Mercedes-Benz bereitet offenbar weitreichende Veränderungen seiner globalen Produktions- und Unternehmensstruktur vor. Nach Informationen aus unternehmensinternen Unterlagen prüft der Konzern nicht nur zusätzliche Sparmaßnahmen für die Belegschaft, sondern parallel auch die Verlagerung von Teilen der Produktion sowie ausgewählter Verwaltungsfunktionen ins Ausland – als Teil des konzernweiten Programms „Next Level Performance“, mit dem Mercedes seine Kostenbasis deutlich senken und seine Wettbewerbsfähigkeit stärken will.
Die aktuell Überlegungen markieren eine neue Phase des Umbaus bei Deutschlands traditionsreichstem Premiumhersteller. Während bislang vor allem über Stellenabbau, Abfindungsprogramme und Einschnitte bei Sonderleistungen diskutiert wurde, rückt nun zunehmend die internationale Neuordnung von Produktions- und Verwaltungsstandorten in den Mittelpunkt. Interne Dokumente sprechen davon, dass sämtliche Standorte und Tochtergesellschaften weltweit ihren Beitrag zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit leisten müssten.
Deutschland verliert an Wettbewerbsfähigkeit
Die Konzernführung begründet die Maßnahmen mit den gestiegenen Produktionskosten in Deutschland sowie dem verschärften internationalen Wettbewerb. Besonders die schwache Nachfrage in China, hohe Energiekosten und die milliardenschweren Investitionen in die Elektromobilität setzen die europäischen Hersteller zunehmend unter Druck. Nach Ansicht des Managements haben deutsche Standorte im internationalen Vergleich erheblich an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt.
Vor diesem Hintergrund prüft Mercedes offenbar, bestimmte Fertigungsbereiche in kostengünstigere Länder zu verlagern. Bereits in den vergangenen Jahren hatte der Konzern Produktionskapazitäten in Osteuropa, den USA und China ausgebaut. Branchenbeobachter sehen insbesondere Standorte in Ungarn als mögliche Gewinner einer weiteren Produktionsverlagerung.
Sparprogramm soll Milliarden einsparen
Das Sparprogramm „Next Level Performance“ verfolgt das Ziel, die jährlichen Kosten des Konzerns bis 2027 dauerhaft um mehrere Milliarden Euro zu senken. Bereits umgesetzt wurden umfangreiche Abfindungsprogramme für Beschäftigte außerhalb der Produktion. Medienberichten zufolge haben mehrere tausend Mitarbeiter entsprechende Angebote angenommen. Gleichzeitig wurden nun Sonderzahlungen verschoben und weitere Einschnitte bei Zusatzleistungen angekündigt.
Darüber hinaus diskutiert die Unternehmensführung über längere Arbeitszeiten ohne entsprechenden Lohnausgleich. In internen Unterlagen wird dies mit dem Ziel begründet, die Produktivität der deutschen Standorte zu erhöhen und die Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern.
Betriebsrat warnt vor einseitigem Sparkurs
Auf Arbeitnehmerseite stoßen die Pläne erwartungsgemäß auf deutliche Kritik. Der Gesamtbetriebsrat wirft dem Management vor, die Ursachen der aktuellen Krise einseitig auf die Beschäftigten abzuwälzen. Eine Strategie, die vor allem auf längere Arbeitszeiten, geringere Leistungen und Verlagerungen setze, sei kein überzeugendes Zukunftskonzept für den Industriestandort Deutschland.
Zugleich wächst die Sorge, dass die angekündigten Maßnahmen nur der Auftakt eines noch umfassenderen Strukturumbaus sein könnten. Denn die Herausforderungen für die deutsche Automobilindustrie reichen weit über einzelne Unternehmen hinaus: Der Wettbewerbsdruck chinesischer Hersteller steigt, die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen entwickelt sich langsamer als erwartet, und gleichzeitig erhöhen geopolitische Spannungen die Unsicherheit auf den Weltmärkten.
Richtungsentscheidung für den Industriestandort
Noch ist offen, welche Produktionsbereiche und Unternehmensfunktionen tatsächlich ins Ausland verlagert werden. Fest steht jedoch bereits heute, dass Mercedes seine globale Aufstellung grundlegend überprüft. Für die Beschäftigten an den deutschen Standorten beginnt damit eine Phase erheblicher Unsicherheit. Die kommenden Verhandlungen zwischen Unternehmensführung, Betriebsrat und Gewerkschaften dürften deshalb weit über die Zukunft einzelner Werke hinausweisen.
Symbolbilder: Mercedes-Benz Group AG







