Während man vor einigen Tagen die Verkaufsfreigabe für das Änderungsjahr 20/1 für die Baureihe 217 – dem S Klasse Coupé und Cabriolet – startete, sind einige Funktionen regelrecht stillheimlich entfallen, die es in der Produktion bis Ende Mai noch ab Werk geben wird. Wir haben uns die Details angesehen.

Änderungsjahr 20/1 bringt teilweise Rückschritt

Mit dem Änderungsjahr 20/1 hat Mercedes-Benz das S-Klasse Coupé und Cabriolet technisch – zumindest in Teilen – durchaus ausgedünnt und verzichtet zukünftig auf zahlreiche technische Funktionen, wenn auch andere Funktionen hinzugekommen sind.

Während man den Aktiven Lenk-Assistent um eine Rettungsgassenfunktion erweitert, und dem Aktiven Brems-Assistent noch schnell eine Abbiegefunktion mit Stauende-Notbremsfunktion gönnt, streicht man sowohl die Vorrüstung für die NFC-Schlüsselkarte (Code 896), wie auch das vielfach gefeierte MAGIC BODY CONTROL Fahrwerk (487) in der Baureihe 217.

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Änderungen bei Parken und Rangieren sowie Entfall des Spurwechsel-Assistenten

Blickt man auf den Punkt „Parken und Rangieren“ in der Preisliste, fallen die Änderungen gar nicht so schnell auf, wie diese sich in der Realität effektiv auswirken. So benennt man den „Aktiven Park-Assistenten mit PARKTRONIC“ nicht nur versehentlich auf „Park-Assistent PARKTRONIC“ um, sondern lässt hierbei gleich die automatisierten Parkfunktionen (d.h. Lenken, Bremen, Gas geben) ersatzlos entfallen. Dies betrifft auch die bislang identischen Funktionen im Park-Paket mit Rückfahrkamera sowie Park-Paket mit 360 Grad Kamera.

In der Preisliste zum Park-Paket mir Rückfahrkamera (Code P44) heißt es z.B. nun lediglich: „Die Kombination von Park-Assistent PARKTRONIC und Rückfahrkamera unterstützt Sie beim Einparken, Ausparken und Rangieren.“ Effektiv sind die aktiven Funktionen aber dazu entfallen, wobei das System sich auf Warntöne und Anzeigen beschränkt.

Im Vergleich dazu die bisherige Preisliste (noch Änderungsjahr 19/2): „Selbst einparken – oder stressfreier einparken lassen.[….]… oder sich vom Aktiven Park-Assistenten beim Ein- und Ausparken unterstützen lassen

Das Paket P 44 besteht z..B. hierbei zukünftig aus folgenden Bestandteilen:

  • 12 Ultraschallsensoren (jeweils 4 vorne bzw. hinten, und 2 seitlich im Front- und Heckstoßfänger)
  • Rückfahrkamera mit Darstellung im Media-Display (Standard- und Weitwinkel-Ansicht mit virtuellen Hilfslinien, zusätzlich bei Anhängevorrichtung mit Anhängermodus und Zoom-Funktion).
  • Park-Assistent PARKTRONIC (Optische und akustische Warnung bis zu einer Geschwindigkeit von 10 km/h). Optische und akustische Warnung auch bei erkannten Querverkehr ggf. automatishce Notbremsung (nur i.V.m. Totwinkel-Assistent oder Aktivem Totwinkel-Assistent).

Beim Fahrassistent-Paket (Code 23P): der Baureihe 217 entfällt zukünftig der Aktive Spurwechsel-Assistent. Parallel ist zukünftig keine Bestätigung der Fahraktivität über Lenkradtasten und Touch Control Buttons mehr möglich, sondern nur über Lenkimpulse des Fahrers.

Zertifizierungsvorschriften geändert ?

Grund für die Änderungen sollen angeblich Änderungen bei den Zertifizierungsvorschriften sein, wobei es fraglich ist ob es sich dann logischerweise zukünftig auf das ganze Fahrzeugportfolio von Mercedes-Benz auswirkt oder man sich einfach den Aufwand für die Zertifizierungen für die auslaufende Baureihe sparen wollte.

Symbolbilder: Daimler AG

17 Kommentare
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Carlos
1 Jahr zuvor

Es handelt sich tatsächlich um geänderte Gesetzesanforderungen in Europa, die das automatische einparken und den aktiven Spurwechsel mit der heutigen Selbstlenkenden Technik verbieten. Betrifft leider alle Hersteller. Die Konsequenzen beim parken werden noch weitreichend sein und nahezu alle Fahrzeuge aller Hersteller betreffen (bis die Hardware zum nächsten Modell aufwändig überarbeitet wird). Die E-Mopf hat aber zum Beispiel schon die neue Generation und darf wieder automatisch einparken, der neue Audi A3, der ja komplett neu ist bietet trotzdem kein automatisiertes einparken mehr an im Gegensatz zum Vorgänger. Da können wir uns bei den europäischen Regelungsfanatikern bedanken, im Rest der Welt dürfen die Systeme weiterhin genutzt werden…

Ralf
Reply to  Carlos
1 Jahr zuvor

Nur weil es der Rest der Welt macht, muss es nicht besser sein. Und nur auf die „Regelungsfanatiker“ ohne Hintergrundwissen zu schimpfen, ist auch ein wenig kurz gedacht. Solche Regelungen kommen nicht von heute auf morgen. Da erwarte ich vom „führenden Premiumhersteller“, dass er up-to-date bleibt! Und nicht wieder was verschläft – siehe Audi und WLTP, das lange vorher bekannt war.

