Mercedes-Benz sichert sich Wayves KI-Fahrsoftware

Mercedes-Benz und das Londoner KI-Start-up Wayve haben nun eine verbindliche Serienvereinbarung unterzeichnet: Der „Wayve AI Driver“ soll künftig in Mercedes-Fahrzeuge einziehen und dort eine fortschrittliche Fahrassistenz für Stadt- und Autobahnfahrten von Punkt zu Punkt ermöglichen. Die Integration soll innerhalb der nächsten zwei Jahre erfolgen, konkrete Modelle oder Märkte nannten man nicht.

Kameras statt Lidar

Wayves Technologie setzt – ähnlich wie Teslas Autopilot-Systeme – primär auf Kameras und Computer statt auf teure Lidar-Sensoren, was die Lösung günstiger machen soll als konkurrierende Ansätze. Das aktuelle System liefert dabei Assistenzfunktionen der Automatisierungsstufe 2, bei der die Fahrer jederzeit verantwortlich bleibt – das bestätigte Mercedes-Technikvorstand Jörg Burzer in einem LinkedIn-Beitrag.

Technisch soll die Software auf der bestehenden Mercedes-Hardware laufen und in das hauseigene Betriebssystem MB.OS integriert werden. Burzer bezeichnete die Kooperation als weltweit erste Integration des Wayve AI Driver im Premiumsegment und kündigte an, gemeinsam mit Wayve die Grundlage für einen weltweiten Rollout der Technologie zu legen.

Dritter KI-Partner neben Nvidia und dem eigenen System

Für Mercedes ist Wayve nicht die einzige Wette auf autonomes Fahren. Der Konzern verfolgt parallel mehrere Strategien: Bereits im Einsatz ist „Drive Pilot“, ein hauseigenes, regelbasiertes Level-3-System für Staus auf Autobahnen, das als erstes seiner Art eine US-Zulassung erhielt. Seit Januar 2026 läuft zudem Nvidias quelloffenes Alpamayo-Modell als Level-2+-Assistenzsystem in der Mercedes CLA. Wayve kommt nun als dritter, KI-basierter Ansatz hinzu – laut Berichten nach Nissan und Stellantis das dritte Serienabkommen des Start-ups mit einem Autobauer und das erste mit einem Premiumhersteller.

Bemerkenswert ist dabei der Zeitpunkt: Erst vor wenigen Monaten hatte Mercedes eigene, jahrelang beworbene Level-3-Pläne pausiert – und kauft nun bei einem externen Anbieter offenbar genau jene KI-getriebene, kamerabasierte Philosophie ein, die dem eigenen Ansatz bislang fehlte.

Wayve wächst rasant

Für Wayve reiht sich der Mercedes-Deal in eine Serie von Fortschritten ein. Erst am 3. September 2026 startete das Unternehmen gemeinsam mit Uber in London den ersten autonom unterstützten Fahrdienst für die Öffentlichkeit – umgesetzt mit Ford-Mustang-Mach-E-Fahrzeugen, in denen weiterhin ein von Transport for London lizenzierter Sicherheitsfahrer sitzt. Ab 2026 sollen solche Robotaxi-Tests auf über zehn weitere Märkte ausgeweitet werden, ab 2027 will Wayve eigene KI-gestützte Fahrassistenz auch direkt an Verbraucher verkaufen.

