Mercedes-Benz auf der Rétromobile 2024 in Paris

Die berühmte Modellbezeichnung 300 SL ist das Leitthema von Mercedes-Benz Classic auf der Rétromobile in Paris in Pavillon 1 / Stand Nr. J062.

Ein Highlight der der Pariser Fachmesse Rétromobile 2024 (31. Januar bis 4. Februar 2024) ist der selten gezeigte 300 SL Rennsportprototyp (W 194/11) aus der Fahrzeugsammlung des Unternehmens. „Hobel“ nennen die Ingenieure das Einzelstück aufgrund seiner kantigen Front. Sie entwickeln das Fahrzeug für das Motorsportjahr 1953 auf Basis des 300 SL Rennsportwagens, der in der Saison 1952 außerordentlich erfolgreich ist. Doch der „Hobel“ kommt nie zum Einsatz, weil sich Mercedes-Benz auf den Einstieg in die Formel 1 ab 1954 konzentriert.

Die Rétromobile hat unter Sammlern einen ausgezeichneten Ruf als eine der führenden Verkaufsmessen des Jahres. Mercedes-Benz Classic bietet auf dieser exklusiven Plattform ausgewählte Fahrzeuge zum Kauf: Drei Mercedes-Benz 300 SL Roadster (W 198) werden in Paris angeboten. Der Supersportwagen ist die offene Ausführung und Nachfolger des 1954 vorgestellten 300 SL Coupé mit seinen ikonischen Flügeltüren. Von 1957 bis 1963 fertigt das Werk Sindelfingen lediglich 1.858 Exemplare des Roadsters. Zwei der Verkaufsfahrzeuge sind von den Fachleuten des Mercedes-Benz Classic Centers restauriert worden. Der dritte Roadster begeistert mit seinem unrestaurierten Zustand und kompletter, originaler Technik. Er ist ein künftiges Restaurierungsprojekt.

Einzigartiges Fachwissen für höchste Originalität

Auf der Rétromobile zeigt Mercedes-Benz Classic seine  Kompetenz in den verschiedenen Dienstleistungen für klassische Fahrzeuge. So erfolgen Wartungen nach den strengen Herstellervorgaben. Und jede Werksrestaurierung hat zum Ziel, originale Substanz bestmöglich zu erhalten – vorhandene Komponenten werden aufgearbeitet. Ist das nicht möglich, nutzen die Fachleute in den Mercedes-Benz Classic Centern in Fellbach bei Stuttgart und Long Beach, USA, das umfassende Angebot an Mercedes-Benz Classic Original-Teilen: Für Klassiker wie etwa den 300 SL (W 198) sind die meisten Ersatz- und Verschleißteile lieferbar. Das erhält die historischen Fahrzeuge in einem originalen, fahrbereiten Zustand und dient damit zugleich dem Werterhalt. Umfangreiches Wissen zu Baureihen und individuellen Fahrzeugen bewahrt Mercedes-Benz Classic in den Archiven.

Für Restaurierungen nach höchsten Maßstäben sind originale Fahrzeugunterlagen essenziell. Eine besondere Dienstleistung bietet Mercedes-Benz Classic in Fellbach: Die Hersteller-Expertise belegt im Detail die Originalität besonders hochwertiger Klassiker der Marke und der Vorgängerunternehmen. Die Spezialisten setzen bei der Fahrzeuguntersuchung moderne Prüf- und Messmethoden ein und untersuchen zahlreiche Merkmale am Fahrzeug, von übereinstimmenden Fahrzeugnummern bis hin zu authentischen Teilespezifikationen und Werkstoffen. Diese Informationen fügen sich mit dem Ergebnis der Archivrecherche in das einzigartige Gesamtbild der Expertise ein.

