Produktionsstopp nach Protest gegen Sparpläne im Mercedes-Werk Bremen

Im Mercedes-Benz-Werk Bremen ist es am vergangenen Freitag zu Störungen im Produktionsablauf gekommen. Hintergrund waren Proteste von Beschäftigten gegen die von der Konzernführung angekündigten Sparmaßnahmen und Pläne zur Ausweitung der Arbeitszeit. Nach Angaben von Arbeitnehmervertretern verließen zahlreiche Beschäftigte ihre Arbeitsplätze vor Schichtende, wodurch einzelne Produktionsbereiche zeitweise zum Stillstand kamen.

Auslöser der Proteste in Bremen war ein Schreiben des Mercedes-Vorstands an die bundesweite Belegschaft, das am Freitagvormittag verschickt wurde. Darin kündigte der Konzern an, die tariflich vereinbarte Transformationszahlung zunächst auszusetzen und zugleich Gespräche über Maßnahmen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit aufzunehmen. Nach Unternehmensangaben sollen dabei auch eine Ausweitung der Arbeitszeit sowie mögliche Verlagerungen von Produktions- und Verwaltungsbereichen ins Ausland diskutiert werden.

Im Bremer Werk, einem der größten Produktionsstandorte von Mercedes-Benz mit rund 11.500 Beschäftigten, stießen die Ankündigungen erwartungsgemäß auf heftige Kritik. Vertreter der IG Metall berichteten von großer Verunsicherung und Verärgerung unter den Beschäftigten. Viele Mitarbeiter hätten die ausstehende Sonderzahlung bereits fest eingeplant. Die Gewerkschaft weist zudem darauf hin, dass das Werk Bremen derzeit als gut ausgelastet gelte und die Belegschaft in den vergangenen Jahren erhebliche Flexibilität gezeigt habe.

Nach Berichten aus dem Werk verließen am Freitag zahlreiche Beschäftigte während der laufenden Schicht in der Halle 9 – Produktionsort des neuen GLC EQ Modells – vorzeitig während der Mittagspause das Betriebsgelände, um Zuhause ihre Kinder  wegen Hitzefrei zu betreuen. In einzelnen Bereichen kam es dadurch zu Produktionsunterbrechungen. Über die genaue Dauer und das Ausmaß des Produktionsstopps – oder in welchen Teilbereichen – machte das Unternehmen bislang keine Angaben.

Mercedes begründet den Sparkurs mit dem verschärften internationalen Wettbewerb, rückläufigen Geschäften auf dem chinesischen Markt sowie geopolitischen Belastungen. Der Konzern verweist darauf, dass die Produktionskosten in Deutschland im internationalen Vergleich hoch seien und strukturelle Anpassungen erforderlich würden. Arbeitnehmervertreter werfen dem Management hingegen vor, die Folgen strategischer Fehlentscheidungen auf die Beschäftigten abzuwälzen.

Symbolbilder: Mercedes-Benz Group AG

 

36 Kommentare
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Dr. Alexander
12 Tage zuvor

Interessanter und guter Beitrag, den ich hier lese und als Erster kommentiere.

Dominique
Reply to  Dr. Alexander
11 Tage zuvor

Fein, Alexander. Erster zu sein ist aber nicht immer von Vorteil 😉

Mario
Reply to  Dominique
11 Tage zuvor

Dieses „Ich bin Erster“ getue ist einfach nur peinlich, nichts weiter.

Marco
Reply to  Mario
11 Tage zuvor

Und es nervt tierisch dieses Getrolle!!!

harry
12 Tage zuvor

Richtig so! Die Leute lassen sich nicht mehr verar….! Null Konsequenzen für die strategischen Fehler des Managements.

Neisyros
Reply to  harry
12 Tage zuvor

Das ist auch etwas was mich sehr stört, denn die aktuelle Lage hat ja ihren Ursprung in den vielen Fehlentscheidungen von Ola und seinen Kollegen, trotzdem sitzen fiese Leute weiter fest im Sattel.

Eric_der _kein_Bier_trinkt
12 Tage zuvor

Liebe Ex Kollegen aus Bremen, ihr seit Vorbilder für den Konzern. Ihr habt die besten Prozesse, baut die besten Autos im Konzern und lasst euch nicht verarschen!
Ganz großes Kino, weiter so!

Gallia
12 Tage zuvor

Ist sowas nicht genau das was den Standort D schlecht,

OlaPalola
12 Tage zuvor

Da haben die Bremer Kollegen den Schuss nicht gehört.
Selbst mit einer Lohnkürzung durch die Erhöhung der Wochenarbeitszeit von 35 auf 40h bezahlt Mercedes immer noch sehr weit über Schnitt.
Und wer sich wegen der Verschiebung des Trafobausteins aufregt, dem ist nicht mehr zu helfen.
Vielleicht muss Mercedes erst erwägen, den Laden in Bremen ganz dicht zu machen und ein neues Werk in Ungarn oder Polen eröffnen.
Ola hat sehr viel richtig gemacht. Leider haben die Vorgänger die EMobilität verpennt.
Und der Aufsichtsricjt sollte sich fragen, warum es immer noch keinen CIO im Vorstand gibt.
Einzig den Personalvorstand sollte man vielleicht mal um Ablösung ersuchen.

