Mercedes-Benz zeigt Forschungsprojekte: Scheibendisplays und neuer Power Converter

Mercedes-Benz gibt Einblick in aktuelle Forschungs- und Entwicklungsprojekte. Im Mittelpunkt stehen zwei Displaytechnologien, die Fahrzeugscheiben zu Anzeigeflächen machen sollen, sowie ein Power Converter für Hochvoltsysteme. Nach Unternehmensangaben sollen die Technologien Fahrzeuge sicherer und persönlicher machen, Informationen intuitiver darstellen und das Hochvoltsystem effizienter gestalten.

Ida Wolf, Vice President Entwicklung Innovationen, Operations & Digitalisierung bei der Mercedes-Benz AG, betont den Nutzen für den Alltag: Die Zukunft der Mobilität entstehe „nicht durch Versprechen, sondern durch Präzision und bewährte Ingenieurskunst“.

LED-Anzeigen in der Scheibe

Bei der ersten Technologie werden LED-Anzeigeelemente direkt in Fahrzeugscheiben integriert. Sie sollen etwa Warnhinweise, Sicherheitssymbole oder verkehrsrelevante Informationen bei Bedarf in der Heckscheibe sichtbar machen. Da die Elemente in den Scheibenverbund einlaminiert sind, bleiben sie nach Angaben des Unternehmens nahezu unsichtbar, solange keine Inhalte erscheinen.

Mercedes-Benz setzt dabei auf zwei LED-Varianten:

  • Mini-LEDs eignen sich für größere Flächen wie die Heckscheibe. Sie können unter anderem Bremslichter, Warnsymbole oder Verkehrshinweise für nachfolgende Verkehrsteilnehmende darstellen.
  • Mikro-LEDs bieten eine höhere Auflösung und kommen für anspruchsvollere Darstellungen auf kleineren Flächen infrage, etwa für Animationen.

Bei der Live-Betrachtung vor Ort zeigte sich hier schnell ein guter möglicher Usecase, der gerade hinsichtlich der Verkehrssicherheit – zumindest auf der Heckscheibe – Vorteile bringen könnte. Inwieweit man eine Anzeige auf der Seitenscheibe sinnvoll nutzen konnte, erschloss sich für uns noch nicht ganz. Ganz neu ist die Idee jedoch bei Mercedes auch nicht, soweit uns bekannt hatte man vor Jahren dazu auch schon mal einen EQC Testträger mit ähnlichen Funktionen  aufgebaut – aber nie öffentlich gezeigt.

Holografisches Display auf der Windschutzscheibe

Die zweite Entwicklung verwandelt die Windschutzscheibe in eine Kommunikationsfläche. Ein Projektor in der Instrumententafel projiziert Inhalte auf die Scheibe. Eine ins Glas einlaminierte, transparente Folie mit „holografischen optischen Elementen“ (HOE) reflektiert gezielt die Lichtwellenlängen des Projektors.

Das Licht wird dabei gebündelt, sodass das Bild auch bei Sonnenschein erkennbar sein soll. Zudem ist es nur aus bestimmten Blickwinkeln sichtbar: Fahrerin oder Fahrer sehen nicht, was auf der Beifahrerseite angezeigt wird, und umgekehrt. Mögliche Anwendungen sind Kontextinformationen zu Points of Interest, Fahrinformationen, Navigation, Videotelefonie oder Filme. Die Inhalte erscheinen nur bei Bedarf, sodass sich das Erscheinungsbild des Fahrzeugs nicht dauerhaft verändert.

Power Converter für 800-Volt-Systeme

Der dritte Schwerpunkt liegt auf der Hochvolttechnik. Der Mercedes-Benz Power Converter soll künftig in Elektrofahrzeugen die Energieflüsse einzelner Batteriezellen über programmierbare Mikrowandler steuern. Er kann eine konstante Hochvoltspannung von bis zu 800 Volt bereitstellen, unabhängig vom Lade- oder Alterungszustand der Zellen. Die aktuelle Generation erreicht bis zu 3 kW Leistung und unterstützt AC- und DC-Anwendungen.

Die benötigte Hochvoltspannung wäre damit weitgehend von der Batteriearchitektur entkoppelt und würde stattdessen über softwaregesteuerte Leistungselektronik bereitgestellt. Besonders interessant ist laut Mercedes-Benz der modulare Einsatz auf Ebene einzelner Zellen oder Zellgruppen: Mehrere parallel geschaltete Converter regeln die Energieflüsse individuell und liefern gemeinsam eine stabile DC-Ausgangsspannung. Die Gesamtleistung lässt sich so an unterschiedliche Anforderungen anpassen. Die Ausgangsspannung hängt nicht mehr direkt von der Zahl der in Reihe geschalteten Zellen ab.

Das Unternehmen sieht darin Potenzial für flexiblere, effizientere und kompaktere Batterien und Leistungselektronik. Funktionen wie AC- und DC-Wandlung sowie bidirektionales Laden, etwa Vehicle-to-Home oder Vehicle-to-Grid, könnten unterstützt werden. In künftigen Fahrzeugarchitekturen ließen sich mehrere heute getrennte Funktionen in einer Hardware bündeln. Mercedes-Benz erwartet davon Vorteile für Reichweite und Effizienz sowie eine leichtere Modularisierung der Antriebe in batterieelektrischen Fahrzeugen und Plug-in-Hybriden.

Einordnung

Es handelt sich noch um Forschungs- und Entwicklungsprojekte. Konkrete Serienstarts, Modelle oder Preise nannte Mercedes-Benz nicht.

Bilder: Mercedes-Benz Group AG