Bild: Mercedes-Benz Group AG

15 Kommentare
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Eine person
23 Tage zuvor

So ganz verstehen kann man das nicht. Das NVIDIA System ist mit entsprechender Hardware auch extrem Leistungfähig. Klar gibt es aktuell noch probleme mit dem System, die sollten sich aber beheben lassen (hauptsächlich Schildererkennung).
Zusätzlich wäre das NVIDIA System auch L4 fähig wenn man die entsprechende Hardware verbaut.
Man kauft sich also keine neuen Fähigkeiten ein sondern nur ein weiteres System, bei dem man erstmal bei null anfängt und Kinderkrankheiten lösen muss statt vollständig auf das NVIDIA System zu setzen.
Der Einzige Unterschied den ich zwischen dem Drive Assist Pro und dem wayve AI Driver Assist sehe ist, dass wayve ein Hands-free System hat. Das deutet nur auf höhere zuverlässigkeit hin beim Drive Assist Pro mit Updates auch erreicht werden kann. Auch das NVIDIA System basiert auf KI, für Zuverlässigkeit braucht es da hauptsächlich Trainingdaten die aktuell noch fehlen aber sobald der Drive Assist pro startet verfügbar sein sollten.

Ralf
Reply to  Eine person
23 Tage zuvor

Wenn man vollständig auf NVIDIA setzt, ist man auch entsprechend abhängig.
Ich halte es für sehr klug, da bereits jetzt auch andere Unternehmen mit an Board zu haben. Es erhöht auch den Druck auf NVIDIA – oder könnte auch eine gewisse Blase platzen und NVIDIA vielleicht auch ins Schlingern geraten, wer weiß…

Marc W.
23 Tage zuvor

Nachvollziehbar, weil Voraussage der erwartbaren Zukunft. Wenn Bildverarbeitung immer schneller und zuverlässiger wird, werden Radare entbehrlich; auch der Mensch hat primär sein Auge.
Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird KI dem Menschen überlegen, was die Analyse auch komplexester Fahrsituationen angeht.

Eine Person
Reply to  Marc W.
23 Tage zuvor

Die Bildverarbeitung ist nicht das Problem von Kameras. Es gibt Situationen in denen die Kameras geblendet werden können oder andere Autos nicht erkennbar sind (wenn jemand Nachts ohne Licht fährt zum Beispiel). Da ist es egal wie gut die Bildverarbeitung ist, andere Verkehrsteilnehmer können nicht erkannt werden. Deshalb halte ich mindestens einen zweiten Sensortyp für Notwendig wenn es um Level 3/4 geht.

Eine Person
Reply to  Eine Person
23 Tage zuvor

Ergänzung: Das Level 2 System von Wayve nutzt auch Radar-Sensoren. Nur Lidar-Sensoren werden im Level 2 System nicht benutzt, die gibt es erst im Level 4 System von Wayve.
Das Level 4 System nutzt dabei deutlich mehr Sensoren als das System von NVIDIA.
NVIDIA (bis Level 4): 14 Kameras, 9 Radar, 1 LiDAR, 12 Ultraschallsensoren, Außenmikrofone
Wayve (Level 4): 15-30 Kameras, 5-20 Radar, 5-7 LiDAR
Man gewinnt also (meines Erachtens) keinen einzigen Vorteil außer eventuell 1-2 Jahre (und selbst das durch Kinderkrankheiten vermutlich nicht) durch das wayve System und hat am ende vermutlich sogar mehr Komplexität.

Zuletzt editiert am 23 Tage zuvor von Eine Person
tutnixzursache
Reply to  Eine Person
23 Tage zuvor

Der Vorteil muss nicht zwingend im technischen Bereich liegen. Nachdem was man so hört, macht es Sinn neben Nvidia eine Alternative parat zu haben. Stichwort, vendor login und kommerzieller impact bei einer kritischen Technologie+Abhängigkeit von den USA, was leider mittlerweile als Risiko betrachtet werden muss.