Carlos
Reply to  Ralf
1 Jahr zuvor

Das stimmt grundsätzlich, es ist nur schwer zu verstehen wie jahrelang genutzte und sichere Systeme dann Jahre später nicht mehr erlaubt sind, ohne, dass es größere Vorkommnisse beim einparken gab.

Ralf
Reply to  Carlos
1 Jahr zuvor

Wenn sich das Zertifizierungsverfahren ändert (weil die Systeme jetzt mit zum autonomen Fahren zählen) heißt es nicht, dass die Systeme „nicht erlaubt“ sind, sondern nur, dass sie anderes getestet/vorgeführt/zertifiziert sein müssen, um sie freizugeben.
Und ähnlich WLTP bedeutet dies einen größeren Aufwand und Kosten für Hersteller, den sie gerne (oder auch notgedrungen) scheuen und Sündenböcke suchen.

Solche Regelungen entstehen übrigens vor allem, um die Industrie einen einheitlichen Standard zu bieten und Verfahren einfacher und sicherer zu gestalten. Mitunter wird so etwas auch von der Industrie gewünscht und dafür Lobbyarbeit betrieben – siehe die viel gescholtene „Gurkenverordnung“ (Verordnung (EWG) Nr. 1677/88).
Und wer glaubt, die EU entwickelt Regelungen nur, um die Leute zu ärgern, kann man auch nicht mehr helfen…
Ganz nebenbei: Nicht immer muss etwas passieren, damit man Systeme sicherer gestaltet.

Helge
Reply to  Ralf
1 Jahr zuvor

@Carlos
Und es würde mich nicht wundern, wenn alle bisherigen Fahrzeuge, welche vorher gebaut wurden und den aktiven Parkassistenten haben, dann beim nächsten Service in der Werkstatt klammheimlich ein Softwareupdate bekommen, womit dann das selbstständige Gasgeben und Bremsen beim Einparken abgeschaltet wird.

So ganz verstehen kann ich es nicht. Als ich neulich im Kundencenter Rastatt war, hat mir ein Mitarbeiter das System noch mit einer B-Klasse vorgeführt. Das hat wunderbar funktioniert. Ich war echt erstaunt, wie gut dieser Assistent mittlerweile ist.

Joachim
Reply to  Helge
1 Jahr zuvor

Och nööö Helge : Jetzt nicht noch einen auf Verschwörungstheoretiker machen!
Und wahrscheinlich deaktivieren die von MB beim „nächsten Service in der Werkstatt klammheimlich“ auch noch den unentbehrlichen, umklappbaren Beifahrersitz still und heimlich, obwohl man ja dafür bezahlt hat … . 😉 😉

Helge
Reply to  Joachim
1 Jahr zuvor

@Joachim.
Den werden (können) sie nicht deaktivieren, den der funktioniert zum Glück mechanisch.

Außerdem habe ich ja nicht gesagt, daß MB das macht. Ich habe nur gesagt: „Ich würde mich nicht wundern….“
Immer genau lesen

Ich habe den Park-Assistenten bei meiner B-Klasse kaum verwendet, weil er meistens die Parklücken nicht korrekt erkennt. Da parke ich lieber selber ein. Das geht schneller.

Wolfi
1 Jahr zuvor

Es wäre mal interessant, wenn man eine offizielle Stellungnahme bekommen könnte, was genau in der Zertifizierung geändert wurde, wann diese Änderungen bekannt gemacht wurden und warum diese Änderungen notwendig waren (zumindest notwendig aus Sicht der europäischen Behörden!).
Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass eine Behörde von heute auf morgen eine Anforderung ändert. Außer, die bisher vorhandenen Systeme waren so mangelhaft, dass es vermehrt zu Unfällen kam. Nur dann ist eine abrupte Regeländerung eigentlich sinnvoll.

Marc W.
1 Jahr zuvor

Da haben sich unterm Strich mal die Vernünftigen durchgesetzt. Siehe Entfall Level 3.
Das war echt was halbgares im Sinne „Effekt vor Zuverlässigkeit“ – Tesla lässt grüßen.
Entweder die Ingenieure können beweisen, dass etwass IMMER funktioniert (MAX8 lässt grüßen !) – oder man lässt es.
Beim automatisierten Parken konnte sicher jemand nachweisen, dass krabbelnde Kleinstkinder nicht IMMER erkannt werden. „Besser“, der Fahrer hat dann Schuld – und nicht der Hersteller.

Stefan Camaro
Reply to  Marc W.
1 Jahr zuvor

Durch den Assistenten wird vlt ein Kleinkind beim Einparken todgefahren. Wer sagt, dass es beim Menschen nicht 10 tote Kinder sind?

