Der Sparkurs bei Mercedes-Benz bekommt eine neue, konkrete Zahl: Der Stuttgarter Autobauer plant offenbar, die Personalkosten an seinen deutschen Standorten um bis zu 800 Millionen Euro zu drücken. Das berichtete die „WirtschaftsWoche“ unter Berufung auf drei mit den internen Beratungen vertraute Personen.
Längere Arbeitszeiten, weniger Sonderzahlungen
Um auf die angestrebte Summe von 800.000 Euro zu kommen, prüft das Management mehrere Stellschrauben gleichzeitig: eine Verlängerung der wöchentlichen Arbeitszeit, die Kürzung oder komplette Streichung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie den möglichen Verzicht auf weitere Sonderzahlungen an die Belegschaft. Aktuell gilt bei Mercedes tariflich die 35-Stunden-Woche – ein Wert, den Aufsichtsratschef Martin Brudermüller bereits in der Vergangenheit infrage gestellt und eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche ins Gespräch gebracht hatte.
Da es sich bei den betroffenen Punkten um tarifvertraglich geregelte Leistungen handelt, kann Mercedes sie nicht im Alleingang ändern. Jede Anpassung der Arbeitsbedingungen erfordert Verhandlungen mit dem Betriebsrat und der IG Metall – und genau dort dürfte sich zeigen, wie viel von den 800 Millionen Euro tatsächlich realisierbar ist.
Teil eines größeren Sparprogramms
Die 800-Millionen-Pläne sind kein neuer Kurswechsel, sondern die konkreteste Ausgestaltung eines Sparprogramms, das Mercedes-Chef Ola Källenius bereits vor gut anderthalb Jahren unter dem Namen „Next Level Performance“ gestartet hatte. Ziel des Gesamtprogramms ist es, die Konzernkosten bis 2027 um rund fünf Milliarden Euro gegenüber früheren internen Planungen zu senken – unter anderem sollen die Produktionskosten in der Pkw-Sparte um zehn Prozent sinken, ebenso die Fixkosten.
Hintergrund ist eine deutliche Ergebnisdelle: 2025 brach der Konzerngewinn von 10,4 auf 5,3 Milliarden Euro ein, nachdem bereits 2024 ein Rückgang zu verzeichnen war. Als Belastungsfaktoren nennt das Unternehmen US-Zölle, ungünstige Wechselkurseffekte und den intensiven Wettbewerb in China, wo der Absatz zuletzt um fast ein Fünftel einbrach. Im ersten Quartal 2026 sackte das Konzernergebnis weiter um 17,2 Prozent ab. Bereits im dritten Quartal 2025 hatte Mercedes rund 876 Millionen Euro an Sonderkosten für ein freiwilliges Personalabbauprogramm verbucht, das vor allem den deutschen Standort betraf.
Verschärfend kommt hinzu, dass das Unternehmen im Sommer 2026 bereits eine tarifliche Sonderzahlung – den sogenannten „Transformationsbaustein“ in Höhe von 18,4 Prozent eines Monatsentgelts – auf das kommende Jahr verschoben hatte. Der Vorstand bezeichnete die Lage am Standort Deutschland damals intern als „dramatisch“.
Internationale Verlagerung als zusätzlicher Hebel
Parallel zum Sparkurs im Inland baut Mercedes seine internationale Fertigungskapazität weiter aus. Am ungarischen Standort Kecskemét wurde die Jahreskapazität zuletzt auf 400.000 Fahrzeuge verdoppelt – ein Signal, das die Verhandlungsposition gegenüber den deutschen Standorten zusätzlich verschärft: Jede Produktionsverlagerung ins Ausland schwächt tendenziell die Position der heimischen Werke in den anstehenden Gesprächen.
Ob und in welchem Umfang die 800-Millionen-Einsparung tatsächlich kommt, hängt nun maßgeblich vom Verlauf der Verhandlungen mit Betriebsrat und IG Metall ab. Für die rund 91.000 Beschäftigten an den deutschen Mercedes-Standorten, für die erst 2025 eine Beschäftigungssicherung bis 2034 vereinbart wurde, dürften die kommenden Wochen entscheidend werden.
Symbolbilder: Mercedes-Benz Group AG