Eine Person
Reply to  tutnixzursache
23 Tage zuvor

Das wäre durchaus vorteilhaft. Allerdings läuft auch die wayve Software wohl auf NVIDIA Drive AGX Thor (und eventuell auch auf der bei aktuellen Mercedes Modellen verbauten Orin) Hardware. Man wird damit also nicht unabhängig von NVIDIA. Gleichzeitig gibt man das seit 1,5 Jahren groß angekündigte System schon vor dem release auf und setzt wieder auf das nächste.
Das wichtigste für Mercedes ist es langfristig den Kurs zu halten, sonst wird man nie vorran kommen. So wie es aussieht will Mercedes auch erstmal nur mit Level 2 anfangen und das erst in zwei Jahren. Dann sucht man sich vermutlich für Level 4 wieder einen neuen Partner und ist am Ende völlig abgehängt.
Technisch ist man mit wayve nicht im Vorteil, eventuell sogar im Nachteil, Einfluss auf das System wird man auch weniger haben als beim NVIDIA System und es verzögert alles weitere noch mehr nach hinten.

OlaPalola
Reply to  Eine Person
23 Tage zuvor

Wie meinst du das?
Level 2++ soll doch Ende 2026 in München und Stuttgart kommen. Und in Q2/2027 bundesweit.
Oder wird dieser Plan jetzt verworfen und Drive Assist Pro wird um zwei Jahre nach hinten geschoben?

tutnixzursache
Reply to  Eine Person
23 Tage zuvor

Ich gehe davon aus, dass zukünftig die Fahrzeuge in den USA mit dem Stack von Nvidia fahren, EU Wayve und China Momenta. Ich halte das für einen cleveren Schachzug, denn die richtig hohen (Lizenz)Kosten fallen bei der Nutzung des Nvidia Stack an. Wenn man die Möglichkeit hat mit verschiedenen SW Stacks auf gleicher Hardware zum gleichen Ergebnis für den Kunden zu kommen verhindert das effektiv zur nächsten amerikanischen Cashcow zu werden. Verschiebung der aktuellen Timeline seh ich nicht, gehe eher davon aus, dass der neue Stack mit einer neuen Modellreihe z.B. E-Klasse kommt.

Eine Person
Reply to  tutnixzursache
23 Tage zuvor

Dann stellt sich nur die Frage was mit den aktuellen Baureihen kommt. Wenn man in neuen Baureihen in Europa das wayve System verbaut wird das Interesse von Mercedes das NVIDIA System für Europa weiter auszuweiten sehr begrenzt sein.
Ob das so sinnvoll ist ist auch eine andere Frage, die Hardware ist weiterhin von NVIDIA und höhere SAE-Level sind bei wayve weiter von der Serienreife entfernt als von NVIDIA.

Bruno
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21 Tage zuvor

Es gibt auch andere chips als die von Nvidia.

Michael Sommerfeldt
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20 Tage zuvor

Unsinn hoch 10 – weder wird da was geblendet, noch ist das System im Dunkeln blind. Einfach mal FSD Videos anschauen, sich informieren statt Gerüchte zu verbreiten – und staunen.

Eine Person
Reply to  Michael Sommerfeldt
18 Tage zuvor

in 99,9% der Fälle reichen die Kameras aus. Bei höheren SAE-Levels reicht das aber nicht aus. Es gab schon mehrere Fälle in denen Tesla FSD gravierende Fehler gemacht hat, da die Kameras nicht korrekt sehen konnten. Ein zusätzlicher Sensor hätte dabei abhilfe schaffen können.

Cornelius
22 Tage zuvor

Eine ältere Bekannte aus den USA, die nicht mehr gerne selbst Auto fährt, hat mir vor kurzem sehr plausibel geschildert, wie sie mit Tesla FSD wieder Strecken gut selbst bewältigen kann, für die sie zuvor Taxis nehmen musste, wie z.B. durch die Metropolregion von Boston. Ich denke, die anderen Hersteller wie Mercedes müssen sich sputen, um etwas vergleichbares anzubieten. Vor allem Mercedes, das ja im Vergleich zu anderen Herstellern eine etwas ältere Stammkundschaft hat.

Michael Sommerfeldt
Reply to  Cornelius
20 Tage zuvor

Mercede ms könnte sofort FSD zukaufen. Sind aber zu stolz und hinken so lieber seit Jahren hinterher.