, dass eine Abwendung von der Fahraufgabe zulässig ist.

Um dem Kunden erstmalig erlauben zu können, während der Fahrt Nebentätigkeiten auszuführen, ist die Einhaltung der europaweit harmonisierten technischen Zulassungsvorschriften erforderlich. Daneben bedarf es aber auch nationaler Straßenverkehrsvorschriften, die dem Fahrer eine bestimmungsgemäße Nutzung des Level-3-Systems einschließlich der Abwendung von der Fahraufgabe erlauben. Der DRIVE PILOT wird zunächst in Deutschland angeboten, da Deutschland mit der Öffnung des Straßen-verkehrsgesetzes für Level-3-Systeme im Jahr 2017 als eines der ersten Länder eine rechtliche Grundlage für deren Nutzung geschaffen hat. Das Zulassungsverfahren für Europa, das auch für die Nutzung des DRIVE PILOT in Deutschland erforderlich ist, soll Mitte nächsten Jahres abgeschlossen sein.

Bilder/Video: Mercedes-Benz AG

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Steffen
2 Monate zuvor

Ich kann es nicht eindeutig aus dem letzten Absatz lesen: kommt der Drive Pilot noch dieses Jahr in Deutschland auf die Straße oder erst nächstes?

Mr. Benz
Reply to  Markus Jordan
1 Tag zuvor

Wir sind mittlerweile längst im 4. Quartal 2021, aber ich kann diese Option immer noch nicht im Konfigurator finden. Woran liegt das und kennt jemand den angedachten Verkaufspreis?

Mr. Benz
Reply to  Markus Jordan
1 Tag zuvor

Schade, aber leider wieder typisch.

Nemo
2 Monate zuvor

Nice! But what about DOJO?

Gottlieb Daimler
Reply to  Nemo
2 Monate zuvor

Ich weiß nicht, ob Du es wusstest, aber das MB in „mbpassion“ steht für Mercedes-Benz. Diese Seite heisst aus gutem Grund so und nicht „teslapassion“. Was sollen also diese ganzen Tesla-Fanboy-Sticheleien?! Das interessiert hier genau niemanden.

Zuletzt editiert am 2 Monate zuvor von Gottlieb Daimler
Cornelius
Reply to  Nemo
2 Monate zuvor

Tesla verwendet kein LIDAR und mittlerweile auch kein RADAR mehr. Die Hardware kann noch so gut sein, aber wenn die Software nicht in der Lage ist, zuverlässig aus Kamerabildern Abstände zu erkennen, werden Teslas weiterhin in tödliche Unfälle verwickelt werden. Deswegen ermittelt z.B. gerade in den USA die nationale Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA gegen Tesla. Hier kommt ein guter Artikel dazu:

https://www.nytimes.com/2021/08/17/business/tesla-autopilot-accident.html

Bitte auch die Kommentare lesen. Viele Foristen beschreiben persönliche Erfahrungen mit Teslas Autopiloten.

Zuletzt editiert am 2 Monate zuvor von Cornelius
JoeSt
Reply to  Cornelius
2 Monate zuvor

Cornelius … lass uns bitte hier die Worte der „Vorredner“ beherzigen. Keine Statements zu Tesla und ganz viele zum Daimler. Denn auch Deine Auslassungen, ob korrekt oder nicht sei dahingestellt, provozieren nur wieder eine Gegenrede. Danke.

Zuletzt editiert am 2 Monate zuvor von JoeSt
Cornelius
Reply to  JoeSt
2 Monate zuvor

Mercedes setzt auf „Safety first“ und setzt sich damit positiv von manchem Wettbewerber ab, der wesentlich mehr Medienpräsenz erfährt, weil er Technologien bereits dann auf den Markt wirft, wenn sie noch völlig unausgegoren sind. Gerade der Einsatz von LIDAR garantiert eine 100%-ige Unfallsicherheit, die man sonst nicht erreichen kann. Das sollte hier schon betont werden. Deswegen verwendet z,B. die Google-Tochter Waymo in ihren selbstfahrenden Autos auch LIDAR.

Goggo
Reply to  Cornelius
2 Monate zuvor

Meine Sicht auf die Dinge ist so:

Mercedes Benz scheint die Herausforderungen in der Softwareentwicklung, was die Interpretation von LIDAR-Daten für die Anforderungen des (teil)-autonomen Fahrens angeht, soweit im Griff zu haben. Die können damit offensichtlich „auf die Straße“.
Tesla scheint diese Software-Herausforderungen nicht ohne weiteres gelöst zu bekommen – so dass die „auf der Straße“ lieber ohne LIDAR-Sensoren arbeiten.

Ich persönlich fahre bevorzugt Mercedes…

Marc W.
2 Monate zuvor

Ich bin (auch wegen der eigenen Erfahrung) sehr angetan vom Reifegrad. Was mir noch nicht ganz klar ist: wer definiert die geeignete Straßenkategorie (da gibt es ja europaweit Unschärfen) ?
Und: im metropoligen Umfeld mit seinen Stadtautobahnen: wenn da im stauigen Zustand Fußgänger auftauchen, werden sie sicher erkannt, gibt es dann nur „Aus“ oder ist hier auch ein „Re-Go“ eingearbeitet ?
Bei (noch immer: teil-) autonomen Vehikeln möchte ich NUR in einem Mercedes sitzen.

Cornelius
Reply to  Marc W.
2 Monate zuvor

Mercedes definiert die geeigneten Straßen, wobei in Deutschland die Nutzung von Level3 Systemen bislang nur auf der Autobahn vorgesehen ist.

Weltweit wird wohl Land für Land eine Vorgabe der UN in nationale Gesetze umgesetzt, die den Einsatz von Level3-Systemen zunächst nur auf Straßen vorsieht, bei denen beide Fahrtrichtungen physisch getrennt sind und auf denen Fußgänger und Radfahrer verboten sind. Auch die Begrenzung auf 60 kmh ergibt sich aus dieser Verordnung:

https://unece.org/transport/press/un-regulation-automated-lane-keeping-systems-milestone-safe-introduction-automated

Markus
2 Monate zuvor

Was nützt das wenn Mercedes nicht einmal fähig ist bei Mercedes Me gekauften Produkt innerhalb 1 Woche zu aktivieren Aftersale immer noch unter aller S..