Mercedes will 35-Stunden Woche ohne Lohnausgleich kippen

Mercedes-Benz stellt seine Belegschaft auf härtere Zeiten ein. Neben verschobenen Sonderzahlungen und ausbleibenden Gehaltserhöhungen prüft das Unternehmen offenbar auch längere Arbeitszeiten ohne zusätzlichen Lohnausgleich. Hintergrund sind steigender Wettbewerbsdruck, hohe Kosten am Standort Deutschland und die schwierige Lage auf dem chinesischen Markt.

Der Premiumhersteller verschärft seinen bereits laufenden Sparkurs nun deutlich. Nach Informationen aus unternehmensinternen Unterlagen und Mitarbeiteranschreiben plant der Konzern sogar, die Arbeitskosten in Deutschland weiter zu senken. Betroffen wären vor allem tariflich Beschäftigte, Führungskräfte sowie Teile der Verwaltung.

Besonders brisant ist in den Unterlagen eine Formulierung, mit der der Vorstand die Belegschaft auf mögliche Veränderungen vorbereitet. Demnach müsse die Arbeitsstunde in Deutschland günstiger werden. Aus Sicht des Managements könnte dies dadurch erreicht werden, dass Beschäftigte künftig „für das gleiche Geld mehr arbeiten“. Konkret sollen in den kommenden Monaten Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern über eine Ausweitung der Arbeitszeit geführt werden. Derzeit gilt für viele Beschäftigte die tarifliche 35-Stunden-Woche.

Parallel dazu sollen auch die Präsenzzeiten im Büro ausgeweitet werden. Damit würde Mercedes einen weiteren Schritt weg von den während der Pandemie etablierten Homeoffice-Regelungen gehen. Das Unternehmen verbindet die stärkere Präsenz offenbar mit Erwartungen an höhere Produktivität und schnellere Entscheidungsprozesse.

Neben den tariflichen Beschäftigten geraten auch Führungskräfte stärker unter Druck. Für die Jahre 2025 und 2026 wurden nach Unternehmensangaben sogenannte Nullrunden vereinbart. Reguläre Gehaltserhöhungen entfallen demnach, während variable Vergütungsbestandteile stärker an den Unternehmenserfolg gekoppelt werden sollen.

Symbolbilder: Mercedes-Benz Group AG