JM13
Reply to  OlaPalola
12 Tage zuvor

In Olas Zeit wurde sehr viel Murks gemacht und um diese Zeit geht es. Es geht nicht um die Zeit, für die Vorgänger irgendetwas verpennt haben. Es gibt eine CIO im Bereich unterhalb des Vorstandes. Das Thema erfährt also große Aufmerksamkeit. Ich bin skeptisch, sollte der überforderte Vorstand das IT-Thema als Einzelfunktion verantworten.

Zuletzt editiert am 12 Tage zuvor von JM13
Eric_der _kein_Bier_trinkt
Reply to  OlaPalola
12 Tage zuvor

Kein CIO? Was war denn Jan Brecht und is Katrin Lehmann?

OlaPalola
Reply to  Eric_der _kein_Bier_trinkt
12 Tage zuvor

Richtig lesen: CIO im Vorstand und nicht nur als Titel auf der Visitenkarte.

Dass der beste Autobauer der Welt sich keinen kompetenten und erfahrenen IT Vorstand leistet, ist mit ein Grund für die aktuelle Situation.

Jan Brecht hat im Rahmen seiner Möglichkeiten viel bewegt. Die Nachfolgerin ist eine Fehlbesetzung genauso wie ihre Chefin.

Dass der Entwicklungsvorstand auch keine Ahnung von IT hat, ist in der heutigen Fahrzeugwelt auch nicht gerade von Vorteil.

Andi
Reply to  OlaPalola
11 Tage zuvor

Alle Mercedes Mitarbeiter in D. haben nur 1 % Lohnerhöhung in 2025 bekommen.
Für 2026 sind es auch nur 1,5 % trotz höhere Abschlüsse der Gewerkschaft.
Die Inflation von 2025 und 2026 kommt noch oben drauf.

Dann kommt ein Mercedes-Millionär um die Kurve der gerade ein neues BASF Werk in China bauen läßt, und erzählt uns wir müßten wieder 40 Stunden Arbeiten also 20 Stunden im Monat umsonst.

Damit er ein fetten Boni erhält, weil
gegen 12,-€ in Ungarn und 7 ,-€ in China ist sogar ein Arbeitsloser in D. zu teuer.

Aber Ihr habt diese Politik in D. gewählt,
und Ola mit seiner nur Luxus und E-Auto Strategie gescheitern bei den verkehrten Fahrzeugen.

Mike
12 Tage zuvor

Das ist so unglaublich dumm von einigen. Bestärkt doch nur die Sicht des Vorstandes bzgl. Verlagerung Richtung Osten. Hochmut kommt vor dem Fall.

Christoph
Reply to  Mike
10 Tage zuvor

Sich grundsätzlich gegen Dinge zu wehren, die zur Produktivität in Deutschland beitragen ist natürlich nicht schlau. Da stimme ich dir zu.

Aber einmal ein kleines Gedankenspiel: Wie fändest du es, wenn du du morgen zur Arbeit kommst und dir dein Chef mitteilt, dass dein dieses Jahr ausgehandeltes Gehalt nicht vollständig gezahlt wird – ein Teil verschiebt sich auf nächstes Jahr oder entfällt vielleicht komplett?

In jedem seriösen Unternehmen sollte die Finanzabteilung so etwas im Griff haben. Un in diesem Beispiel sprechen wir von einem Global Player mit CFO diversen Abteilungen wie Controlling, Liquiditätsmanagement, Finanzbuchhaltung und so weiter. Dort arbeiten Profis mit gut dotierten Verträgen. Als „einfacher“ Produktionsmitarbeiter würde ich mir schon etwas veräppelt vorkommen, wenn den Profis erst ganz kurzfristig auffällt, dass die Liquidität fehlt und „ich“ dafür zahlen soll.

Bernhard
12 Tage zuvor

Ich kann den sozialistischen Lokalkolorit des unbeteiligten ausgebeuteten Arbeiters:innen nicht mehr hören.
Die MB-Werker haben wie alle in der Autoindustrie jahrzehntelang zu gut verdient für zu wenige Wochenstunden. Die sind genauso Teil unseres Standortproblems wie der erwiesenermassen unfähige CEO, der willfährige Aufsichtsrat und und und….
D als Technologieführer und Automobilnation ist schlicht durch. Jetzt gilt es mit den schrumpfenden verbleibenden Ressourcen neue Betätigungsfelder zu erschliessen. Streiks beschleunigen da nur noch Abwanderung und Niedergang.

Dominique
Reply to  Bernhard
11 Tage zuvor

Puh, ich weiß nicht ob es Unterschiede zu den Werken gibt. 2012 war große Einstellung in RA (keine Zeitarbeit), es wurden 2700€ brutto (ohne Schichtzulagen) geboten. Ob das so gut ist/war….

