Zweites Quartal 2026: Stromer im Aufwind, China im Sturzflug

Mercedes-Benz verkauft in Europa so viele Elektroautos wie nie. Doch der Einbruch im wichtigsten Einzelmarkt drückt Absatz und Umsatz und zwingt den Konzern, seine Jahresziele zu kappen.

Mercedes-Benz erlebt 2026 zwei Geschäftsjahre in einem: Beim Elektroauto läuft es in Europa so gut wie lange nicht. In China, dem Markt, auf den der Konzern jedoch über Jahre gesetzt hat, bricht das Geschäft dagegen weg.

Ein Quartal mit zwei Gesichtern

Im zweiten Quartal lieferte Mercedes weltweit 511.900 Pkw und Vans aus. Die Pkw-Sparte kam auf 417.800 Fahrzeuge, ein Minus von acht Prozent. Der Grund liegt vor allem in Fernost: Die Pkw-Verkäufe in China fielen um 30 Prozent. Ohne den chinesischen Markt wäre die Bilanz freundlicher ausgefallen, denn außerhalb Chinas legte der Absatz von Pkw und Vans um drei Prozent zu.

Europa als Rückgrat der Elektroffensive

Die Elektroautos sind der Lichtblick. Der Absatz vollelektrischer Fahrzeuge stieg um 51 Prozent auf 52.852 Einheiten. Besonders stark ist der Heimatkontinent: In Europa wuchs der Elektroabsatz um 87 Prozent auf 43.500 Fahrzeuge, jeder vierte Neuwagen von Mercedes fährt dort inzwischen rein elektrisch. Auch in den USA ging es aufwärts. Zusammen mit dem Plus in Europa konnte das den Rückgang in China aber nur teilweise ausgleichen. Die neuen Modelle wirken bereits. Der neue CLA und der GLB tragen spürbar zur Dynamik bei, weshalb der Konzern seine Prognose für den Anteil elektrifizierter Fahrzeuge am Gesamtabsatz angehoben hat.

Der teure Preis des China-Geschäfts

Die Probleme in Asien belasten die Bilanz. Im Quartal fielen Wertminderungen von 704 Millionen Euro auf Investitionen in China an. Das Geld floss dabei nicht ab, die Abschreibung zeigt aber, dass Mercedes die Aussichten dort nüchterner sieht. Der Konzernumsatz sank um drei Prozent auf 32,1 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr erwartet das Unternehmen nun bei Konzernumsatz und Pkw-Absatz ein Niveau leicht unter dem Vorjahr.

Mercedes stößt in China auf mehrere Probleme zugleich. Die Verbraucher halten sich zurück, der Wettbewerb ist hart, und einheimische Hersteller und Tesla sind bei Elektroautos weit voraus. Konzernchef Ola Källenius setzt in China auf die Verbindung von Spitzentechnologie und zeitlosem Luxus. Dass das allein nicht reicht, zeigen die Zahlen. Auch Verbrenner verkaufen sich dort schlechter, der Gesamtmarkt schwächelt.

Die Hoffnung: GLC

Mercedes setzt auf Produkte, die gezielt für China gebaut sind. Für das zweite Halbjahr hat der Konzern eine neue Modellgeneration für den chinesischen Markt angekündigt. Dazu gehört eine Langversion des elektrischen GLC mit mehr Radstand und mehr Komfort im Fond, zugeschnitten auf die Wünsche chinesischer Kunden. Ob das reicht, ist offen. Lokale Anbieter bauen Elektroautos schneller und oft noch deutlich günstiger. Für Mercedes wird sich 2026 deshalb entscheiden, ob die Elektrostärke in Europa den Verlust in China dauerhaft auffangen kann oder ob der Konzern sein Geschäftsmodell in Asien grundsätzlich neu denken muss.

Bilder: Mercedes-Benz Group AG