Die Fahrzeuge von Mercedes-Benz Classic auf der Rétromobile 2024

Mercedes-Benz 300 SL Rennsportprototyp „Hobel“ (W 194/11), Baujahr 1952

Ausstellungsfahrzeug

Mit dem Mercedes-Benz 300 SL Rennsportwagen (W 194) steigt die Marke nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahr 1952 äußerst erfolgreich wieder in den internationalen Motorsport ein. Zehn Fahrzeuge werden gebaut. Zu den großen Triumphen gehören Doppelsiege bei den 24 Stunden von Le Mans und der Carrera Panamericana. Ein elftes Fahrzeug der Baureihe W 194 entsteht 1952 als Rennsportprototyp für das Jahr 1953. Im Vergleich zum 300 SL Rennsportwagen ist er in vielen Punkten optimiert. So leistet der Motor dank Benzindirekteinspritzung 158 kW (215 PS). Das sind gut 29 kW (40 PS) mehr als in der ursprünglichen Vergaserversion. Zudem ist das Getriebe in Transaxle-Anordnung eingebaut, erstmals eine Eingelenk-Pendelachse eingesetzt, die Kühlluftführung geändert, das Fahrzeuggewicht reduziert sowie das Fahrwerk überarbeitet. Die geänderte Frontgestaltung mit verringerter Stirnfläche bringt dem Rennsportwagen den Spitznamen „Hobel“ ein. Das Einzelstück wird Anfang 1953 fertiggestellt. Doch das Unternehmen beschließt, ab 1954 wieder im Grand-Prix-Sport anzutreten. Diesem Ziel werden alle anderen Motorsportaktivitäten untergeordnet, sodass der „Hobel“ nie im Wettbewerb eingesetzt wird. Er liefert aber wichtige Erkenntnisse für den neuen Formel-1-Rennwagen W 196 und ist mit seinem Einspritzmotor eine wichtige Hinführung zum Seriensportwagen 300 SL Coupé (W 198), der ab 1954 gebaut wird.

Technische Daten Mercedes-Benz 300 SL Rennsportprototyp „Hobel“ (W 194/11)

Baujahr: 1952
Motor: 6/Reihe
Hubraum: 2.996 cm3
Leistung: 158 kW (215 PS) bei 5.800/min
Höchstgeschwindigkeit: 260 km/h

Mercedes-Benz 300 SL Roadster (W 198), Baujahr 1957

Verkaufsfahrzeug

Dieser 300 SL Roadster wird im November 1957 gebaut – zugleich das Premierenjahr dieses offenen Mercedes-Benz Supersportwagens. Er ist graphitgrau (DB 190) lackiert. Diese Farbe ordern über die komplette Produktionszeit des 300 SL Roadsters von 1957 bis 1963 hinweg insgesamt 125 Kunden. Herausragend ist an diesem Fahrzeug die Kombination mit der luxuriösen Innenausstattung aus cremefarbenem Leder. Den Roadster mit höchster Originalität und in vorzüglichem Zustand erwirbt Mercedes-Benz Classic im Jahr 2006. Bis 2017 wird der Sportwagen regelmäßig bei hochrangigen Events und Kundenveranstaltungen eingesetzt. Im Jahr 2017 beginnt das Mercedes-Benz Classic Center in Fellbach mit einer umfassenden Werksrestaurierung, die 2023 abgeschlossen wird. Das Fahrzeug befindet sich nun wieder im Auslieferungszustand aus dem Jahr 1957.

Mercedes-Benz 300 SL Roadster (W 198), Baujahr 1958

Verkaufsfahrzeug

Dieser 300 SL Roadster hat eine außergewöhnliche Historie. Seine Erstbesitzerin bestellt den Wagen in New York. Er besticht durch eine besondere Farbkombination: Die Kundin wählt eine feuerwehrrote Lackierung (DB 543), eine elfenbeinfarbene Lederpolsterung und ein schwarzes Stoffverdeck. Sie fährt den Roadster fast vier Jahrzehnte lang. 1997 geht er in den Besitz ihrer Enkelin über. Die weitere Historie des 300 SL führt über verschiedene Kontinente und Besitzer bis ins Mercedes-Benz Classic Center in Fellbach bei Stuttgart. Dort erhält er von 2012 bis 2020 eine Werksrestaurierung nach den strengen Maßstäben von Mercedes-Benz Classic. Die rund 3.500 Stunden dauernde Restaurierung legt den Schwerpunkt auf den Erhalt der Originalkomponenten. Das Fahrzeug mit „Matching Numbers“ befindet sich heute wieder im Zustand von 1958, als die Erstbesitzerin den feuerwehrroten Supersportwagen in New York übernimmt.