Zuletzt editiert am 11 Tage zuvor von Dominique
Rainer
11 Tage zuvor

Für die Tatsache, dass die Arbeitskosten in Deutschland absurd hoch sind (quasi auf CH Niveau – und wo in CH werden noch ganze Autos herstellt?) können diese Leute nur indirekt etwas.

Am Ende ist das eine politische Frage und auch da gilt: wie bestellt (gewählt) so bekommen.

Unter welchen Bedingungen man in Deutschland noch Autos für den Massenmarkt halbwegs profitabel herstellen kann sieht man in Brandenburg: extrem rationalisiert, minimalistisch und komplett software-definiert. Und mit 40h Woche im Dreischicht-Betrieb.

Martin Baum
11 Tage zuvor

Sozialismus hat noch nirgends funktioniert und hier wird er auch enden.

Hr.Schmidt
Reply to  Martin Baum
10 Tage zuvor

China ist ein kommunistisch regiertes Land und jetzt kommst du, 🙂

Bertram
Reply to  Hr.Schmidt
10 Tage zuvor

Mit Sonderwirtschaftszonen die den restlichen Laden am Laufen halten.

Hr. Schmidt
Reply to  Bertram
10 Tage zuvor

Das würde ich so nicht unterschreiben. Derzeit hat China 5 SWZ. Jede für sich gigantisch mit allen Vor- und Nachteilen. Die erste SWZ weltweit gab es, glaube ich, in Irland 1959. Hat denen auch keiner zum Vorwurf gemacht.

Michael Sommerfeldt
11 Tage zuvor

Die Belegschaft hat doch Recht – es muss jetzt mal einen Schlag lassen !

Land, Konzerne, Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften sowieso – alles versumpft im Sozialismus !

Schalter Weel
11 Tage zuvor

Auch hier ist zunächst die Frage zu stellen, ob diejenigen ihren Untergang über Jahre selbst gewählt haben…

Peter Schmitz
11 Tage zuvor

Auch hier ist zunächst die Frage zu stellen, ob diejenigen ihren Untergang selbst gewählt haben.

Adnan
Reply to  Peter Schmitz
10 Tage zuvor

klar haben die das selbst AUSGEWÄHLT – sonst hätten sie schon vor 5 Jahren den Laden verlassen

B B
11 Tage zuvor

Sehr gut, richtig so!! Die Belegschaft (insbesondere hier) kann am wenigsten was für die ganzen Ursachen, die zu der jetzigen Situation geführt haben. Und wie folgerichtig geschrieben wurde: Die Produktionszahlen des Werkes passen.

Zuletzt editiert am 11 Tage zuvor von B B
KoanOla
11 Tage zuvor

Sehr schön! Ola muss weg – ohne Abfindung!

harry
11 Tage zuvor

Heute wurde der neue x5 vorgestellt. Eine komplette Neuentwicklung mit unterschiedlichen Antriebssystemen. Was bringt Mercedes…? Die bringen eine Zweite Mopf vom GLE. Mercedes scheint nicht in der Lage zu sein da mitzugehen.

Rainer
Reply to  harry
10 Tage zuvor

Angesichts dessen, dass auch dieses Auto an die 3.5t ZGG geht sehe ich da wenig erfreuliches.

Die gleichen Leute, die den Cybertruck für eine Ausgeburt der Hölle halten feiern dieses wenig leichtere, wenig kürzere und zugegebenermassen etwas schmalere Gefährt wie die 2. Wiederkehr von Jesu Christi.

Dr. Ing. Siggi Sayerstein
11 Tage zuvor

Das Beste oder China Böller

axxxtz
Reply to  Dr. Ing. Siggi Sayerstein
10 Tage zuvor

diese „china böller“ sind aber erstaunlich gut verarbeitet. hatte einen byd atto3, und der musste sich absolut nicht verstecken… sage ich als überzeugter c-klasse fahrer.

shaeussl
10 Tage zuvor

Das Werk Bremen ist durch die Abwanderung des GLC Verbrenners nach Tuscaloosa und des C EQ nach Keskemet besonders exponiert für Downsizing. Angesichts dieser Verlagerungen und der ungünstigen Kostenposition des deutschen Produktionsstandortes ist so eine Trotzreaktion nicht unbedingt förderlich für den Standort. Bei der dramatischen Situation der Automobilindustrie wird das Management sich von so etwas auch nicht beeinflussen lassen.

Marco
Reply to  shaeussl
10 Tage zuvor

Der BR254 (C/X254) wandert nicht nach Tuscaloosa ab, sondern dort werden zusätzliche Produktionskapazitäten für den US-Markt aufgebaut, Stichwort Importzölle, für den Rest der Welt bleibt die Produktion in Bremen und Sifi mit Ausnahme von China.
Die BR520 (W520) wird in Kecskemét produziert, das stimmt.

Martin
Reply to  Marco
8 Tage zuvor

Der W520 war auch nie für Bremen geplant. Also nix mit Abwanderung.