Warum Mercedes in den USA plötzlich zum Risiko wird

Die Diskussion klingt zunächst drastisch: Ein mögliches Verkaufsverbot für Mercedes-Benz in den USA. Tatsächlich geht es bislang nicht um ein konkretes Verbot, sondern um einen politischen Vorstoß im US-Senat, der weitreichende Folgen für internationale Autohersteller haben könnte – insbesondere für Unternehmen mit engen Verbindungen nach China.

Autos werden zum Sicherheitsrisiko erklärt

In Washington wächst seit Monaten die Sorge, dass moderne Fahrzeuge zu digitalen Schwachstellen werden könnten. Vernetzte Autos sammeln heute enorme Datenmengen: Standortdaten, Kamerabilder, Sprachaufzeichnungen oder Informationen aus Fahrerassistenzsystemen. US-Politiker warnen davor, dass chinesische Technologie oder chinesischer Einfluss in Fahrzeugen potenziell für Überwachung oder Cyberangriffe genutzt werden könnte.  Deshalb arbeiten US-Politiker an neuen Regeln, die Hersteller mit kritischen chinesischen Beteiligungen oder chinesischer Software deutlich strenger kontrollieren sollen. Im Extremfall könnten bestimmte Fahrzeuge oder Marken vom US-Markt ausgeschlossen werden.

Warum ausgerechnet Mercedes ?

Mercedes-Benz gilt in diesem Zusammenhang als besonders sensibel. Der chinesische Staatskonzern BAIC hält knapp zehn Prozent der Anteile am Unternehmen. Zusätzlich besitzt Geely-Gründer Li Shufu ebenfalls einen bedeutenden Anteil. Damit gehört Mercedes zu den europäischen Herstellern mit der sichtbarsten China-Verflechtung. Für die USA ist das politisch brisant. Denn Washington verschärft seit Jahren seine Linie gegenüber chinesischen Technologie- und Industrieunternehmen. Die Autoindustrie gerät nun zunehmend in denselben geopolitischen Konflikt wie zuvor Telekommunikation oder Halbleiter.

Die Lage trifft Mercedes in einer schwierigen Phase

Besonders problematisch: Mercedes kämpft ohnehin bereits mit erheblichen Problemen im China-Geschäft. Der Absatz im wichtigsten Einzelmarkt des Konzerns ist zuletzt massiv eingebrochen. Im ersten Quartal 2026 lagen die Verkäufe in China rund 27 Prozent unter Vorjahr. Gleichzeitig geraten deutsche Premiumhersteller dort zunehmend unter Druck durch lokale Elektroauto-Marken wie BYD oder Nio.  Zwar entwickelt sich das Geschäft in den USA zuletzt stabiler, doch genau dort wächst nun das politische Risiko. Parallel drohen zusätzliche US-Strafzölle auf europäische Fahrzeuge. Präsident Donald Trump kündigte zuletzt neue Importzölle von bis zu 25 Prozent auf EU-Autos an.

Produktion in den USA schützt nur teilweise

Mercedes produziert bereits seit Jahren Fahrzeuge in Alabama. Modelle wie GLE, GLS oder EQS SUV entstehen direkt in den USA. Das reduziert zwar die Belastung durch Importzölle, löst aber nicht automatisch das politische Grundproblem. Denn die Diskussion dreht sich zunehmend nicht mehr um den Produktionsstandort, sondern um Eigentümerstrukturen, Software und Zulieferketten.  Selbst Fahrzeuge aus US-Produktion könnten daher künftig stärker überprüft werden, wenn kritische Technologien oder Beteiligungen aus China vermutet werden.

Branche steht unter Beobachtung

Die Debatte betrifft längst nicht nur Mercedes. Auch BMW, Volkswagen, Tesla, Ford oder General Motors könnten unter strengere Kontrollen geraten, sobald chinesische Batterietechnik, Software oder Zulieferer eingesetzt werden. Die USA verschieben damit die Spielregeln der Autoindustrie. Entscheidend sind künftig nicht mehr nur Leistung, Reichweite oder Design, sondern auch digitale Infrastruktur und geopolitische Abhängigkeiten.