Im übrigen heißt es Assistenzsysteme. Assistieren bedeutet doch unterstützen nicht die Arbeit komplett abnehmen. Ich glaube einfach die Erwartungshaltung von vielen, dass es mit Assistenten keinen Unfall mehr geben wird/darf, ist falsch.
Wichtig ist, dass im Schnitt die Unfalltoten gesenkt werden.
Der Mensch sollte aktuell immer bei der Sache bleiben und aufpassen auch wenn das Auto alleine einparkt.

Helge
Reply to  Marc W.
1 Jahr zuvor

@MarkW
Ein Assistenzsystem, welches immer (und jeglichen Bedingungen) funktioniert gibt es (noch) nicht. Daher sind es ja auch „nur“ Assistenzsysteme.
Und die Hersteller sichern sich auch ab, indem mittlerweile die Bedienungsanleitungen der Fahrzeuge immer dicker werden mit allen Warnhinweisen usw.
Manche Assistenzsysteme bzw. Sensoren schalten sich sogar bei bestimmten Wetterbedingungen selbstständig ab.

Wenn man also darauf warten würde, bis ein System immer und bei allen Witterungsbedingungen (ohne Fehler) funktionieren wird, dann gäbe es bis heute wohl kaum ein Assistenzsystem im Fahrzeug (außer vielleicht ABS und ESP).

Von daher wird es mit dem rein autonomen Fahren noch viel Zeit brauchen, bis es Standard wird. Denn es muß in allen Verkehrsgeschehen und Witterungsbedingungen zuverlässig funktionieren und in Bruchteilen von Sekunden die richtige Entscheidung treffen. Und können diese Systeme dann vielleicht auch ethisch entscheiden: Wenn ein Menschenleben nur gerettet werden kann, wenn ein Anderes nicht überlebt? Da habe ich so meine Zweifel.

martin
1 Jahr zuvor

Warum wundern sich hier alle dass die Systeme beim Cuope und Cabrio „entfeinert “ werden?
Ab Sommer gelten neue , einheitliche Zertifizierungsverfahren für autonome Systeme. Das ist per se zu begrüssen.
Und ein Fahrzeug welches spätestens im August eingestellt wird (laut Meldung in diesem Blog vom 28.03.2020) nun nicht mehr mit hohen Kosten neu zu zertifizieren ist doch betriebswirtschaftlich nachvollziehbar und sinnvoll.
Verstehe daher den ganzen Aufriss nicht. Die Hauptmärkte sind doch sowieso nicht betroffen, Und die paar Fahrzeuge die bis dahin noch hier in Europa verkauft werden kann man vermutlich an 2 Händen abzählen.

MB_Addict
1 Jahr zuvor

@Carlos

Die Aussage zum A3 ist schlicht falsch. Der Parkassistent der alten Generation konnte Lenken, aber nicht Gas geben/bremsen.

Bei der neuen Generation ist es immer noch so. Es kamen also keine Funktionen hinzu, es sind aber auch keine entfallen.

Helge
1 Jahr zuvor

Aber eigentlich ist das nicht weiter schlimm, wenn Gas geben und Bremsen nicht mehr automatisiert sind, und vom Fahrer beim Park-Lenk Assistenten übernommen werden müssen.
Denn ich glaube, daß bei denjenigen, die ihn nutzen, nicht das gefühlvolle Spiel zwischen Gas und Bremse das Schwierige ist, sondern (je nach Größe der Parklücke) den richtigen Lenkwinkel zu finden, vorallem auch wenn das Auto unübersichtlich ist.
Und ältere Menschen haben zudem das Problem den Kopf zu drehen, wenn Sie einparken.
Da gibt’s Leute, die parken ein und aus nur mit Spiegel und Kamera bzw. Parksensoren.
Gasgeben und Bremsen sollte noch jeder hin bekommen, sonst gehört er nicht ans Steuer.
Gerade beim Automatik ist es sowieso einfacher, auch am Berg – dank Hold-Funktion.

Nikolaus Hagenau
1 Jahr zuvor

Ist ja mittlerweile, das Einzige, was in EU-Land wächst und gedeiht: Die Bürokratie. Alles andere verkümmert, wird ge-down-locked, zu Tode reguliert und besteuert, versinkt in Schulden, vergreist (stattdessen gibt es die ach so produktiven Neubürger). Ingenieursgeist, einmal getötet, kommt nicht wieder. Es hat 100 Jahre (3 Generationen) gedauert, bis seinerzeit die Industrialisierung in Preussen und Schwaben so richtig in Schwung gekommen ist. Dafür dauert es jetzt nur eine einzige, sie wieder abzuwürgen.

Jaja, OT – und auch wieder nicht. Sind halt alles Mosaiksteinchen. Und wenn man sich so lange in der Technik und in allen Weltteilen herumtreibt, wie ich, kann man halt ein Muster erkennen.

Rant over.

Hans
1 Jahr zuvor

Das letzte Bild (Cabrio über LA) ist echt wunderschön, genau dorthin passt dieses Fahrzeug.