Mercedes-Benz 300 SL Roadster (W 198), Baujahr 1962

Verkaufsfahrzeug

Diesen im Oktober 1962 produzierten Mercedes-Benz 300 SL übernimmt sein amerikanischer Erstbesitzer im Jahr 1963 persönlich in Sindelfingen. Später gehört der Roadster einem Halter aus Arizona, USA, bevor ihn ein Arzt aus Oklahoma City Anfang der 1970er-Jahre erwirbt. Der neue Besitzer lässt die Karosserie silberfarben lackieren und den Motor komplett überholen. Bis zu seinem Tod im Jahr 1987 fährt er den Roadster regelmäßig. Anschließend wird der 300 SL sorgfältig aufbewahrt. Mit Unterstützung des Mercedes-Benz Classic Centers Long Beach ist dieses lediglich optisch aufbereitete Fahrzeug nun zum Erwerb verfügbar. Ein Gutachten von Mercedes-Benz Classic belegt, dass sich die technischen Komponenten im Originalzustand befinden: eine ideale Voraussetzung für eine Werksrestaurierung.

Technische Daten Mercedes-Benz 300 SL Roadster (W 198) – für alle drei Verkaufsfahrzeuge

Motor: 6/Reihe
Hubraum: 2.996 cm3
Leistung: 158 kW (215 PS) bei 5.800/min
Höchstgeschwindigkeit: bis 250 km/h

Quelle: Mercedes-Benz Group AG

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
8 Kommentare
Älteste
Neueste Meist bewertet
Inline Feedbacks
Betrachte alle Kommentare:
Pano
1 Monat zuvor

Wenn die Expertise von Seiten des Werks so groß ist, warum bemüht man sich um Teile der Insolvenzmasse der Kienle GmbH?
Grüße
Pano

Dr.med. Alexander
Reply to  Pano
1 Monat zuvor

Warum nicht? Kienle besitzt sicher ein großes Ersatzteillager. Warum sollte Mercedes das nicht übernehmen im Hinblick auf die Versorgung seiner Classic-Kunden?

Pano
Reply to  Dr.med. Alexander
1 Monat zuvor

Das wäre nachvollziehbar. Es hiess aber auch, daß man bereit wäre das Fachpesonal zu übernehmen. Das würde mich für die betroffenen Kienle-Mitarbeiter freuen, die dadurch eine Jobperspektive erhielten. Aber das könnte auch ein Indiz dafür sein, daß man in diesem Punkt nachholbedarf hat.
Grüße
Pano

Dr.med. Alexander
Reply to  Pano
1 Monat zuvor

Nun wie Sie wissen war Kienle in Sachen Mercedes Classic ein weltweit anerkannter, renommierter Betrieb. Ich finde es daher gut wenn Mercedes den Betrieb übernimmt und damit auch das know how der Mitarbeiter.

Pano
Reply to  Dr.med. Alexander
1 Monat zuvor

NIcht falsch verstehen, ich finde eine mögliche Übernahme auch gut. Zumal Mercedes-Heritage schon seit Anfang 2023 an einer Übernahme interessiert war. Ist mE gut investiertes Geld. Und wenn es wirklich so sein sollte, daß man dadurch Know-how zurückholt ist die Idee umso besser.
Hier gab es neulich einen Artikel zum Thema: https://www.mercedes-fans.de/magazin/classic/nach-manipulationsvorwuerfen-und-insolvenzantrag-medienbericht-will-mercedes-benz-jetzt-restaurator-kienle-uebernehmen.20702
Grüße
Pano

Dr.med. Alexander
Reply to  Pano
1 Monat zuvor

Ich habe Sie nicht falsch verstanden. Alles o.k.

Dr.med. Alexander
1 Monat zuvor

Danke für die schönen Bilder. 300 SL – Mythos und Legende. „Die Spezialisten setzen bei der Fahrzeuguntersuchung modernste Prüf-und Messmethoden ein und untersuchen zahlreiche Merkmale am Fahrzeug wie übereinstimmende Fahrzeugnummern…..“ Also Irrtümer wie bei Kienle mit doppeltem Vorhandensein einer Fahrgestellnummer ausgeschlossen.

MaRix
1 Monat zuvor

Da schwebt der „Gelbe Elefant“ über dem Ganzen, dieses 300-SL-Klassik-Dings… Egal: Dem Daimler gelingt es, eine wie stets selbstverliebte Pressemitteilung loszulassen, bei der 107 Prozent der User an Lord Woldemort denken. Und MBP schafft es, das Ganze kommentarlos und komplett Kienle-frei unkritisch hier nachzukauen.