Bislang nur Warnsignal

Aktuell handelt es sich lediglich um einen Gesetzesentwurf. Bis daraus tatsächlich ein Verkaufsverbot entsteht, müsste der Entwurf mehrere politische Hürden nehmen. Dennoch zeigt die Diskussion, wie stark sich die globale Autoindustrie verändert hat.  Für Mercedes ist das ein strategisches Warnsignal: Der Konzern sitzt zunehmend zwischen den Fronten der beiden wichtigsten Weltmärkte – China als zentraler Absatzmarkt und die USA als hochprofitabler Premiummarkt. Genau diese Doppelabhängigkeit könnte künftig zum größten Risiko der Marke mit dem Stern werden.

Symbolbilder: Mercedes-Benz Group AG

19 Kommentare
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steph
1 Monat zuvor

den gls mit der waschbär-fresse wird ohnehin kaum jemand kaufen. das modell wurde durch die mopf deutlich unattraktiver.scheinwerfer die nicht zur grillform passen, das billige glanzplastik um den grill und schlimmste ist noch, dass der obere teil des grills nun durch eine billige plastikblende komplett geschlossen ist (oberhalb des sterns bis oberkante grill) … 🙁

Driver
Reply to  steph
1 Monat zuvor

Thema verfehlt….

JM13
Reply to  Driver
1 Monat zuvor

Der GLS ist auf dem ersten Foto des Artikels aber sehr dominant abgebildet. Dabei fällt auf, dass der Wagen vorne komisch konstruiert ist, weil es aussieht, als ob die Motorhaube nicht korrekt zugeschlagen wurde. Der Spalt zwischen Motorhaube und Frontschürze hat mit Ästhetik bzw. Haben-Wollen wenig zu tun.

Zuletzt editiert am 1 Monat zuvor von JM13
B B
Reply to  steph
1 Monat zuvor

„Waschbär-Fresse“… ich lieb’s! <3 xDDD

Peter Hagemann
1 Monat zuvor

Und damit sollte auch die Regierung bei uns einmal das SPAREN anfangen!

Wenn die Autoindustrie bei uns keine oder kaum noch Steuern bezahlt und Arbeitsplätze abgebaut werden. Jedoch hat bislang noch keine Regierung bei uns Weitsicht bzw. Zukunftspläne. Es wird immer nur reagiert.

Chiping
1 Monat zuvor

Mercedes Luxus Chinaböller

Bene
1 Monat zuvor

Tja, dann würde ich das Werk in Takatuka schließen und nach Europa abwandern. Die Qualität der USA Karren ist eh unter aller Sau, wirklich.

Der Tester
Reply to  Bene
1 Monat zuvor

Hast du dafür Belege?

Dr. Alexeander
Reply to  Bene
1 Monat zuvor

So ein Unsinn. Die GLE und GLS aus US-Produktion habe die beste Qualität innerhalb aller Modelle dieser beiden Reihen.

Adrian
1 Monat zuvor

Die Amis sollen Eier lecken

Alex
1 Monat zuvor

Die USA haben einen RIESEN KNALL

Cornelius
1 Monat zuvor

Die Amerikaner wollen halt China um jeden Preis kleinhalten. Allerdings ist das hier manchmal nicht anders. Man erinnere sich an die Diskussion um 5G Mobilfunk-Basisstationen aus China. Da war auch Huawei absolut führend und Telekom und Vodafone hatten Huawei als Zulieferer schon fest eingeplant, als die Politik hier plötzlich ein Sicherheitsproblem erkannte. Aktuell will die EU Mitgliedsländer verpflichten, dass diese überhaupt keine Huawei-Technik mehr in 5G-Netzen verwenden dürfen.

Mercedes und andere Hersteller werden sich da wohl anpassen und auf sicherheitsrelevante Technik aus China verzichten müssen. Aber das ist ja nicht schlecht, wenn dieses Know How in der EU und in den USA verbleibt.

schwob
1 Monat zuvor

Der europäische Hersteller mit den sichtbarsten China Connections ist aber nicht Mercedes sondern Volvo, da ist der China Anteil 100%.

Zuletzt editiert am 1 Monat zuvor von schwob
EQ44fahrer
1 Monat zuvor

Überrascht das jetzt irgendwen?
Als globaler Player mit weltweitem Absatzmarkt kommt man schnell an die Grenzen politischer Neutralität.

Ing. Siggi Weber
1 Monat zuvor

Jetzt sollte Mercedes rasch von China-Lieferanten auf europäische wie zB Bosch umstellen.

Carsten
1 Monat zuvor

Es ist schon sonderbar, daß die Amerikaner Angst haben, daß chinesische Technik in Autos zum Sicherheitsrisiko werden könnten, weil sie Daten sammeln, und diese Daten dann potentiell vielleicht für Cyberangriffe genutzt werden könnten.

Wenn aber US-Konzerne wie Microsoft, Apple oder Meta (Facebook und Co.) Daten sammeln, ist das völlig in Ordnung….Eigenartiges Verständnis.

JM13
Reply to  Carsten
1 Monat zuvor

Das ist doch immer das Gleiche. Eine Seite meint, sie wäre moralisch richtig und alternativlos und die anderen wären auf der falschen Seite, undemokratisch und damit wird alles begründet, weil man nur das Beste für einen wolle.

Zuletzt editiert am 1 Monat zuvor von JM13
Carsten
Reply to  JM13
1 Monat zuvor

Stimmt, wenn Zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe. Und hier gehts eigentlich um einen Wettbewerbsvorteil. Man möchte nur verhindern, daß der Andere (in dem Fall China) schneller ist.

Dass aber Trump sich mit Zöllen und anderen „großartigen“ politischen Entscheidungen selbst dafür sorgt, daß sein Land Nachteile hat, sieht er nicht. Es braucht nicht unbedingt die Chinesen.

Bei uns ist es ähnlich: Herr Zetsche hat damals Herrn Li Shufu noch den „roten Teppich“ ausgerollt, und freute sich, daß er bei Daimler einsteigt.
Glaubte er denn wirklich, die Chinesen machen das nur aus „Spaß an der Freude“ oder weil sie Mercedes für eine Traditionsmarke halten? Dahinter steckt knallhartes Kalkül.

Und jetzt sehen wir, wohin es führt, indem wir von China abgehängt und vorgeführt werden. Erst haben sie geschaut, wie wir Autos bauen und Know How „abgegriffen“ und jetzt bauen sie selber welche und verdrängen uns. Da waren einige CEOs und Politiker hierzulande reichlich naiv.
Und China selbst betreibt Protektionismus. Die lassen sich nicht in die Karten schauen.

B B
1 Monat zuvor

Der US-Vorstoß ist nicht nur berechtigt, sondern sehr vernünftig. Wir sollten davon lernen in der EU, aber dazu sind wir zu borniert und verblendet.

Wie kann es sein, dass in kritischer Energie-Infrastruktur (Windrädern, Wallboxen, etc.) aber auch in Kameras zusätzliche Kommunikationsmodule verbaut sind, die nicht bekannt oder vorgesehen waren oder dass die Software eindeutige Backdoor-Verbindungen nach China hat, usw.

(Jetzt könnte man argumentieren, dass US-Konzerne das eh schon längst machen, aber ich persönlich sehe dort nicht diese Vehemenz und Feindseligkeit wie bei China).

China bleibt, realistisch gesehen, der größte Gegner (ich vermeide den Terminus ‚Feind‘ hier) Europas. Auch wenn man das nicht wahrhaben will, da idelogisch gesehen der „böse Orangenkopf mit der blonden Perücke“ der dezidierte Endgegner ist. Hochmut kommt vor dem Fall…